Die rechtliche Seite

Die Mitteilung von Google, dem Betreiber dieses Dienstes, bezüglich der gesammelten Daten ist für alle einsehbar und lesbar. Die Autoren und Autorinnen dieses Blogs gehen davon aus, dass jeder Besucher und jede Besucherin diese Mitteilung liest und versteht. Und für verlinkte Seiten und Inhalte sowie die Privatphäre betreffendes Verhalten dieser Seiten übernehmen die Autoren und Autorinnen des Blogs keine Verantwortung. Die Links sind aus rein nicht-kommerziellen Gründen gesetzt und dürfen nur nach sorgfältiger Prüfung der eigenen Interessen von Lesern und Leserinnen dieses Blogs aktiviert werden. Handelt bitte verantwortungsvoll und in Eurem eigenen Interesse. Danke.

Die Betreiber und Betreiberinnen dieses Blogs erhalten ausdrücklich keine Vergütung irgendeiner Art für die Verlinkung von Artikeln, Videobeiträgen, Webseiten und anderem. Dies ist ein privates Weblog. Trotzdem müssen wir aus rechtlichen Gründen darauf hinweisen, dass die Erwähnung von Gegenständen, Büchern, öffentlichen Einrichtungen, Lernmitteln, Marken etc. als Werbung verstanden werden könnte.
Posts mit dem Label Garten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Garten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 28. Juni 2017

Wichtige Fragen geklärt – andere noch ungelöst

Die Ferien beginnen in zwei Tagen, und die ganze Familie ist entsprechend aufgeregt. Zeugnisse, letzter Tag im Kindergarten vor der zweimonatigen Pause (die Freunde der kleinen Schwester gehen noch zwei Wochen länger in den Kindergarten), Abschied von Freunden und Lehrkräften, Jahresabschlussfeier der Schule mit Ehrung der besten Schüler und Schülerinnen – es liegt einfach ganz viel an. Und dann müssen alle auch noch packen, denn der Flieger geht am ersten Ferientag, am Samstag schon. Die Kinder sind wirklich wuselig.

Was sie nicht wissen: Nicht nur der Patenonkel wird am Flughafen auf uns warten, sondern auch Oma, Opa und der Cousin. Bei der Oma am Urlaubsort werden außerdem einige Überraschungen auf sie warten. Die Kinder wachsen. Dementsprechend sind neue Reithelme und -stiefel nötig, wir brauchen Lernmaterialien für die Schule, Schulbücher und einen neuen Schulrucksack. Shizuka ist jetzt nach sechs Schuljahren aus dem alten Scout-Ranzen wirklich herausgewachsen und besteht auf einer etwas altersgemäßeren Verpackung für Bücher und Hefte. Außerdem ist Ferienliteratur nötig: Der Kindle ist zwar schon geladen, aber vor allem die kleine Schwester liest eben doch noch lieber auf richtigem Papier. Die erste Überraschung gab es schon zu Hause in Japan: Shizuka hatte für eine Übernachtung in der Schule einen neuen Schlafsack bekommen, weil der alte in Deutschland geblieben ist. Der Neue wird selbstverständlich mitgenommen und muss in den Koffer. Für die Reiterferien.* Neue Kletterschuhe für Shizuka sind aus Gründen des schnellen Wachstums ebenso nötig wie für die kleine Schwester und die Mama**.

Wer bei den Reiterferien übernachtet und wer nicht, wissen wir indes immer noch nicht. Es stehen auch noch einige Verabredungen aus: Freunde, die uns treffen wollen, Städte, die wir sehen wollen. Alles noch nicht organisiert. Was dagegen durchaus schon organisiert ist: Die Kinder wollen ganz oft schwimmen gehen und das jeweils nächste Schwimmabzeichen erwerben. Für Shizuka wäre das das goldene Jugendschwimmabzeichen, für die kleine Schwester das Seepferdchen. Mama muss auch ran: Wenn die Mädchen wirklich ausreichend üben, um die Prüfung abzulegen, muss Mama ein Schwimmabzeichen für Erwachsene machen. Der neue Badeanzug dafür ist schon gekauft***. Das allein war schon schwierig genug, denn die deutsche Mama hat nicht die richtigen Abmessungen, um in einen "richtigen" Schwimmanzug im japanischen Sportgeschäft zu passen. Und die seltsamen Bademoden, die die japanischen Plansche-Mamas tragen, sind zum sportlichen Schwimmen nicht wirklich geeignet.

Die Betreuung für Haus und Garten ist derweil auch schon organisiert: Shizukas Gurkenpflanzen und den Kartoffeln der kleinen Schwester wird es an nichts mangeln. Während eine Freundin der Familie eineinhalb Wochen lang die Pflege übernimmt, werden anschließend die japanischen Großeltern für die übrigen eineinhalb Wochen unser Zuhause als Ferienhaus nutzen und selbstverständlich die ersten Früchte im Garten ernten. 

Es warten auf jeden Fall spannende Ferien mit vielen Überraschungen und Herausforderungen auf uns.


* Und für eine Übernachtung im Zelt mit einer sehr, sehr guten Freundin, die Japan vor einem Jahr verlassen hat und die uns ein Wochenende lang in Deutschland besuchen wird. Oma hat ein Zelt besorgt, dass dann im Garten stehen wird, wir wollen gemeinsam in die Boulderhalle gehen und ins Freibad. Alles schon geplant, die beteiligten Kinder werden das allerdings mehr oder weniger als Überraschung erleben. 

** Die Mama ist natürlich nicht rausgewachsen, sondern hat ihre Schuhe in den letzten vier Jahren so intensiv genutzt, so dass die Sohlen sehr, sehr rund geworden sind. Der Mythos von La Sportiva ist immer noch ein Traumschuh, aber eben nicht in rund. Daher muss jetzt langsam etwas Kantigeres her, das hoffentlich wieder so lange hält. Oder länger. Denn die alten Finken werden selbstverständlich nicht entsorgt, sondern stehen als bequeme Treter weiterhin zur Verfügung. Falls die neuen mal drücken. Soll bei Kletterschuhen ja vorkommen. Abenteuer übrigens: Denn zum ersten Mal überhaupt haben wir Schuhe im Internet bestellt. Da wir Mädchen der Familie sehr pienzig sind, was die Passform angeht, ist die Frage natürlich: Sind die neuen Schuhe wirklich passend für den Fuß? große Spannung!

*** Nicht aus modischen Gründen, sondern weil der alte Anzug nach nunmehr sechs Jahren und wöchentlichen Schwimmbadbesuchen plus Gelegenheitsbaden im Meer auseinanderfällt. Taugt alles nichts mehr, das neumodische Zeugs ...

Dienstag, 13. Juni 2017

Komische Vögel

Shizuka und die kleine Schwester haben im Winter vorbildlich für das leibliche Wohl unserer gefiederten Freunde gesorgt. Das Futterhäuschen im Garten wurde regelmäßig neu befüllt. In den Bäumen waren kleine Töpfchen mit ゼリー (zerii, so eine Art Wackelpudding) für die kleinen grünen メジロ (mejiro, wörtlich Weißauge, kleiner grüner Vogel mit weißem Ring um die Augen) verteilt. Die Tiere trinken normalerweise Blütennektar und fressen Obst, informierten sich die kleinen Damen im Vorfeld. Für die Meisen gab es Sonnenblumenkerne, für die Tauben Mais, für ムクドリ(mukudori, japanische Stare) und ヒヨドリ (hiyodori, Orpheusbülbül) hingen aufgeschnittene Äpfel und Orangen in den Bäumen. Zusätzlich gab es getrocknete Mehlwürmer in kleinen Futternäpfen am Gartenzaun und Getreidemehl für die kleineren Vögel unbekannter Vorlieben. Die Spatzen flitzten überall dazwischen herum, manchmal kamen Rotschwänzchen in den Garten. Ab und an besuchte uns die Blauelster aus dem nahen Park. Nur die Krähen blieben fern, das Futter war nicht so ihre Sache. Im 和実 (wajitsu, traditionell eingerichteter Raum) hing ein Plakat vom Nabu an der Wand mit den verschiedenen sinnvollen Futterarten für jede Vogelart. Das war zwar auf die in Deutschland heimischen Vögel zugeschnitten, aber das japanische Federvieh scheint zumindest ungefähr den gleichen Geschmack zu haben. 

Die Tiere hatten das Futterangebot dankbar angenommen und beglückten uns täglich von Morgendämmerung bis spät in den Abend mit regem Partybetrieb im Garten. Besonders dreist waren die Spatzen: War das Futterhäuschen leer, untersuchten sie es erst innen und außen. Sehr akrobatisch und lustig anzusehen. War kein Futter mehr zu finden, flog jeweils einer (Der Sportlichste? Der Mutigste? Der in der Hackordnung Niedrigste?) vor die Scheibe des genannten 和実 und flappte aufrecht in der Luft stehend mit den Flügelspitzen gegen das Fliegengitter. Der Metallrahmen des Gitters schlug dann rhythmisch gegen den Metallrahmen vom Fenster, ein Heidenlärm also. Das wurde so lange gemacht, bis jemand in den Garten ging, um das Futterhäuschen aufzufüllen. Dann war Ruhe, die Spatzen futterten fröhlich weiter. Reagierte niemand, wurden die Vögel rabiater und flogen mit Anlauf gegen die Scheibe neben dem Fliegengitter. Das klapperte noch lauter, dazu kam das dumpfe Aufschlagen der kleinen Körper. Kein angenehmes Geräusch und allen bekannt, die schon einmal auf der Landstraße einen Vogel auf der Windschutzscheibe des Autos hatten.

Ende Februar war es dann mild genug, dass wir das Futter reduzieren und nur noch die nährstoffreichen Mehlwürmer und das Getreidemehl draußen hatten. Die メジロ saßen längst in Apfel- und Pflaumenblüten, die anderen Viecher klaubten sich langsam schon Insekten aus dem Boden. Im März kamen die Tiere zwar noch in unseren Garten, waren am Futter aber nicht mehr interessiert. Das Futterhäuschen wurde aber auch nicht zum Nestbau genutzt, ein paar gelangweilte Spatzen machten Turnübungen an der Unterseite des frei schwingenden Häuschens.

Und jetzt im Juni wurde es richtig interessant. Dank der feuchten Hitze wächst im Garten alles explosionsartig. Bedeutet: Einmal wöchentlich Rasen kürzen. Jeweils danach ist der Boden vor lauter wuselnden und futternden Vögeln kaum zu sehen. Da werden Käfer, Würmer, Fliegen, Maden, Larven, Asseln und Schnecken gepickt. Die ein oder andere Ameise musste sicherlich auch dran glauben. Wenn es nach dem Mähen auch noch regnete, ist die Fressorgie perfekt. Und vor unserer Haustür sammelten sich in den nächsten Tagen tote Krabbelviecher. Halbe und Dreiviertel Regenwürmer, Asseln mit gebrochenem Panzer und so mancher Käfer ohne Kopf lagen plötzlich auf den weißen Fliesen. Shizuka und die kleine Schwester fanden das erst einmal extrem ekelig. Man öffnet die Haustür und sieht auf einen Tierfriedhof! Und noch etwas passierte. Auf dem braunen Geländer zur Straße hin war neuerdings weißer Schmier zu sehen: Da halten sich eindeutig Vögel auf. Warum jetzt plötzlich? Warum die toten Viecher?

Shizuka hat ein bisschen recherchiert und ist auf eine interessante Sache gestoßen. Es scheint, dass Vögel ein recht ausgeprägtes Gedächtnis haben und tatsächlich mit Menschen interagieren, wenn sie ihre Nähe gewöhnt sind. Krähen und Elstern (schlaue Rabenvögel) bedanken sich mit glitzernden Fundstücken am Futterplatz für ihr Futter. In Zeiten von Nahrungsreichtum hinterlegen Wildvögel Beutestücke an bekannten Futterstellen. So wie die Freigänger unter dem Katzen ihre Besitzer manchmal mit toten Mäusen und Vögeln beglücken.

Shizuka und die kleine Schwester begannen, etwas genauer hinzusehen und auf Wetter und Mamas Gartenarbeitszeiten zu achten. Und da war ein Muster. Jedesmal, wenn gemäht wurde, häuften sich die toten Tiere vor der Haustür, und es gab neue weiße Flecken auf dem Geländer. Regnete es ein oder zwei Tage nach dem Mähen, wiederholte sich das Ganze. Um Fehler zu vermeiden, entfernten wir jeweils die toten Tiere, sowie wie wir sie bemerkten. Rundum auf den Stromleitungen: Stare und Bülbüls. Wir wurden beobachtet. Dem jetzt erst eingeweihten Papa kamen erst einmal Hitchcocks Vögel in den Sinn. 

Ist es undankbar, wenn wir die Futtergeschenke mit Handfeger und Schippe aufsammeln? Halten die Vögel das nun für unser Esswerkzeug? Dürfen wir die vom Schnabel abgesparten Gaben einfach im Müll entsorgen? Moralische Bedenken bei Shizuka und der kleinen Schwester. Die Vögel schienen aber nicht beeindruckt. Nach jedem Mähen lag der nächste Leichenhaufen vor der Tür.

Für Shizuka und die kleine Schwester ist klar: Im nächsten Winter wird im Garten wieder gefüttert. Wenn man dafür so viele Geschenke kriegt!

Dienstag, 23. Mai 2017

Junges Gemüse

Doppeldeutiger Titel, und diesmal durchaus beabsichtigt: Shizuka baut seit Jahren traditionell jedes Jahr eine Sorte Gemüse an. Ursprünglich waren es mal Kartoffeln im Balkonkübel, eine Art Schulprojekt. Dann war es Basilikum, im Jahr darauf Zuckerschoten, zwischenzeitlich mal Kürbis, dann wieder Kartoffel. Dieses Jahr will die kleine Schwester mitmachen. Sie hat sich Radieschen gewünscht. Mama hat mit ihr zusammen gesät, ab und an gegossen, und siehe da: Ein Radieschen hat die ganzen Krabbelviecher im Garten überlebt und konnte tatsächlich erntereif auswachsen. Die kleine Schwester hat es geerntet und war stolz wie Bolle.

Mama durfte das Radieschen putzen und waschen. Es war faustgroß, gemessen an den Händchen der kleinen Schwester. Und die krallte sich die knallrote Kugel auch gleich nach dem Waschen und biss herzhaft hinein. Mama wollte noch warnen, dass die Dinger manchmal scharf sind, zu spät: Das Kind sah selbst aus wie ein Radieschenkopf. 

Mama: Und, schmeckt Dein Radieschen?

Kleine Schwester: Hm-hm. Legga! (Man stelle sich hier ein fünfjähriges Mädchen mit vollem Mund vor, wippende Zöpfe rahmen das feuerrote Gesichtchen, es dampft aus den Ohren.)

Mama: Nicht zu scharf?

Kleine Schwester: Isch okee. (Die Augen traten schon leicht hervor, die Nasenlöcher wurden immer größer ...)

Mama: Weißt Du, wir haben die früher in dünne Scheiben geschnitten, auf ein dunkles Graubrot mit viel Butter gelegt und dann tüchtig Salz drauf getan. Weil das sonst zu scharf war. Ich war als Kind total feige: Radieschen gab es nur auf Butterbrot für mich. 

Kleine Schwester (Schluckt tapfer und gießt ein großes Glas Wasser nach.): Mama, darf ich jetzt ein Butterbrot mit Salz haben?


Natürlich bekam die kleine Schwester ihr Butterbrot mit Salz. Aber irgendwie war das dann ohne Radieschen doch nicht lecker, und Mama musste es essen. Shizuka schaute die ganze Zeit über fasziniert die kleine Schwester an. Shizuka mag Radieschen, aber nur, wenn sie nicht scharf sind.

Mama: Und, was kommt als nächstes in die Gemüsetöpfe? Nochmal Radieschen? Immerhin  musst Du die ja auch noch gleichzeitig mit dem Brot probieren ...

Kleine Schwester (Tonfall "die Welt geht unter", mit leichtem Einschlag von deutscher Feuerwehrsirene*): Neeeeee! Können wir Möhren säen? Die kleinen runden? Die so süß sind bei Oma?

Mama: Keine Radieschen mehr? Ich dachte, die waren lecker?

Shizuka (lacht): Mama, keine Radieschen. Sonst wird die Kleine zum Drachen. Hast Du gesehen, wie das eben gedampft hat?

Kleine Schwester: Gar nicht wahr! Aber ich will Möhren. Und Kartoffeln.

Shizuka: Kann ich wiedermal Kürbis haben? Der Garten ist doch jetzt groß genug für so ein Monster.


Und so kamen wir überein, dass die kleine Schwester im vormaligen Kartoffelkübel von Shizuka wieder Kartoffeln pflanzen darf, mit ein paar Möhrchensamen dazwischen. Unter der Auflage, die Möhren auch wirklich selbst zu essen. Denn normalerweise findet sie Möhren in jeder Form i-bäh. Sagt sie zumindest immer, wenn sie die essen soll.

Shizuka entschied sich dann aber doch um. Denn die gekauften Kürbisse gingen im Topf nicht an, die Samen lagen auch nach acht Wochen noch völlig unbeeindruckt in den kleinen Pflanztöpfchen im Gewächshaus auf der Fensterbank. Da war es nun zu spät, um neue zu kaufen. Sie entschied sich um, dieses Jahr sollten es dann doch lieber Gurken sein. Nächste Woche kaufen wir kleine Pflanzen und zwei Säcke Gemüseerde. Mangels Kübel: Denn Gurkenpflanzen können auch ganz ordentliche Monster werden, so wie Kürbisse und Melonen. Immerhin gehören die alle zur gleichen Familie.

* Nicht die auf den Autos. Sondern die auf dem Dach vom Feuerwehrhaus, die in den 1980er Jahren jeden Samstag in den Dörfern losheulte. Denn da gab es noch überall die Freiwillige Feuerwehr, die pünktlich um 12:00 Uhr einen Probealarm durchführte, inklusive Übungen mit brennenden Schrottautos auf dem Dorfplatz, rot angemalter Jugendfeuerwehr, die aus dem Jugendzentrum gerettet werden durfte und dem übrigen ganz großen Kino.

Mittwoch, 13. Juli 2016

Sommerferien Nr. 6

Es geht in absehbarer Zeit nach Deutschland. Hier werden Koffer gepackt, letzte wichtige Wäschestücke neben die Waschmaschine gelegt (es sind halt doch Mädchen) und die Bücherregale werden fieberhaft nach Literatur für den langen Flug abgesucht. Als ob es kein Bordprogramm gäbe! Aber gut – lesende Kinder sind brave Kinder, und die Damen dürfen ihr Handgepäck selbst tragen. Die Kuscheltiere sind schon ausgezählt worden und das auserkorene Tierchen bereitgelegt, so dass es sich auf keinen Fall bis zum Abflug wieder verstecken kann. Ich habe zum ersten Mal überhaupt einen japanischen Abzählreim zwischen "Eine kleine Mickeymaus ..." und "Ene-mene-meck ..." gehört.

Die Kinderzimmer wurden aufgeräumt (und wieder verwüstet), Oma in Deutschland hat inzwischen bestimmt fünfmal unsere Flugdaten durchgegeben bekommen, damit sie uns auch wirklich pünktlich abholt. Eine deutsche SIM-Karte fürs Handy ist genauso dabei wie die Adressen aller Freunde hier zwecks Postkarte. Ja genau: Ansichtspostkarten. Shizuka will insgesamt wenigstens vier Stück schreiben. Die Kinder sind über Skype, E-Mail, Internet-Telefonie und teilweise sogar Whats-App miteinander verbunden, aber Shizuka besteht auf der altmodischen Postkarte. Weil, die kann man anfassen. Sagt sie. Und da kann man fünfmal wegradieren, wenn einem das Geschriebene am nächsten Tag nichtig erscheint. Und außerdem ist es gut, wenn man nur das Wichtigste draufschreibt, weil sonst der Platz nicht reicht – da quasselt man keinen Unfug. :-)

Wir haben heute das Planschbecken im Garten noch einmal gereinigt und für unsere Haussitter neu befüllt, den Rasen im Garten geschnitten, Unkraut vor dem Haus gerupft und 大掃除 (oosouji, Großputz) veranstaltet. Die Futon sind im Gästezimmer ausgelegt, und der Kühlschrank ist mit Eis und kalten Getränken bestückt. Es herrscht wirklich langsam Aufbruchsstimmung ...

Besonders nett: Shizuka hat sich die App Duolingo auf ihr Handy geladen, um in Deutschland doch ohne viel Aufwand und spielerisch etwas für die Schule zu tun. Sie will in der englischen Orthographie firmer werden und außerdem eine kleine Idee bekommen, was nach den Ferien in Französisch auf sie zukommt. Seit gut einer Woche schallt ihr Handy nun schon mehrsprachig durch's Haus, und sie hat wirklich Spaß daran. Duolingo ist sehr spielerisch aufgezogen, man kann täglich Punkte erzielen, bekommt für regelmäßige Nutzung Punkte, die man im Laden gegen kleine Rätsel einlösen oder verwetten kann. Die Übungen bestehen aus Wort-Bild-Paaren, die nach den Regeln von Memory zusammengebracht werden müssen, aus Nachsprechübungen und vorzunehmenden Übersetzungen. Einzelne Wörter und Phrasen sind genauso dabei wie ganze Sätze, und manchmal darf sogar nach Diktat geschrieben oder übersetzt werden. Da der minimale tägliche Aufwand bei 5 Minuten liegt, nach oben aber keine Grenze gesetzt ist, lernt Shizuka gerade ganz zwangsfrei. Mama musste sich die App auch laden, es geht gerade darum, wer täglich mehr Punkte erspielt. Bei Englisch hat Shizuka natürlich keine Chance gegen Mama, bei Französisch ist sie dagegen im Vorteil nach einem halben Jahr AG in der Schule. Wir sind gespannt, wie sich das entwickelt.

Dienstag, 5. Juli 2016

Sommerferien, Nr. 3

Noch ein Tag in der japanischen Schule, diesmal mit Englischunterricht, Sport und einem weniger genießbaren Mittagessen. Englischunterricht war ein Kulturschock, Shizuka erzählte: Da kam ein Ausländer in die Klasse, erzählte kurz was vom Wetter, wir mussten alles nachsprechen. Dann hat er was von Baseball, Basketball, Tennis, Golf und so erzählt, und wir mussten jeden Satz nachsprechen. Dann hat er "Yes, I can!" und "No, I can't!" gesagt, und das mussten wir auch nachsprechen. Danach hat er die Klasse gefragt, ob jemand eine der genannten Sportarten kann oder nicht, und dann musste immer ein Kind bejahen oder verneinen. Und keiner hat sich gemeldet! Die wussten das alles nicht! Das war soooooo langweilig!

Ähem, ja. Vergleich mit dem Englischunterricht an ihrer eigenen Schule .... Negativ. Oder anders gesagt: Schlimmer geht immer, der ist auch nicht gut, aber allemal besser als DAS.

Nachmittags gab es Seifenblasen und Wasserschlacht im Garten, auf Schwimmbad und Spielplatz hatte heute keiner Lust. Und Shizuka war langweilig. Nur ein Arbeitsblatt als Hausaufgaben, groß genug bedruckt, dass die halbblinde Uroma es lesen könnte, und keine intellektuelle Herausforderung. Bis auf die eklatante Papierverschwendung ("Sind die hier alle kurzsichtig oder was?") völlig uninteressant. Also schnappte sie sich kurzerhand ihr Handy und loggte sich bei Duolingo ein. Damit die im vergangenen Schuljahr erworbenen Sprachkenntnisse nicht völlig verloren gehen, hatte sie sich vorgenommen, jeden Tag 10 Minuten Englisch und 10 Minuten Französisch zu üben. Naja, eher zu spielen. Die App ist ideal für Kinder, die gerne nebenbei lernen, mit vielen Memory-Spielen, Bilderkennungsübungen und sogar ein bisschen Nachsprechen und Vorsagen lassen. Das Gelernte kann per E-Mail an die Sprachlehrkräfte geschickt werden, so dass im Schulunterricht über Blended Learning die erreichten Ziele einbezogen werden können. Wenn Shizuka den ganzen Sommer über dabei bleibt und nicht aufgibt, wird sie das vermutlich nach den Ferien auch in der Schule erwähnen. Es macht ihr Spaß, und sie verbrachte heute insgesamt eine gute Stunde damit. Tippen mit dem Handy ist zwar weniger lustig, aber das Ganze auf Mamas Computer online zu nutzen war ihr dann auch zu blöd.

Mittwoch, 27. April 2016

Tag 2 - Vivarium

Der erste Gang heute Morgen führte Shizuka noch im Schlafanzug in den Garten. Die Wetterstation war das Ziel. Sieben Uhr Ortszeit, windstill, kein Niederschlag, 19° C, leichte Bewölkung. Und die Cabomba sah glücklich aus.

Dabei hätte sie das gar nicht sein dürfen. Die gestrige Bettlektüre hatte uns nämlich gesagt, dass die eigentlich in Südamerika heimische Art nur Wasser mit dem pH-Wert 7 und 28° C mag und bei allem anderen eingeht. Viel Licht, Kalium im Wasser, ordentlich gedüngt, kein stehendes Wasser, und die einzelnen Stengel im Bund müssen auseinandergenommen und im Abstand von etwa 2 cm eingepflanzt werden. Haben wir alles nicht gemacht, bei uns saß der Bund aus dem Laden einfach in den Ziersteinen. In umgebungswarmem Leitungswasser. pH-Wert? Keine Ahnung. 

Daher war der heutige Tag dann auch ausgepflanzt: Das Pflänzchen musste gerettet werden. Wir fuhren also nach getaner Arbeit (Mama hat keine Ferien) wieder zu besagtem Laden und kauften ein. Ein echtes Aquarium war zu teuer, also musste ein kleiner Sammelbehälter für Käferchen und dergleichen her. 800 Yen, Fassungsvermögen fünf Liter. Dazu zwei Kilogramm Aquarienkies, feinkörnig, reine Natur, weiß und grün. Nochmal 400 Yen. Dann noch Mineraliensteine, 500 Yen. Zwei weitere Päckchen rote Ziersteinchen, 800 Yen. Kaliumdünger für Aquarienpflanzen, 1.400 Yen. Und zu Hause wurde gebastelt. Die Pflänzchen mussten aus der Colabuddel wieder raus, die wurde nun komplett mit den roten Steinchen gefüllt und in der Mitte des Vivariums platziert. Die Steinchen sind allerdings immer noch wasserbedeckt. Im Vivarium wurden Aquarienkies und Mineralsteine vermischt und um die Flasche herum verteilt, der Bund Pflanzen wurde auseinander genommen. Die Pflanzen wurden rund um die Flasche in den Kies gesteckt, das Ganze wurde mit Wasser aufgefüllt, und dann musste noch die Flasche nachgefüllt werden, denn die wollte nicht unten im Kies stehenbleiben. Zuviel Auftrieb - also doch wieder Wasser rein. Alles noch einmal von vorne, denn derweil sind die Pflänzchen wieder ausgebüchst, die hatten im bewegten Wasser auch zuviel Auftrieb. Am Ende stand dann doch alles, das Deckelchen kam wieder auf das Vivarium drauf, die Einfüllklappe wurde abmontiert und die Wetterstation wieder auf die Colaflasche geschraubt. Das schwere Gerät wurde im Garten wieder ausgerichtet, so dass alle Wetteranzeiger funktionieren. Shizuka ist zufrieden: Mama hat alles gezahlt, das Taschengeld blieb unangetastet. Und chic sieht die Wetterstation allemal aus ...

Übrigens haben wir noch herausgefunden, dass es eine weitere Art Cabomba gibt, die sehr viel toleranter ist, genauso aussieht und auch aus Amerika kommt ... Der Laden weiß nicht so genau, was er da verkauft. Wir werden also einfach ausprobieren, was wir da gepflanzt haben. 

Und morgen?

Shizuka will noch ein Barometer anbauen ...

Dienstag, 26. April 2016

Tag 1 - Langeweile

Nachdem die spannenderen Teile der heimischen und entliehenen Buchbestände während der letzten Tage schon ausgiebig durchdacht wurden, blieb heute Zeit für - Langeweile. Shizuka stand gegen acht Uhr auf und malte erst einmal einen Schwarm Schmetterling auf die Tafel im Flur. Danach war der Garten dran: Indoboard. Nach fünf Minuten kam sie wieder rein (Mama, ich hab doch keinen Bock). Das Einrad war an der Reihe. Diesmal dauerte es zehn Minuten (Mama, ist langweilig). Seifenblasen ... zehn Minuten. Rasen schneiden ... fünf Minuten. Skateboard ... hat es nichtmal bis zur Haustür geschafft. Rollschuhe? Keine Option. Hm. Doch Buch lesen? Laaaaangweilig!

Schließlich wurde sie dann doch noch aktiv. Knapp vor dem Mittagessen packte Shizuka die kleine Wetterstation aus, die sie eigentlich schon vor zwei Jahren in Deutschland auf dem Balkon aufbauen wollte. Heute also doch. Okay. Und dann überschlugen sich die Ereignisse ...

Mama, ich brauch ein Wörterbuch, die Anleitung ist Englisch!

Mama, eine PET-Flasche! Sofort! Halber Liter, leer!

Passt nicht! (Drei Flaschen von lokalen Herstellern ausprobiert, überall war der Schraubverschluss zu weit. Sogar das extra am nächsten Automaten nach Augenmaß gezogene Exemplar, das Mama "auf Ex" trinken musste, passte nicht.)

Moment, Papa hatte da doch neulich 'ne Colaflasche, die sind doch eigentlich weltweit gleich ... Passt! 

Schraubenzieher! ... Nee, kleiner! Kreuzschlitz!

Wasser!

Sand!

Bis zum Mittagessen hatte sie tatsächlich die kleine Colabuddel ausgespült, zum Teil mit Sand gefüllt, mit Wasser aufgefüllt und eine kleine Wetterstation aufgeschraubt, die aus Windrichtung- und Stärkeanzeiger, einem Thermometer, einem Kompass und einem Niederschlagsmesser besteht. Sie hatte das Ding im Garten nach Anleitung aufgebaut, schön im Freien, weit weg von Bäumen und Hauswand. Das Thermometer war an der Nordseite der Flasche angebracht, damit es sich in der Sonne nicht aufheizen würde. Nur ein Problem gab es nun noch: die Flasche. PET, ohne Zier, nur mit der graubraunen Sandmatsche drin. Unästhetisch. So eine Wetterstation, die muss doch was hermachen!

Und damit war klar: Den Nachmittag würden wir in der Aquaristik-Abteilung des örtlichen Wohnzentrums (eine Mischung aus Baumarkt und Inneneinrichter inklusive Zooabteilung) verbringen. Shizuka einigte sich schließlich auf eine Wasserpflanze namens Cabomba und ein Säckchen rot-orangenen Kies. Zu Hause angekommen, wurde das Zeug anstelle des Sands in die Flasche gefüllt. Wir haben also nun ein "Aquarium" ohne Fische im Garten. Ich bin gespannt, was morgen kommt. Als Bettlektüre wurde mir aufgetragen, alles verfügbare über die korrekte Pflege von Cabomba zu lesen ...

Sonntag, 6. März 2016

Frühling im Paradies

Wie reich die Natur auch in der Großstadt sein kann, hat Shizuka am Wochenende erst wieder erfahren:

- Graureiher im Park döst im Sonnenschein

- eine kleine Eidechse ist im Garten fast in die Rasenschere geraten

- die Krokusse stehen in voller Blüte

- die Tulpen stehen mehr als kniehoch im Garten

- ab vier Uhr morgens machen die Vögel draußen einen Heidenspektakel

- man kann die Glastür zum Garten nicht mehr öffnen, ohne von einem Schwarm Insekten auf dem Weg nach drinnen überwältigt zu werden

- im Park fliegen einem ständig Fußbälle, Baseballkugeln, Springseile und Käfer um die Ohren

Schön!

Und jetzt? Jetzt warten wir auf das Osterwochenende, denn da sind Ski und Snowboard angesagt. Zwei Tage hat der begeisterte Papa geplant, denn dass die Mädels Wintersport mögen, ist neu. 

Montag, 14. Dezember 2015

Es wird Winter

Es ist warm, sehr warm sogar. Bei nachts um die 10° C und tagsüber noch zwischen 15° und 20° C kann man nicht wirklich von Winter sprechen. Trotzdem fand der jährliche Weihnachtsmarkt in Center-Kita statt, in Daunenjacken, Schals und Handschuhe gehüllte Japaner und Japanerinnen kauften bibbernd, mit Gänsehaut und roten Nasen Glühwein (der von den Eltern der Deutschen Schule z. T. im T-Shirt verkauft wurde), überall liegen Schlitten und Skiausrüstung zum Kauf bereit, und die Klimaanlagen um die Häuser herum brummen.

Unsere Winterboten waren indes etwas anderer Art: Seit etwa zwei Wochen sehen wir wieder unsere gefiederten Freunde im Park. Der Graureiher und der kleine Seidenreiher sind zurück und waten zwischen Enten, die im Sommer auch nicht da waren, durch den Wasserlauf. Der Eisvogel kann mangels belaubter Bäume wieder gesehen werden, und natürlich fängt auch der Fische. Schön zu beobachten, denn der kleine Vogel strahlt und leuchtet wirklich auffällig in Türkisblau und hebt sich damit ganz apart vom grauen Wasser und den rotbraunen Blättern überall ab. Im Garten sind wieder Meisen und Spatzen unterwegs, einzelne Stare und andere, noch nicht identifizierte Vögel machen zeitweise einen Heidenspektakel.

Wirklich verblüffend fand Shizuka aber, dass es sich bei allen drei Vogelarten eigentlich nicht um Zugvögel in dem Sinn handelt. Trotzdem waren die Tiere im Sommer nicht im Park zu sehen, statt dessen hatten wir da Eidechsen, Frösche und Schildkröten. Es scheint fast, als würden die Vögel vor dem warmen Sommer im städtischen Ballungsgebiet fliehen und weiter in die Berge landeinwärts ziehen ...

Sonntag, 13. September 2015

Es wimmelt im Garten

Der tagelange Regen macht eine Pause, es ist schwül-heiß, und das Gras im Garten wuchert. Als ich das Planschbecken gestern vom Regenwasser befreit habe (mittels Gießkanne - einige Stellen im Garten waren schon wieder knochentrocken), huschte mir plötzlich etwas kleines, aufgeregtes mit langem Schwanz über die grünen Gummi-Gartenlatschen. Es war schnell, es war nicht größer als mein altes kabelloses Telefon mit dem Apfel auf der Rückseite, und es war braun. 

Schlange? Möglich, soll es hier geben. Hat sich aber irgendwie nicht geschlängelt, und war auch viel zu scheu.

Eidechse? Nein, zu knubbelig am Schwanz, und gar nicht mit den bronzefarbenen Streifen.

Skink? Nein, ist mehr gehüpft als geschlängelt, und war zu schlank, der Schwanz war zu lang.

Gecko? Könnte sein.

Und da ist er wieder, der Traum von einem "eigenen" Yamori, einem Hausbeschützerchen, im Garten. Vielleicht war es einer, ich weiß es nicht. In der Nachbarschaft haben wir schon einige der kleinen Geckos gesehen, aber im eigenen Garten bislang eben noch nicht.

Übrigens wimmelten uns beim kürzlichen Besuch der Schwiegermama insgesamt vier unterschiedlich große Individuen von Tokage um die Füße - der einzelne Skink unter unserem Haus hatte dieses Frühjahr also ordentlich Nachwuchs. Dachten wir zumindest - gesehen hatten wir den Fünfstreifigen Japan-Skink, laut Tierbestimmungsbuch. Das kleine Tier war uns mehrfach begegnet, daher waren wir uns recht sicher. Keine seltene Art, und die jugendlichen Tiere haben einen auffällig blauen Schwanz. Nun: Vier jugendliche Tiere von etwa fünf Zentimeter bis maximal achtzehn Zentimeter Länge, zur gleichen Jahreszeit? Unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher erscheint, dass wir eine Familie Aosuji Skinke im Garten haben, die auch in ausgewachsenem Zustand noch den blauen Schwanz haben. Diese Tiere gibt es hier wohl, aber sie sind recht selten. Ganz egal, welche Reptilien es sind: Hoffentlich bleiben die Tierchen und dezimieren die eher ungeliebten Gartenbewohner, namentlich Stechmücken.