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Samstag, 28. Juli 2018

Physik ist cool und Skateboard rockt

Nur eine kurze Notiz zwischendurch: Spektrum online hat ein Video verlinkt, das recht eindrucksvoll erklärt, warum Skateboarden nicht so viel mit Wagemut als vielmehr mit Physik und Körperkontrolle zu tun hat. Kann man die Bewegungen ernsthaft berechnen? Keine Ahnung ... Auf jeden Fall habe ich wahnsinnig viel Lust bekommen, mir nach dem aktuellen Regenguss die Bandage anzulegen und mit Shizuka, der kleine Schwester und unseren Boards ein paar Stunden draußen zu verbringen. Drückt mir die Daumen, dass es dieses Wochenende nochmal trocken wird!

Und hier der versprochene Link:

Eine Frage des richtigen Drehs

Und natürlich auch das Video für alle, die lesefaul und ohnehin des Englischen mächtig sind:



Mittwoch, 18. Juli 2018

Kids coden

Shizuka hat ein neues Hobby entdeckt, und wieder einmal war die böse Mama daran Schuld. Mama hatte einen Textauftrag: Python für Anfänger. Ein eher kurzes E-book mit den absoluten Basics sollte geschrieben werden, zwei Wochen Zeit, Verdienst im dreistelligen Bereich. Also beschloss Mama, dass sie Python lernen muss. Gesagt, getan. Shizuka sah ihr über die Schultern, Sommerferien. Und Shizuka buddelte nach zwei Tagen ihre alten Spektrum Neo Zeitschriften aus, fand die Ausgabe Robotik, las den Artikel über Programmieren für Kids noch einmal und grübelte. 

Und dann ging es rund.

Tag 1: Mama, wie schreibt man ein Programm.?(Mama erklärte in fünf Sätzen, wie das geht und was das mit Mathe zu tun hat.)

Tag 2: Mama, ist Python schwer? (Antwort: Nein, aber reichlich unsexy. Vor allem für Kinder.)

Tag 3: Shizuka findet ein neues E-Book auf ihrem USB-Stick: Der kleine Hacker.* Shizuka schaltet ihr Laptop ein. Und Mama kommt den ganzen Tag über nicht mehr zum Arbeiten. Abends sind zwei Spiele programmiert, Shizuka hat drei neue USB-Sticks, spricht eine nicht altersgemäße Mischung aus Englisch und Deutsch, denkt in Schleifen und Funktionen, kann klonen, weiß wie man Programme lädt und speichert, warum man seine Daten besser auf zwei separaten Drives einzeln abspeichert und dass sie wirklich eine Japanerin ist. Denn ihre Spiele sehen aus Zuckerwattelollipopwunderland, alles pastellen. Außerdem hat sie ihr erstes Konto bei einem sozialen Medium, denn ohne kann sie ihre Entwürfe bei Scratch** nicht speichern.

Tag 4: Shizuka entdeckt, dass Papa eine Kindersicherung auf dem Laptop installiert hat. Um 21:30 Uhr abends schaltet sich das Ding aus. Damit ist die Idee für ein Multilevel-Spiel, Mehrspieler-Modus, gestorben. Denn das coded sie nicht an einem Nachmittag. Und zweimal an der gleichen Sache arbeiten? Pah.

Tag 5: Challenge. "Mama, wir nehmen uns jetzt zwei Stunden Zeit und machen ein Spiel. Du darfst die Tutorials bei Scratch benutzen, aber kein Buch als Vorlage. Und wenn Du willst, nimmst Du Python. Ist mir egal. Das Spiel muss in zwei Stunden fertig sein, und dann wird Probe gespielt." Jury: die kleine Schwester. Mama hat gewonnen. Shizuka ist wieder an den eigenen Ansprüchen (namentlich 40 Skripte und 8 Level) gescheitert. 

Tag 6: Mama, kann ich noch andere Programmiersprachen lernen? Scratch ist keine Sprache, sondern mehr ein Programm. Also gar nicht so richtig Programmieren! Ist doch alles schon fertig gecoded, die Blöcke und so. Ich puzzle doch nur ein bisschen.



... to be continued. Die Sommerferien haben gerade erst angefangen.


* Programmieren für Einsteiger, wie immer freiwillig und als Tipp (ohne Bezahlung oder andere Benefits für Shizukas Mama) verlinkt.
** www.scratch.mit.edu. Scratch gibt es auch als Offline-Version, ist aber überwiegend Englisch gehalten. Das ist doof, wenn man sich die Fachterminologie gerade erst erschließt und eigentlich programmieren und nicht Englisch lernen will. Daher die Einwilligung der eigentlich eher zögerlichen Mama, doch ein Kinderkonto anzulegen. Nach langem Testen und Ausprobieren als halbwegs sicher und mit weniger Suchtpotential als andere soziale Medien empfunden. Für Anfänger und Neue scheint es eher weniger Interaktion zu geben, Shizuka wurde auch nach einigen Tagen noch nicht kontaktiert oder kommentiert, und ihre Spiele kann sie in aller Ruhe selbst und alleine weiterentwickeln. Zum Lernen ist das prima, und die Sachen müssen auch nicht veröffentlicht werden. Heißt, trotz Speicherung auf dem Server sind sie nur vom Betreuerteam von Scratch einsehbar.

Samstag, 2. September 2017

Souveränität gewonnen

Die Sommerferien sind nun schon seit einigen Tagen vorbei, und sowohl die kleine Schwester als auch Shizuka sind wieder im Alltag angekommen. Die letzten beiden Wochen der Ferien haben die beiden übrigens in der Schule verbracht, es gab zum ersten Mal "Sommerschule" für sie. Zwei Wochen lang täglich von morgens bis in den Nachmittag hinein spielen, toben, Quatsch machen, basteln und mit anderen Kindern die Schule auf den Kopf stellen. Für viele Eltern ist das Sommerferienprogramm eine Möglichkeit, ihre Berufstätigkeit irgendwie mit dem Stundenplan der Kinder in Einklang zu bringen. Für die Lehrkräfte ist es eine Möglichkeit, Schule mal von der weniger ernsten Seite zu betrachten und mehr oder weniger fließend (okay, mit viel Organisationsaufwand und Nervenkitzel) aus den langen Sommerferien zurückzukommen. Und die Kinder? Die lernen Schule als Abenteuerspielplatz kennen. Wenn nämlich der Schulhof und der Spielplatz für Parcours genutzt werden, neben der Miniatur-Boulderwand plötzlich auch noch Slackline, Balanceboards, Wannen voller Wasserbomben und Bälle zum Balancieren stehen. Wenn im Mathe-Kursraum mit Holz, Leim und Farbe gewerkelt wird. Und im Klassenzimmer der 7b Nähmaschinen stehen, mit denen man kurze Hosen im Hawaiihemden-Look produziert. Auf den Fluren fanden Drehstuhl- Wettrennen statt. Die Schwimmhalle der Schule wurde zum Spaßbad. Und im Computerraum saß das Sommerschule-Blogger-Team und hat alles in vielen Bildern und wenigen Worten für die Eltern dokumentiert. In der Mittagspause durften Große und Kleine zusammen in der Mensa essen (Lecker!), und zum Abschluss gab es am letzten Nachmittag draußen eine große Party mit Wasserbombenschlacht. 

Was haben die Kinder mitgenommen?
Die kleine Schwester ist sehr souverän geworden. Sie durfte, da sie im letzten Kindergartenjahr war, an den Aktivitäten für Erstklässler teilnehmen und hat sich täglich einen Block im Spaßbad und einen Block Basteln und Werken.
Die große Schwester wollte an ihren motorischen Fähigkeiten arbeiten und hat den Nähkurs wahrgenommen und im zweiten Block mit Mama allerhand Mädchenkram gefilzt. 
Den dritten Block haben die Mädchen ohne Kurs im Freizeitraum verbracht, haben LTB gelesen, Tischkicker gespielt, sich bei Uno Extreme gegenseitig angeschrien und anschließend noch aufräumen geholfen.

Für die kleine Schwester war die Situation etwas schwierig, da sie kaum Kinder an der Schule kannte, in ihren Kursen erstmal unter Fremden war und dazu auch noch körperlich die Kleinste. Zwei Tage Katzenjammer, vor allem in der Mittagspause (sie musste alleine am Tisch essen, niemand wollte sich zu ihr setzen), danach war die Welt in Ordnung. Statt der großen Schwester hat sich die kleine Schwester einfach an eine der vielen neuen Freundinnen gehängt. Da sie mit ihrer zierlichen Statur auch bei Erst- und Zweitklässlern schon Beschützerinstinkte weckt, war sie gut versorgt und glücklich. Nach den zwei Wochen Sommerschule hat sie unglaublich viel Souveränität gewonnen. Sie bewegt sich frei in der Schule, kann auch an fremden Orten neuerdings alleine die Toilette aufsuchen und bestellt ihr Essen im Restaurant selbst. Enorm, was zwei Wochen Spiel und Spaß mit einer Fünfjährigen anstellen! Der Entwicklungssprung war einfach gigantisch.

Shizuka fand es einfach gechillt. Sie hat Schule nochmal entspannter als sonst erlebt, hat ihre Vorliebe für Comics entdeckt (Aber nur LTB!) und mit der Feinmotorik Frieden geschlossen. Außerdem findet sie Edgar Degas inzwischen recht abgefahren und steht (bedingt) auf Ballerinabilder. Ihre kurze Hose mit den riesigen Hibiskusblüten drauf wird allerdings vermutlich im Schrank verstauben. 
:-D 
Also auch hier ein Entwicklungssprung, aus der spröden Pipi Langstrumpf wird langsam eine auf ihre eigene Art feminine Ronja Räubertochter.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Chillen pur

Sommer in Deutschland ist irgendwie immer sehr viel entspannter als in Japan, trotz der vielen Aktivitäten. Und so war es auch in diesem Jahr:

- eine Woche Reiterferien

- jeden zweiten Tag in der Boulderhalle

- die Tage dazwischen im Freibad, wetterabhängig auch Hallenbad

- gefühlt fünfhundert Bücher ins Kinderzimmer geschleppt und wieder weggeräumt

- ausgiebig täglich am Klavier gesessen

- wenigstens fünf üppige Mahlzeiten am Tag genossen

- wandern und spielen mit dem Hund

- zelten im Garten mit einer Freundin

- täglich Omas Beerensträucher leerfuttern

- drei Kinderkreuzworträtselhefte gelöst

- Mario Kart auf der Wii U gelernt

- viermal bei der Post gewesen und jeweils eine Ladung Briefe, Karten und Päckchen abgegeben

- Skateboard und Fahrrad gefahren

- das Dorf mit Straßenkreide verschönert

- den Spielplatz wenigstens fünfmal heimgesucht

- im Garten Krocket und Fußball gespielt

- einen Tagesausflug zum Senckenbergmuseum in Frankfurt gemacht

- einen Nachmittag im Wildtierpark Gersfeld verbracht

- zwei Tage im Indoor-Spielplatz verbracht und wiedermal ausgiebig Mini-Golf gespielt

... und das alles in nur drei Wochen. Man sollte meinen, danach ist man urlaubsreif. War aber nicht, dazwischen war sogar noch Zeit für Shizukas Mama, ein neues Arbeitslaptop käuflich zu erwerben und einzurichten, sich einzuarbeiten, sich mit der erstmal nicht systemkompatiblen neuen externen Festplatte auseinanderzusetzen und einige alte Freundschaften zu pflegen. 

Der Trick des Sommerurlaubs scheinen die relativ kühlen Abende und Nächte zu sein. Während in Yokohama rund um die Uhr zwischen 25° und 30° c bei wenigstens 70 % Luftfeuchtigkeit herrschen, sinken die Temperaturen auch in heißen Sommerwochen in der Rhön immer noch auf moderate 10° bis 15° C. Der Schlaf ist erholsam, man startet ganz anders in den Tag. Und fühlt sich einfach fitter.

Übrigens durfte am Ende tatsächlich Shizuka am Reiterhof übernachten. Die kleine Schwester hat einen Rückzieher gemacht und fand das dann auch gar nicht schlimm, denn für die Nacht waren schwere Gewitter angesagt, die dann auch tatsächlich kamen. Geschlafen wurde in der Reithalle, die die Kinder erst noch reinigen und frisch einstreuen mussten. Derweil löschte der Gewitterregen schon den Grill ... Nächstes Jahr wieder, da waren sich alle Beteiligten einig. Und am Wochenende geht es dann zurück nach Japan, wieder via Peking.

Mittwoch, 28. Juni 2017

Wichtige Fragen geklärt – andere noch ungelöst

Die Ferien beginnen in zwei Tagen, und die ganze Familie ist entsprechend aufgeregt. Zeugnisse, letzter Tag im Kindergarten vor der zweimonatigen Pause (die Freunde der kleinen Schwester gehen noch zwei Wochen länger in den Kindergarten), Abschied von Freunden und Lehrkräften, Jahresabschlussfeier der Schule mit Ehrung der besten Schüler und Schülerinnen – es liegt einfach ganz viel an. Und dann müssen alle auch noch packen, denn der Flieger geht am ersten Ferientag, am Samstag schon. Die Kinder sind wirklich wuselig.

Was sie nicht wissen: Nicht nur der Patenonkel wird am Flughafen auf uns warten, sondern auch Oma, Opa und der Cousin. Bei der Oma am Urlaubsort werden außerdem einige Überraschungen auf sie warten. Die Kinder wachsen. Dementsprechend sind neue Reithelme und -stiefel nötig, wir brauchen Lernmaterialien für die Schule, Schulbücher und einen neuen Schulrucksack. Shizuka ist jetzt nach sechs Schuljahren aus dem alten Scout-Ranzen wirklich herausgewachsen und besteht auf einer etwas altersgemäßeren Verpackung für Bücher und Hefte. Außerdem ist Ferienliteratur nötig: Der Kindle ist zwar schon geladen, aber vor allem die kleine Schwester liest eben doch noch lieber auf richtigem Papier. Die erste Überraschung gab es schon zu Hause in Japan: Shizuka hatte für eine Übernachtung in der Schule einen neuen Schlafsack bekommen, weil der alte in Deutschland geblieben ist. Der Neue wird selbstverständlich mitgenommen und muss in den Koffer. Für die Reiterferien.* Neue Kletterschuhe für Shizuka sind aus Gründen des schnellen Wachstums ebenso nötig wie für die kleine Schwester und die Mama**.

Wer bei den Reiterferien übernachtet und wer nicht, wissen wir indes immer noch nicht. Es stehen auch noch einige Verabredungen aus: Freunde, die uns treffen wollen, Städte, die wir sehen wollen. Alles noch nicht organisiert. Was dagegen durchaus schon organisiert ist: Die Kinder wollen ganz oft schwimmen gehen und das jeweils nächste Schwimmabzeichen erwerben. Für Shizuka wäre das das goldene Jugendschwimmabzeichen, für die kleine Schwester das Seepferdchen. Mama muss auch ran: Wenn die Mädchen wirklich ausreichend üben, um die Prüfung abzulegen, muss Mama ein Schwimmabzeichen für Erwachsene machen. Der neue Badeanzug dafür ist schon gekauft***. Das allein war schon schwierig genug, denn die deutsche Mama hat nicht die richtigen Abmessungen, um in einen "richtigen" Schwimmanzug im japanischen Sportgeschäft zu passen. Und die seltsamen Bademoden, die die japanischen Plansche-Mamas tragen, sind zum sportlichen Schwimmen nicht wirklich geeignet.

Die Betreuung für Haus und Garten ist derweil auch schon organisiert: Shizukas Gurkenpflanzen und den Kartoffeln der kleinen Schwester wird es an nichts mangeln. Während eine Freundin der Familie eineinhalb Wochen lang die Pflege übernimmt, werden anschließend die japanischen Großeltern für die übrigen eineinhalb Wochen unser Zuhause als Ferienhaus nutzen und selbstverständlich die ersten Früchte im Garten ernten. 

Es warten auf jeden Fall spannende Ferien mit vielen Überraschungen und Herausforderungen auf uns.


* Und für eine Übernachtung im Zelt mit einer sehr, sehr guten Freundin, die Japan vor einem Jahr verlassen hat und die uns ein Wochenende lang in Deutschland besuchen wird. Oma hat ein Zelt besorgt, dass dann im Garten stehen wird, wir wollen gemeinsam in die Boulderhalle gehen und ins Freibad. Alles schon geplant, die beteiligten Kinder werden das allerdings mehr oder weniger als Überraschung erleben. 

** Die Mama ist natürlich nicht rausgewachsen, sondern hat ihre Schuhe in den letzten vier Jahren so intensiv genutzt, so dass die Sohlen sehr, sehr rund geworden sind. Der Mythos von La Sportiva ist immer noch ein Traumschuh, aber eben nicht in rund. Daher muss jetzt langsam etwas Kantigeres her, das hoffentlich wieder so lange hält. Oder länger. Denn die alten Finken werden selbstverständlich nicht entsorgt, sondern stehen als bequeme Treter weiterhin zur Verfügung. Falls die neuen mal drücken. Soll bei Kletterschuhen ja vorkommen. Abenteuer übrigens: Denn zum ersten Mal überhaupt haben wir Schuhe im Internet bestellt. Da wir Mädchen der Familie sehr pienzig sind, was die Passform angeht, ist die Frage natürlich: Sind die neuen Schuhe wirklich passend für den Fuß? große Spannung!

*** Nicht aus modischen Gründen, sondern weil der alte Anzug nach nunmehr sechs Jahren und wöchentlichen Schwimmbadbesuchen plus Gelegenheitsbaden im Meer auseinanderfällt. Taugt alles nichts mehr, das neumodische Zeugs ...

Dienstag, 4. April 2017

Wenn kleine Damen groß werden (wollen) ...

Shizuka hat inzwischen ihr erstes Lebensjahrzehnt vollendet, und die kleine Schwester hat die Hälfte davon auch geschafft. Eltern merken das irgendwie so im Alltag gar nicht, aber die Kleinen werden einfach unheimlich schnell groß. Selbst wenn es an der körperlichen Größe noch hapert: Sie sind wahnsinnig kompetent, manchmal altklug, und immer witzig. So auch bei der Planung der Sommerferien ...

Shizuka: Mama, wir haben dieses Jahr wieder eine Woche Reiterhof, oder?

Mama: Na klar.

Shizuka: Die Kleine ist ja jetzt schon groß, die darf mit.

Mama: Hm.

Kleine Schwester: Letztes Jahr durfte ich nicht.

Shizuka (im Tonfall einer alten Lehrerin mit wadenlangem Faltenrock, Dutt und Brille): Klar, das ist ab FÜNF.

Kleine Schwester (ehrlich verblüfft): Oh. Ich BIN fünf.

Mama: Muss mal fragen ...

Shizuka, leicht herablassend: Definitiv ab fünf. Mama, ich weiß das. Da war vor zwei Jahren eine Große, die hatte eine kleine Schwester dabei, und die Kleine war fünf. War die Jüngste.

Mama: Vor zwei Jahren. Ich frag mal nach, solche Regeln ändern sich manchmal.

Kleine Schwester (Tonfall "zu Unrecht beschuldigt"): Ich bin aber WIRKLICH fünf. Und wenn das ab fünf ist, mach ich da mit!

Shizuka, verdreht die Augen: Oh Gott.

Shizuka, nach einer kurzen Pause: Wir kommen doch rechtzeitig an?

Mama: Ja, der Flieger landet einen Tag vor der Reiterfreizeit. Ihr werdet also so richtig platt sein.

Kleine Schwester: Super, ich darf mit!

Shizuka: Ich übernachte!

Kleine Schwester, sichtlich aufgeregt und genug Sehnsucht in der Stimme, dass man vor dem inneren Auge die Oma Elvis Presley anschmachten sieht: Will auch in der Pferdebox schlafen!

Shizuka: Okay, ich übernachte doch nicht.

Kleine Schwester, verschwörerisch: Aber alleine traue ich mich nicht, DU MUSST!

Shizuka: Ich dachte, Du bist fünf und groß?! Maaaamaaaa, ich will die nicht die ganze Zeit am Rockzipfel haben!

Kleine Schwester, ernsthaft irritiert: Häh, wieso Rock? Ziehn wir keine Reithosen an? Mama, ich brauch 'ne Reithose! Ich will keinen Rock!

... und so ging es fröhlich weiter. Wir konnten uns am Ende darauf einigen, dass beide an den Reiterferien teilnehmen und die Große übernachten darf, die Kleine sich das noch überlegt und das vielleicht auch darf. Immerhin verpasst sie durch die frühen Sommerferien im Juli die Kindergartenübernachtung. Und außerdem schläft sie seit ein paar Monaten alleine im eigenen Zimmer und findet das auch voll korrekt. Sie ist sich nicht sicher, ob sie ohne die große Schwester in der Stallgasse oder im Zelt übernachten will. Andererseits ist sich die Große sicher, dass sie auf keinen Fall im Schlafsack neben der Kleinen liegen will, weil sie sich viel zu alt und zu cool für sowas fühlt. Es wird also definitiv nur eines der beiden Mädels die Übernachtung am Reiterhof mitmachen, und wir werden erst in letzter Minute erfahren, welche kleine Dame das ist ... Mama hat kein Mitspracherecht mehr diesbezüglich, die darf nur zahlen. :-)

Freitag, 5. August 2016

Drei Wochen Deutschland – die Zusammenfassung

So ein Heimataufenthalt ist nett. Oma verwöhnt mit selbstgekochtem Essen, der Hund kriegt sich vor lauter Wiedersehensfreude gar nicht mehr ein, die Pferde am Reiterhof reagieren genauso verrückt, und es gibt einfach jeden Tag hunderttausend Abenteuer zu erleben. So müssen Sommerferien sein, nicht? Bei uns waren sie so, zumindest drei Wochen lang. Und weil ich selbst die Zeit in Deutschland auch genossen habe, meistens offline war und ganz viel mit den Mädels und der Familie unternommen habe, gibt es hier nur eine kurze Zusammenfassung. Also: Zur Nachahmung empfohlen, die besten Sommerferien überhaupt!


  • Mit Opa eine Cajon gebaut und spielen gelernt. Dauer: 2 Wochen. Kosten: ca. 40 Euro. Maßgeschneiderter Spezialrucksack aus einem alten Samtvorhang von Mama spendiert, das Ding kam mit nach Japan und steht jetzt im Wohnzimmer. Zur Freude der Nachbarn. Und wir wissen jetzt, was ein Snare-Teppich ist.
  • Fünfmal im Freibad gewesen und dreimal im Hallenbad. Dauer: Insgesamt sieben ganze Tage. Kosten: ca. 30 Euro Eintritt. Die kleine Schwester kann jetzt schwimmen und tauchen, und Shizuka hat Schwimmhäute zwischen den Zehen.
  • Drei Tage auf dem Reiterhof verbracht: Ausritte, voltigieren, Mähne einflechten, Pferde striegeln, Hund verwöhnen, Ziegen streicheln, Äpfel verfüttern. Kosten: hoch. Dauer: jeweils mehrere Stunden. Nutzen: Unbezahlbar.
  • Oma das tolle Keksrezept mit Karamell verraten und nachbacken lassen. Kosten: ca. 10 Euro für Backwaren. Dauer: eine Stunde Küche verwüsten, zwei Stunden Küche aufräumen, zwei Wochen Kekse mampfen. Eine Dose ging an den Onkel zum Namenstag. Wohl bekomm's!
  • Mamas altes Skateboard aus dem Keller geholt, saubergemacht und springen geübt. Kosten: Großpackung Heftpflaster. Dauer: zwei Wochen, die restliche Zeit hat es geregnet. Resultat: Staunende Nachbarn, pikierter Papa, zwei kaputte Jeans, offene Knie und die geilsten Fotos überhaupt.
  • Shizukas altes Fahrrad aus dem Geräteschuppen geholt und geputzt für die kleine Schwester. Kosten: ein Eimer Wasser und ein Schwamm. Dauer: zwei Wochen, dank Regen nicht mehr. Resultat: Die Kleine kann radfahren. Und Oma hat Angst.
  • Dreimal im nahen Indoor-Spielplatz gewesen, zweimal davon mit Minigolf, bester Freundin und Cousin. Kosten: akzeptabel. Dauer: jeweils tagesfüllend. Ergebnis: müde Kinder und Mama.
  • Die ersten drei DVDs "Die wilden Kerle" gekauft und mit dem Cousin geguckt. Kosten: 10 Euro (gebraucht). Dauer: drei verregnete Abende. Resultat: Shizuka hat mit dem Cousin im Garten Fußball spielen gelernt.
  • Mit Opa das große Trampolin im Garten aufgebaut und täglich gespielt. Kosten: Opa fragen. Dauer: Aufbau 2 Stunden, Spaß unendlich. Resultat: wackelige Knie und müde Kinder.
  • Mit Oma und Opa die Beerensträucher im Garten geräubert. Kosten: Sonne und Regen. Dauer: täglich unzählige Male. Resultat: satte Kinder mit bunter Beerensoße im Gesicht.
  • Mit Opa zur Ulsterquelle gelaufen. Dauer: 3 Stunden. Kosten: null. Resultat: viele viele seltene Pflanzen (zum Beispiel die hier)gesehen, Vögel beobachtet, Opa glücklich gemacht.
  • Mit Opa und Oma zur Großen Nalle gelaufen. Basaltsteinbruch bestaunt, Basaltsäulen gesehen, die Hände in wildem Thymian gerieben, Hummeln aus nächster Nähe beobachtet und von einem Gewitter überrascht worden. Kosten: eine kurze Autofahrt. Dauer: ein Nachmittag. Resultat: nasse Klamotten, Vulkanismus-begeisterte Kinder und duftende Hände.
  • Mit der besten Freundin und deren Familie die Rhön-Arche besucht. Kosten: nicht der Rede wert. Dauer: ein Tag. Resultat: müde Kinder, neue Erkenntnisse über Fledermäuse, Libellen und Schmetterlinge beobachtet, Frösche mit der Hand gefangen, Eidechsen entdeckt, Hummeln beim Pollensammeln zugeschaut, Bäume gestreichelt (und die Unterschiede in der Rinde entdeckt).
  • Beim DAV Fulda einen Trainer für einen Boulderkurs gebucht. Kosten: 50 Euro. Dauer: drei Stunden. Resultat: Wir wissen jetzt, was Tischbouldern ist und brauchen unbedingt einen Bouldertisch! Außerdem Muskelkater, Schwielen auf den Schwielen an den Händen und noch mehr Muskelkater. Sehne am Ellenbogen verletzt – für die nächsten Wochen getapt.

Mittwoch, 13. Juli 2016

Sommerferien Nr. 6

Es geht in absehbarer Zeit nach Deutschland. Hier werden Koffer gepackt, letzte wichtige Wäschestücke neben die Waschmaschine gelegt (es sind halt doch Mädchen) und die Bücherregale werden fieberhaft nach Literatur für den langen Flug abgesucht. Als ob es kein Bordprogramm gäbe! Aber gut – lesende Kinder sind brave Kinder, und die Damen dürfen ihr Handgepäck selbst tragen. Die Kuscheltiere sind schon ausgezählt worden und das auserkorene Tierchen bereitgelegt, so dass es sich auf keinen Fall bis zum Abflug wieder verstecken kann. Ich habe zum ersten Mal überhaupt einen japanischen Abzählreim zwischen "Eine kleine Mickeymaus ..." und "Ene-mene-meck ..." gehört.

Die Kinderzimmer wurden aufgeräumt (und wieder verwüstet), Oma in Deutschland hat inzwischen bestimmt fünfmal unsere Flugdaten durchgegeben bekommen, damit sie uns auch wirklich pünktlich abholt. Eine deutsche SIM-Karte fürs Handy ist genauso dabei wie die Adressen aller Freunde hier zwecks Postkarte. Ja genau: Ansichtspostkarten. Shizuka will insgesamt wenigstens vier Stück schreiben. Die Kinder sind über Skype, E-Mail, Internet-Telefonie und teilweise sogar Whats-App miteinander verbunden, aber Shizuka besteht auf der altmodischen Postkarte. Weil, die kann man anfassen. Sagt sie. Und da kann man fünfmal wegradieren, wenn einem das Geschriebene am nächsten Tag nichtig erscheint. Und außerdem ist es gut, wenn man nur das Wichtigste draufschreibt, weil sonst der Platz nicht reicht – da quasselt man keinen Unfug. :-)

Wir haben heute das Planschbecken im Garten noch einmal gereinigt und für unsere Haussitter neu befüllt, den Rasen im Garten geschnitten, Unkraut vor dem Haus gerupft und 大掃除 (oosouji, Großputz) veranstaltet. Die Futon sind im Gästezimmer ausgelegt, und der Kühlschrank ist mit Eis und kalten Getränken bestückt. Es herrscht wirklich langsam Aufbruchsstimmung ...

Besonders nett: Shizuka hat sich die App Duolingo auf ihr Handy geladen, um in Deutschland doch ohne viel Aufwand und spielerisch etwas für die Schule zu tun. Sie will in der englischen Orthographie firmer werden und außerdem eine kleine Idee bekommen, was nach den Ferien in Französisch auf sie zukommt. Seit gut einer Woche schallt ihr Handy nun schon mehrsprachig durch's Haus, und sie hat wirklich Spaß daran. Duolingo ist sehr spielerisch aufgezogen, man kann täglich Punkte erzielen, bekommt für regelmäßige Nutzung Punkte, die man im Laden gegen kleine Rätsel einlösen oder verwetten kann. Die Übungen bestehen aus Wort-Bild-Paaren, die nach den Regeln von Memory zusammengebracht werden müssen, aus Nachsprechübungen und vorzunehmenden Übersetzungen. Einzelne Wörter und Phrasen sind genauso dabei wie ganze Sätze, und manchmal darf sogar nach Diktat geschrieben oder übersetzt werden. Da der minimale tägliche Aufwand bei 5 Minuten liegt, nach oben aber keine Grenze gesetzt ist, lernt Shizuka gerade ganz zwangsfrei. Mama musste sich die App auch laden, es geht gerade darum, wer täglich mehr Punkte erspielt. Bei Englisch hat Shizuka natürlich keine Chance gegen Mama, bei Französisch ist sie dagegen im Vorteil nach einem halben Jahr AG in der Schule. Wir sind gespannt, wie sich das entwickelt.

Montag, 11. Juli 2016

Sommerferien Nr. 5

Nachdem Shizuka nun ein paar Tage lang die japanische Grundschule in der Nähe unserer Wohnung besuchte, konnte sie einen ordentlichen Vergleich zu Unterricht, Schülerverhalten und Lehrerverhalten im deutschen Kulturkreis ziehen. Und das tat sie denn auch, denn ihre Japanischlehrerin bat sie natürlich, so ausführlich wie möglich über ihre Erfahrungen zu reden. Immerhin soll die kleine Dame irgendwann in nächster Zukunft wirklich konversationssicher sein, und es ist immer wieder schwierig, ein Thema zu finden, das sie wirklich zum Reden bringt. Also, hier ihre Erfahrungen:

- Das war kein Schulunterricht, das war eine soziologische Feldforschung! (Ja, ich musste das japanische Vokabular nachschlagen, weil ich das wirklich nicht draufhabe.)

- Die haben seit drei Jahren im Sommer Schwimmunterricht in der Schule, jede Woche zwei Stunden, und alles was die machen, ist das Gesicht ins Wasser tunken!

- 爪チェック (tsume-chekku, Fingernagel-Längen-Kontrolle) jeden Morgen im Klassenzimmer vor Unterrichtsbeginn – können mit zehn Jahren nicht selbst sehen, wie lang ihre Fingernägel sind?

- Riesenschwimmbad auf dem Schuldach, aber keine Umkleiden! Wir mussten uns im Klassenzimmer umziehen, die Jungs haben ständig den Vorhang zu den Mädels weggezogen, und das ganze Drama hat eine halbe Stunde gedauert! Da war kaum noch Zeit zum Schwimmen.

- Mittagessen aus der Schulkantine war total lecker, nur die Milch hat komisch geschmeckt, und die Portionen sind irgendwie alle gleich groß. Zum Glück hab ich immer wenig Hunger!

- Der Englischunterricht war total Banane. Da kam so ein Ausländer-Typ und hat uns auf Englisch gefragt, ob wir Hobbys haben, und dann mussten alle brüllen "Yes, I do!" und "No, I don't!". Und dann hat der gesagt, ob Baseball unser Hobby ist, und wir mussten brüllen "Yes, it is!" und "No, it isn't!" – die ganze Stunde lang ging das so, mit Fußball und Klavier spielen und Ballett und so. Wir durften gar nicht selber richtig reden.

Und die japanische Sprache? War das okay, oder gab es Probleme beim Verstehen und Reden?

-  Alles locker, völlig in Ordnung. Die Lehrerin hat ihre Kinnlade vom Boden hochklappen müssen, als ich erzählt habe, dass ich seit der ersten Klasse Deutsch und Englisch lerne, nebenbei freiwillig Japanisch habe und in der sechsten Klasse schon in der Schule Französisch dazukommt. Das konnte die kaum glauben, dass ein Kind so viele Sprachen hinkriegt.

Samstag, 9. Juli 2016

Tanabata

Am 7. Juli ist es jedes Jahr soweit: Tanabata, das japanische Sternenfest, wird gefeiert. Überall stehen seit zwei Wochen Bambusbüschel herum, in die Kinder und Erwachsene auf hübschen Papierstreifen ihre Wünsche hinterlassen. In Schulen, Kindergärten, Kaufhäusern, vor Gemeindezentren und in privaten Gärten werden diese "Wunschgräser" aufgestellt und stehen da für ein paar Tage. Kinder basteln aus Origami-Papier Sterne und kleine fächerartige Konstruktionen, die im Wind wehen und glänzen. Dazwischen hört man immer wieder das Tanabata-Lied (klick).

Gestern kam Shizukas kleine Schwester nach Hause und erzählte, was nach dem Fest mit Bambus und Wünschen passiert. Die Erzieher und Erzieherinnen in ihrem Kindergarten hatten in einer feuerfesten Schale ein bisschen Papier und Bambus zum Brennen gebracht und übergaben Wünsche und Bambus nach und nach den Flammen. Zusammen mit dem Rauch sollten die Wünsche in den Himmel aufsteigen, zu den Sternen. Und zu Orihime-sama und Hikoboshi-sama, die als Kami den Wünschen Erfüllung gewähren könnten. Dabei sind die beiden Figuren mit den im Westen als Altair und Wega bekannten Sternen assoziiert. Die Legende hinter diesem Brauch kann man trotz aller Kritik hier ganz gut nachlesen.

Jetzt sind natürlich alle neugierig, was sich die beiden kleinen Damen in dieser Familie gewünscht haben, nicht? Nun, die kleine kleine Dame will unbedingt einmal Prinzessin sein. Und die große kleine Dame wünscht sich derzeit nichts sehnlicher, als zwei ganz bestimmte Mädels in Deutschland zu treffen, die eine in der Rhön, die andere in der Nähe von Stuttgart ...

Freitag, 8. Juli 2016

Es sickert langsam durch

Die Sommerferien kommen langsam so richtig in Gang, und Shizuka beginnt zu realisieren, dass danach in der Schule einiges anders laufen wird. Das traditionelle Montagslettern findet auch während der Ferien statt, und nun ist in drei Tagen das erste Treffen "in neuer Besetzung" dran. Heißt konkret, die beiden besten Freundinnen und ihre Familien fehlen. Wir haben lange miteinander gesprochen. Sollen wir wirklich gehen? Oder ist das zu traurig? Gerade jetzt sitzen die Familien im Flieger nach Deutschland ...*

Wir haben uns entschlossen, mit Freundin Nr. 3 und ihrer Familie zusammen zu gehen und das bis auf weiteres so zu belassen. Es wird traurig, ja. Und wir vermissen unsere Freunde. Auch die Erwachsenen sind traurig. Aber es geht trotzdem weiter, und vielleicht ergibt sich ja nach den Sommerferien eine neue Zusammensetzung der Gruppe, so dass aus den momentan zwei Familien wieder drei, vier oder fünf werden.


* Wir denken an Euch und wünschen Euch eine gute Reise, offene Arme bei Eurer Ankunft und viel Seelenruhe in den nächsten Tagen, um mit den Herausforderungen des Umzugs fertig zu werden!

Donnerstag, 7. Juli 2016

Sommerferien, Nr. 4

Sommerferien sind dazu da, alles das zu machen, wozu man während des übrigen Jahres keine Zeit hat. Shizuka ist nun diese Woche in einer japanischen Grundschule zu Besuch und genießt bislang diese Zeit. Im Vergleich zur deutschen Schule sind die Stunden eher intellektuell anspruchslos (abgesehen von der Sprache), es gibt wenig bis keine Hausaufgaben, die, so vorhanden, auch noch extrem einfach sind. Das heißt konkret, es bleibt nachmittags viel Zeit, um mit der kleinen Schwester Unfug zu treiben.

Heute hatte Shizuka die Idee, die sommerliche Hitze (34° C, strahlender Sonnenschein, Luftfeuchtigkeit bei 80 %) in einer Höhle besser aushalten zu können als in unserem Haus. Zugegeben: Die japanische Leichtbauweise erlaubt einen ... direkten Bezug zur Natur. Um es mal milde auszudrücken. Die Häuser sind schlicht nicht isoliert, in keiner Art und Weise. Dementsprechend nah fühlt man sich dem Wetter, zu jeder Jahreszeit.

Also packte Shizuka in unserem Washitsu die Futon aus dem Schrank, bezog sie mit Laken und stellte sie unter Zuhilfenahme vieler Wäscheklammern als Wände auf. Der Boden wurde zur Isolation gegen die von unten aufsteigende feuchte Hitze mit Kissen, Schaffell und Decken ausgepolstert. Nach oben blieb die Höhle offen, damit die vom Körper ausgehende Hitze frei abziehen kann. Offene Schlitze zwischen den einzelnen Futon sollten für den nötigen Durchzug sorgen, Papas Ventilator wurde strategisch günstig direkt davor platziert. Und dann schnappte sich die kleine Dame einen Stapel Bücher* und war für die nächsten drei Stunden nicht mehr ansprechbar. :-)

Als abends die Hauslehrerin für Japanisch vorbeikam, durfte sie mit Shizuka zusammen in der Höhle sitzen. Der Unterricht fand diesmal auf sehr engem Raum statt, und offensichtlich hatten die beiden eine Menge Spaß. Zumindest wurde gute 1 1/2 Stunden lang im Duett gekichert.



* Was sonst?

Dienstag, 5. Juli 2016

Sommerferien, Nr. 3

Noch ein Tag in der japanischen Schule, diesmal mit Englischunterricht, Sport und einem weniger genießbaren Mittagessen. Englischunterricht war ein Kulturschock, Shizuka erzählte: Da kam ein Ausländer in die Klasse, erzählte kurz was vom Wetter, wir mussten alles nachsprechen. Dann hat er was von Baseball, Basketball, Tennis, Golf und so erzählt, und wir mussten jeden Satz nachsprechen. Dann hat er "Yes, I can!" und "No, I can't!" gesagt, und das mussten wir auch nachsprechen. Danach hat er die Klasse gefragt, ob jemand eine der genannten Sportarten kann oder nicht, und dann musste immer ein Kind bejahen oder verneinen. Und keiner hat sich gemeldet! Die wussten das alles nicht! Das war soooooo langweilig!

Ähem, ja. Vergleich mit dem Englischunterricht an ihrer eigenen Schule .... Negativ. Oder anders gesagt: Schlimmer geht immer, der ist auch nicht gut, aber allemal besser als DAS.

Nachmittags gab es Seifenblasen und Wasserschlacht im Garten, auf Schwimmbad und Spielplatz hatte heute keiner Lust. Und Shizuka war langweilig. Nur ein Arbeitsblatt als Hausaufgaben, groß genug bedruckt, dass die halbblinde Uroma es lesen könnte, und keine intellektuelle Herausforderung. Bis auf die eklatante Papierverschwendung ("Sind die hier alle kurzsichtig oder was?") völlig uninteressant. Also schnappte sie sich kurzerhand ihr Handy und loggte sich bei Duolingo ein. Damit die im vergangenen Schuljahr erworbenen Sprachkenntnisse nicht völlig verloren gehen, hatte sie sich vorgenommen, jeden Tag 10 Minuten Englisch und 10 Minuten Französisch zu üben. Naja, eher zu spielen. Die App ist ideal für Kinder, die gerne nebenbei lernen, mit vielen Memory-Spielen, Bilderkennungsübungen und sogar ein bisschen Nachsprechen und Vorsagen lassen. Das Gelernte kann per E-Mail an die Sprachlehrkräfte geschickt werden, so dass im Schulunterricht über Blended Learning die erreichten Ziele einbezogen werden können. Wenn Shizuka den ganzen Sommer über dabei bleibt und nicht aufgibt, wird sie das vermutlich nach den Ferien auch in der Schule erwähnen. Es macht ihr Spaß, und sie verbrachte heute insgesamt eine gute Stunde damit. Tippen mit dem Handy ist zwar weniger lustig, aber das Ganze auf Mamas Computer online zu nutzen war ihr dann auch zu blöd.

Montag, 4. Juli 2016

Sommerferien, Nr. 2

Der erste Ferientag, der erste Schultag für Shizuka. Schön war es, erzählte heute Mittag eine fröhlich lachende und auf dem Heimweg permanent hüpfende kleine Dame. Reiseintopf zum Mittagessen, gemeinsames Klassenzimmerputzen und der Lernstoff von vor zwei Jahren, das muss in der Mischung recht cool gekommen sein. Außerdem mag sie scheinbar die Kollegen und Kolleginnen in der Schule, die nach eigenen Angaben so völlig anders sind als deutsche Schulkinder, aber doch irgendwie okay. Und was sie besonders witzig fand: Alles wurde mit すごい、かわいい、すてき kommentiert. Die popolangen Haare, die Turnschnäppchen (statt 部屋ばき), der deutsche Scout-Schulranzen, das dazu passende Mäppchen, die Erzählungen von der Deutschen Schule und die Tatsache, dass die kleine Dame ihre Kanji zwar nicht im Griff hat, aber rechnet wie ein Weltmeister und eigentlich nie die Klappe hält. Der Nachmittag auf dem Spielplatz fiel dementsprechend entspannt aus, tobende Kinder, die bei den extrem feucht-schwülen 34° C und strahlendem Sonnenschein eigentlich einen Hitzschlag hätten kriegen müssen.

Später dann das übliche Montagsklettern mit den Klassenkameradinnen aus der Deutschen Schule. Es war das letzte, vorerst, denn von den anwesenden drei Familien (ja, diesmal waren auch Eltern und jüngere Geschwister dabei, insgesamt haben wir die Boulderwand mit 12 Leuten überlastet) gehen zwei diese Woche zurück nach Deutschland. Das Treffen fiel entsprechend laut aus, aber nach kurzer Erklärung hatte das Personal sehr viel Verständnis und tolerierte auch die anschließende Studentenfutter-und-Sportgetränk Party in der Kinderecke. Tränen flossen, nicht nur bei den Kindern, und unter Umarmungen und Küsschen rechts und links versprach man sich, elektronisch in Kontakt zu bleiben. Wir sind gespannt ...


Abends dann zu Hause wurde die Anspannung bemerkbar: Shizuka kollabierte auf dem Sofa und war erst wieder nach 1 1/2 Stunden "Asterix in Amerika", einem tüchtigen Abendessen und ausgiebigen Streicheleinheiten ansprechbar. Zum Glück sind die nächsten Tage ausgebucht und voll spannender Abenteuer, sonst würde sie vermutlich in ein depressives Loch fallen. Die zwei besten Freundinnen sind weg. Das ist sehr, sehr schlimm, glaube ich. Und ich habe wirklich Respekt, dass sie das bisher so cool nimmt.

Sonntag, 3. Juli 2016

Sommerferien, Nr. 1

Acht Wochen Freiheit. Acht Wochen Zeit. Acht Wochen ohne feste Struktur, ohne Freunde, ohne Stundenplan, ohne Ziel und ohne Perspektive. Was tun? Richtig: Durchplanen. Und genau das haben wir gemacht. Immerhin ist Ferienzeit auch Zeit für Abenteuer!

Während der ersten Woche wird Shizuka die japanische Grundschule in der unmittelbaren Nachbarschaft besuchen. Klasse 3, ihrem Alter entsprechend, mit 33 anderen Kindern, die wenig bis keinen Kontakt mit Ausländern und Ausländerinnen haben. Die einsprachig aufwachsen, für die die tägliche Portion Kanji so normal ist wie das Zähneputzen, und die auf Shizuka genauso neugierig sind wie Shizuka auf sie ist. Der große, große Vorteil für Shizuka liegt darin, dass ihre Tage in der Schule gut strukturiert sind, das schulische Mittagessen keine Wahlmöglichkeiten zulässt, und der Nachmittag trotzdem frei bleibt. Denn AGs und Clubs gibt es da nicht wirklich, insofern ist sie ungewohnt früh zu Hause und hat noch viel Zeit für den ganzen Quatsch, den Neunjährige eben so machen wollen während der Sommerferien. Konkret: In der Hängematte im Garten chillen, ins Freibad gehen, klettern gehen, die Spielplätze unsicher machen und vielleicht manchmal auch einfach nur im Haus rumgammeln. Vielleicht. Falls es mal regnen sollte. Oder andere Katastrophen passieren.

Für die darauffolgenden drei Wochen sind Ausflüge und Reisen geplant, immerhin haben Mama und Papa da auch frei. Es gilt, die weitläufigere Umgebung noch einmal etwas besser zu erkunden, Bekannte, Verwandte und Freunde zu besuchen. Das sind Wochen voller Spaß, die aber trotzdem halbwegs durchgeplant sind. Sehr gut. Und hoffentlich regenfrei.

Danach bleiben noch vier lange Wochen, bis die Schule wieder anfängt. Geplant ist da bisher wenig. Mama arbeitet, Papa arbeitet zwei Wochen davon, die kleine Schwester hat kindergartenfrei. Die wird allerdings zumindest eine Woche lang einen Schwimmkurs besuchen und ist dementsprechend vormittags ausgebucht und nachmittags (hoffentlich) müde. Für Shizuka ist diese Zeit die große Herausforderung: Was fängt man mit so viel Freiheit nun an? Das Wochenende jedenfalls haben wir für Einkaufsbummel, einen Ausflug nach Ueno und einen längeren Schwimmbadbesuch genutzt ...

Freitag, 24. Juni 2016

Wiedererkannt

Eben im Rahmen weiterführender Studien gelesen, und es spricht mir aus der Seele. Hier. Okay, Mädchen statt Junge, Filmabend entfällt, 

Und es sind Bücher, keine Computerspiele. Ansonsten kann ich den Text absolut nachvollziehen, und abgesehen von den hier ganz eigenen Essgewohnheiten trifft das einfach nur zu. 

Der Text macht nachdenklich. Viele der geschilderten Besonderheiten, was aktuell als Störung im Autismus Spektrum diagnostiziert wird, würde ich persönlich noch als ganz normale, individuelle Entwicklung abtun und gar nicht weiter problematisieren. Charakterzüge eben. Manche Leute mögen Seife, andere nicht. Wie viele Kinder sind motorisch ungeschickt, kommen regelmäßig zu spät zur Schule, driften komplett ab, wenn es um ihr Hobby geht (Pferde, Bücher, Zocken, was auch immer) und hassen Körperpflege? Wo ist die Grenze zwischen Charaktereigenschaften und einer Störung, die nach Intervention verlangt? Ist eine Autismus-Spektrums-Störung im hochfunktionalen Bereich wirklich sofort eine Störung? Solange die Diagnose auf Verhaltensbeobachtungen beruht, woran will man Störung im Gegensatz zu Individualität festmachen? Oder anders gefragt: Wenn ein Kind wirklich keine Seife mag, weil die Haut sich danach einfach doof anfühlt – wie sehr darf sich das Kind wehren, bevor es irgendwo im Spektrum verortet wird? Wie oft pro Woche darf man denn irgendwo zu spät kommen, bevor es pathologisch ist?

Und vor allem: Das, was im Verhalten der sogenannten hochbegabten Kinder immer wieder beobachtet wird, ist in der US-amerikanischen Autismus-Diskussion allgegenwärtig. Kinder lehnen Körperhygiene ab – ja genau, weil die meisten Seifen, Cremes, Deos und Duftwässerchen auf der Haut brennen, Juckreiz verursachen, die Haut austrocknen oder schlicht stinken. Entschuldigung, zu stark parfümiert sind. Das wird in Deutschland oft mit dem Begriff hochsensibel geahndet. Oder die extreme Sensibilität gegenüber Geräuschen, Lärm, Licht, Farben. Läuft in Deutschland unter hochsensibel, in den USA unter Anzeichen für Autismus. Ähnlich sieht es bei den Interessen aus: Wer sich extrem in ein Thema vertieft, davon auch nicht abzubringen ist, und das in einer für das Alter untypischen Art und Weise tut, der gilt hier als vielleicht hochbegabt, dort als autistisch – wie stark darf man sich denn, mit Verlaub, selbständig fortbilden, bevor man als in irgendeiner Art und Weise verhaltensauffällig gilt? Die Liste lässt sich fortsetzen: altersunangemessene Schlafgewohnheiten (Braucht wirklich jeder Mensch in einem bestimmten Alter genau gleich viel Schlaf?), extrem ausgebautes Vokabular (Wer liest, hat automatisch ein größeres Vokabular – ist regelmäßiges Lesen deshalb schädlich?) und Redefaulheit oder unbrennbare Redseligkeit, Schwierigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen, damit verbunden auch Schwierigkeiten in der Schule ... 

Ich frage mich, was wir überhaupt verstanden haben und wissen, in Sachen Wahrnehmung und Informationsverarbeitung. Die Forschung geht weiter, immer, ganz klar. Dementsprechend sensibler werden die Diagnosen. Und natürlich werden auch die Interventionsmöglichkeiten ausgebaut. Aber sollten Kinder wirklich den Stempel "autistisch" oder "hochbegabt" aufgedrückt bekommen, nur weil sie etwas anders ticken? Ticken sie überhaupt anders, oder entwickeln sich Menschen einfach nur individuell? Wenn sowohl Hochbegabung als auch Autismus an der Biologie festgemacht werden, beispielsweise an leicht von der Norm (Welche Norm?) abweichenden Prozessen bei der Informationsverarbeitung, die sich tatsächlich im fMRT nachweisen lassen, was bedeutet das? Organe sind schließlich nicht bei allen Menschen exakt gleich, und das Gehirn ist ein Organ, nicht mehr und nicht weniger. 

Autismus und Hochbegabung scheinen also erst einmal nah beieinander zu liegen. Das eine hat den Beigeschmack eines mentalen Defizits, das andere steigert den Leistungsdruck ungemein. Beides nicht gut, wenn man die gesunde Entwicklung der Kinder im Blick hat. Und vor allem: Interventionen sind nett, auf die Kinder angemessen eingehen im schulischen Rahmen ebenfalls. Aber wo ist nun der Unterschied zwischen "individuellen Lernstand erkennen und das Kind da abholen, wo es sich befindet" und "Inklusion benachteiligter Kinder"? Läuft das nicht beides an den Schulen letztendlich auf Binnendifferenzierung und notgedrungen kleinere Klassen hinaus? Fragen über Fragen ...

Was haben wir heute morgen diskutiert? Ja richtig: Sky und Bavaria Film wollen "Das Boot" zu einer Fernsehserie machen, die bis 2018 stehen soll. Das Gespräch bei Brotsticks mit Haselnusscreme drehte sich um die Filmtechnik der frühen 1980er Jahre, die heutigen größtenteils animierten Filme und Serien, die Geschichte hinter "Das Boot" inklusive Kalter Krieg und Opas Vergangenheit bei der Marine, um die Fernsehgewohnheiten verschiedener Generationen. Spezialinteressen? Festhalten an Gewohnheiten und Routinen? Wer es wagt, mir die morgendliche halbe Stunde mit Kaffee und Zeitung (und Diskussionen mit Töchterchen) zu stören, dem gnade Gott! (Muss ich mir jetzt aufgrund der undurchbrechbaren Routinen Sorgen machen?)

Donnerstag, 23. Juni 2016

Überfällig

Das Schuljahresende ist absehbar (2 Wochen), die Motivation lässt nach, und das auch bei den Kindern. Vor kurzem fand die Klassenfahrt statt, drei Familien der Jahrgangsstufe räumen gerade ihre Wohnung leer und packen Koffer, neue Schulen werden nicht nur gesucht, sondern sind bereits gefunden. Und die Kinder haben in den letzten drei Wochen tatsächlich noch Klassenarbeiten und Tests geschrieben. Da sollte neben Hausaufgaben, Packerei, Verabschiederei, Philosophieren über weitere Lebenswege und niemals endende Freundschaften tatsächlich noch gelernt werden. Konzentriert gelernt werden. Konzentriert sollten die Arbeiten geschrieben werden.

Ein Ding der Unmöglichkeit.

Von den drei Klassenarbeiten, zwei Tests und einer größeren Sprachprüfung kamen drei Klassenarbeiten mit sehr ungewöhnlichen Ergebnissen zurück*, zwei Tests mit noch ungewöhnlicheren Ergebnissen in die andere Richtung, und der Sprachtest ist wohl erst nach den Sommerferien ausgewertet.

Abgesehen davon, dass die Lehrkräfte gerade so hochmotiviert sind, dass die maximale Korrekturdauer voll ausgeschöpft wird, sind die Fehler bezeichnet. Alles verschusselt. Buchstaben vergessen, ganze Wörter verwechselt (in der Muttersprache), halbe Sätze gedacht und nicht hingeschrieben, Zahlen- und Buchstabendreher, in der Reihe verrutscht ... Es ist zum Haare raufen. 

Shizuka hat ohnehin ein Konzentrationsproblem. Darauf angesprochen, dass man das bei Gelegenheit mal über ein bisschen Training angehen könnte, konnte sie keine Begeisterung entwickeln**. Hausaufgaben und Korrekturen werden nicht gemacht, die kleine Dame hat sich wiedermal mit einem Stapel Büchern im eigenen Zimmer verschanzt. Diesmal sind es die neu erstandenen Schulbücher fürs nächste Schuljahr, Deutsch und Mathe. Bin gespannt, wie langweilig der Unterricht im nächsten Schuljahr wird. Ob da wieder Papierflieger durch die Klasse segeln müssen, Kreide zermahlen und mit Wasser zu Soße verrührt wird? Ob es wieder nötig ist, den Jungs heimlich Salz ins die Trinkflaschen zu schütten? Die meisten Streiche wurden dieses Jahr mit "ernsthaften Klassengesprächen" geahndet und nicht ernst genug für eine Überarbeitung der Unterrichtsmethode genommen ... 

Ob Shizuka auf die Idee kommt, dass sie selbst an ihrer Langeweile Schuld ist, wenn sie ihre Bücher schon vor Schuljahreswechsel komplett durcharbeitet?


* Nicht die erfreuliche Sorte, sondern die andere.
** Mama ist ferienreif, die kleine Schwester ist ferienreif, und aufgrund des immer wieder lautstark geäußerten Protests der keinen Dame sind es die Nachbarn garantiert auch.

Dienstag, 3. Mai 2016

Kurzurlaub mit vier "S": Spaß, Stress, Schock, Schrammen

Das vergangene Wochenende haben wir einfach um zwei Tage verlängert und waren bei den Großeltern. Shizukas Cousinen waren auch da, und dementsprechend turbulent ging es zu. Vier Tage hieß konkret acht Abenteuer mit vier kleinen Damen, die nicht nur das Haus der Großeltern auf den Kopf stellten. Hier die Highlights in aller Kürze:


- Reiten. Wir haben tatsächlich einen Reiterhof am Stadtrand gefunden, der leistbar ist, und Shizuka hat eine halbe Stunde Voltigieren genossen. Die kleine Schwester erzählte ihrer Ponyführerin derweil ganz stolz, dass die Mama vor einigen Jahren vom Pferd gefallen ist. Danke auch.

- Spielplätze. Fünf Stück in vier Tagen, und einer spannender als der andere. Kein Kind ohne Schrammen, die kleine Schwester schießt mit insgesamt drei Pflastern den Vogel ab. Rekord.

- RuKuRu. Ein Science Mitmach Museum für Kinder. Das Spannendste waren die Kapla-Steine: Zwei Stunden am Stück wurden Türme, Brücken, Hochhäuser, ganze Städte gebaut.

- Angeln. Shizuka verabscheut Gewalt gegen Tiere und jaulte wie ein Wolf bei Vollmond, als die kleine Cousine tatsächlich ein Fischlein an der Schnur hatte. Das kleine Tierchen wurde vorsichtig vom Angelhaken befreit und schnellstmöglich wieder ins Wasser geworfen, wo es sich schleunigst davonmachte. Der Fisch am Angelplatz nebenan hatte weniger Glück: Der wurde einfach in ein mit Albfolie ausgekleidetes Plastiksieb geworfen und durfte langsam ersticken. Ekelhaft.

- Kartenspiele. Shizuka beherrscht nun insgesamt fünf Spiele, die sie mit dem 52er Kartensatz nicht nur genießt, sondern auch Deutsch mit Mama und Japanisch mit den Cousinchen spielt. Der Brüller an diesem Wochenende: Lügenmäxchen. Ist bei japanischen Kindern scheinbar unbekannt, wir haben das kurzerhand als うそつき betitelt. Große Erheiterung bei allen.

- Zoo. Wiedermal. Und auch beim zweiten Besuch in diesem Jahr waren die Kinder begeistert von den Tieren, entsetzt über die nicht ganz artgerechte Haltung und einfach nicht aus dem Streichelzoo mit Kaninchen, Hühnerküken und Meerschweinchen wegzubekommen. Shizuka hat den Akku ihres Handys geleert: Fotos. Und Videos. Von allen Viechern. Sie äußerte kürzlich beim wiederholten Sehen eines Andreas Kieling Filmes, dass Tierfilmerin vielleicht auch ein Beruf für sie sei. Nun, wir üben. :-)

Donnerstag, 28. April 2016

Umgezogen

Nein, nicht wir. Die Kraniche sind umgezogen. 

Inzwischen sind über 600 kleine Papierkraniche in 50er Päckchen auf Drachenschnur gezogen, mit einem bunten Köpfchen befestigt und aufgehängt worden. Da die bunten Puschel inzwischen recht groß sind, haben wir sie von der Kleiderstange vor dem Tatami-Zimmer weg in die Tokonoma gehängt, wo sich unsere Besucher regelmäßig daran erfreuen. Übernachtungskinder, Japanischlehrerin und Papas Freunde haben schon so viel Bewunderung geäußert, dass wir langsam überlegen, einen zweiten Satz Kraniche rein zu Dekorationszwecken zu gestalten. Natürlich erst, wenn diese ersten 1.000 Vögelchen in Ueno angekommen sind. Inzwischen sind es übrigens schon mehr als 900 Papierkraniche (ich komme gerade mit dem Auffädeln nicht hinterher). Da Shizukas kleine Schwester tatkräftig mithilft, werden wir die 1.000 vielleicht sogar noch vor den Sommerferien vollkriegen. 

Mittwoch, 27. April 2016

Tag 2 - Vivarium

Der erste Gang heute Morgen führte Shizuka noch im Schlafanzug in den Garten. Die Wetterstation war das Ziel. Sieben Uhr Ortszeit, windstill, kein Niederschlag, 19° C, leichte Bewölkung. Und die Cabomba sah glücklich aus.

Dabei hätte sie das gar nicht sein dürfen. Die gestrige Bettlektüre hatte uns nämlich gesagt, dass die eigentlich in Südamerika heimische Art nur Wasser mit dem pH-Wert 7 und 28° C mag und bei allem anderen eingeht. Viel Licht, Kalium im Wasser, ordentlich gedüngt, kein stehendes Wasser, und die einzelnen Stengel im Bund müssen auseinandergenommen und im Abstand von etwa 2 cm eingepflanzt werden. Haben wir alles nicht gemacht, bei uns saß der Bund aus dem Laden einfach in den Ziersteinen. In umgebungswarmem Leitungswasser. pH-Wert? Keine Ahnung. 

Daher war der heutige Tag dann auch ausgepflanzt: Das Pflänzchen musste gerettet werden. Wir fuhren also nach getaner Arbeit (Mama hat keine Ferien) wieder zu besagtem Laden und kauften ein. Ein echtes Aquarium war zu teuer, also musste ein kleiner Sammelbehälter für Käferchen und dergleichen her. 800 Yen, Fassungsvermögen fünf Liter. Dazu zwei Kilogramm Aquarienkies, feinkörnig, reine Natur, weiß und grün. Nochmal 400 Yen. Dann noch Mineraliensteine, 500 Yen. Zwei weitere Päckchen rote Ziersteinchen, 800 Yen. Kaliumdünger für Aquarienpflanzen, 1.400 Yen. Und zu Hause wurde gebastelt. Die Pflänzchen mussten aus der Colabuddel wieder raus, die wurde nun komplett mit den roten Steinchen gefüllt und in der Mitte des Vivariums platziert. Die Steinchen sind allerdings immer noch wasserbedeckt. Im Vivarium wurden Aquarienkies und Mineralsteine vermischt und um die Flasche herum verteilt, der Bund Pflanzen wurde auseinander genommen. Die Pflanzen wurden rund um die Flasche in den Kies gesteckt, das Ganze wurde mit Wasser aufgefüllt, und dann musste noch die Flasche nachgefüllt werden, denn die wollte nicht unten im Kies stehenbleiben. Zuviel Auftrieb - also doch wieder Wasser rein. Alles noch einmal von vorne, denn derweil sind die Pflänzchen wieder ausgebüchst, die hatten im bewegten Wasser auch zuviel Auftrieb. Am Ende stand dann doch alles, das Deckelchen kam wieder auf das Vivarium drauf, die Einfüllklappe wurde abmontiert und die Wetterstation wieder auf die Colaflasche geschraubt. Das schwere Gerät wurde im Garten wieder ausgerichtet, so dass alle Wetteranzeiger funktionieren. Shizuka ist zufrieden: Mama hat alles gezahlt, das Taschengeld blieb unangetastet. Und chic sieht die Wetterstation allemal aus ...

Übrigens haben wir noch herausgefunden, dass es eine weitere Art Cabomba gibt, die sehr viel toleranter ist, genauso aussieht und auch aus Amerika kommt ... Der Laden weiß nicht so genau, was er da verkauft. Wir werden also einfach ausprobieren, was wir da gepflanzt haben. 

Und morgen?

Shizuka will noch ein Barometer anbauen ...