Die rechtliche Seite

Die Mitteilung von Google, dem Betreiber dieses Dienstes, bezüglich der gesammelten Daten ist für alle einsehbar und lesbar. Die Autoren und Autorinnen dieses Blogs gehen davon aus, dass jeder Besucher und jede Besucherin diese Mitteilung liest und versteht. Und für verlinkte Seiten und Inhalte sowie die Privatphäre betreffendes Verhalten dieser Seiten übernehmen die Autoren und Autorinnen des Blogs keine Verantwortung. Die Links sind aus rein nicht-kommerziellen Gründen gesetzt und dürfen nur nach sorgfältiger Prüfung der eigenen Interessen von Lesern und Leserinnen dieses Blogs aktiviert werden. Handelt bitte verantwortungsvoll und in Eurem eigenen Interesse. Danke.

Die Betreiber und Betreiberinnen dieses Blogs erhalten ausdrücklich keine Vergütung irgendeiner Art für die Verlinkung von Artikeln, Videobeiträgen, Webseiten und anderem. Dies ist ein privates Weblog. Trotzdem müssen wir aus rechtlichen Gründen darauf hinweisen, dass die Erwähnung von Gegenständen, Büchern, öffentlichen Einrichtungen, Lernmitteln, Marken etc. als Werbung verstanden werden könnte.
Posts mit dem Label Winter werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Winter werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 13. Juni 2017

Komische Vögel

Shizuka und die kleine Schwester haben im Winter vorbildlich für das leibliche Wohl unserer gefiederten Freunde gesorgt. Das Futterhäuschen im Garten wurde regelmäßig neu befüllt. In den Bäumen waren kleine Töpfchen mit ゼリー (zerii, so eine Art Wackelpudding) für die kleinen grünen メジロ (mejiro, wörtlich Weißauge, kleiner grüner Vogel mit weißem Ring um die Augen) verteilt. Die Tiere trinken normalerweise Blütennektar und fressen Obst, informierten sich die kleinen Damen im Vorfeld. Für die Meisen gab es Sonnenblumenkerne, für die Tauben Mais, für ムクドリ(mukudori, japanische Stare) und ヒヨドリ (hiyodori, Orpheusbülbül) hingen aufgeschnittene Äpfel und Orangen in den Bäumen. Zusätzlich gab es getrocknete Mehlwürmer in kleinen Futternäpfen am Gartenzaun und Getreidemehl für die kleineren Vögel unbekannter Vorlieben. Die Spatzen flitzten überall dazwischen herum, manchmal kamen Rotschwänzchen in den Garten. Ab und an besuchte uns die Blauelster aus dem nahen Park. Nur die Krähen blieben fern, das Futter war nicht so ihre Sache. Im 和実 (wajitsu, traditionell eingerichteter Raum) hing ein Plakat vom Nabu an der Wand mit den verschiedenen sinnvollen Futterarten für jede Vogelart. Das war zwar auf die in Deutschland heimischen Vögel zugeschnitten, aber das japanische Federvieh scheint zumindest ungefähr den gleichen Geschmack zu haben. 

Die Tiere hatten das Futterangebot dankbar angenommen und beglückten uns täglich von Morgendämmerung bis spät in den Abend mit regem Partybetrieb im Garten. Besonders dreist waren die Spatzen: War das Futterhäuschen leer, untersuchten sie es erst innen und außen. Sehr akrobatisch und lustig anzusehen. War kein Futter mehr zu finden, flog jeweils einer (Der Sportlichste? Der Mutigste? Der in der Hackordnung Niedrigste?) vor die Scheibe des genannten 和実 und flappte aufrecht in der Luft stehend mit den Flügelspitzen gegen das Fliegengitter. Der Metallrahmen des Gitters schlug dann rhythmisch gegen den Metallrahmen vom Fenster, ein Heidenlärm also. Das wurde so lange gemacht, bis jemand in den Garten ging, um das Futterhäuschen aufzufüllen. Dann war Ruhe, die Spatzen futterten fröhlich weiter. Reagierte niemand, wurden die Vögel rabiater und flogen mit Anlauf gegen die Scheibe neben dem Fliegengitter. Das klapperte noch lauter, dazu kam das dumpfe Aufschlagen der kleinen Körper. Kein angenehmes Geräusch und allen bekannt, die schon einmal auf der Landstraße einen Vogel auf der Windschutzscheibe des Autos hatten.

Ende Februar war es dann mild genug, dass wir das Futter reduzieren und nur noch die nährstoffreichen Mehlwürmer und das Getreidemehl draußen hatten. Die メジロ saßen längst in Apfel- und Pflaumenblüten, die anderen Viecher klaubten sich langsam schon Insekten aus dem Boden. Im März kamen die Tiere zwar noch in unseren Garten, waren am Futter aber nicht mehr interessiert. Das Futterhäuschen wurde aber auch nicht zum Nestbau genutzt, ein paar gelangweilte Spatzen machten Turnübungen an der Unterseite des frei schwingenden Häuschens.

Und jetzt im Juni wurde es richtig interessant. Dank der feuchten Hitze wächst im Garten alles explosionsartig. Bedeutet: Einmal wöchentlich Rasen kürzen. Jeweils danach ist der Boden vor lauter wuselnden und futternden Vögeln kaum zu sehen. Da werden Käfer, Würmer, Fliegen, Maden, Larven, Asseln und Schnecken gepickt. Die ein oder andere Ameise musste sicherlich auch dran glauben. Wenn es nach dem Mähen auch noch regnete, ist die Fressorgie perfekt. Und vor unserer Haustür sammelten sich in den nächsten Tagen tote Krabbelviecher. Halbe und Dreiviertel Regenwürmer, Asseln mit gebrochenem Panzer und so mancher Käfer ohne Kopf lagen plötzlich auf den weißen Fliesen. Shizuka und die kleine Schwester fanden das erst einmal extrem ekelig. Man öffnet die Haustür und sieht auf einen Tierfriedhof! Und noch etwas passierte. Auf dem braunen Geländer zur Straße hin war neuerdings weißer Schmier zu sehen: Da halten sich eindeutig Vögel auf. Warum jetzt plötzlich? Warum die toten Viecher?

Shizuka hat ein bisschen recherchiert und ist auf eine interessante Sache gestoßen. Es scheint, dass Vögel ein recht ausgeprägtes Gedächtnis haben und tatsächlich mit Menschen interagieren, wenn sie ihre Nähe gewöhnt sind. Krähen und Elstern (schlaue Rabenvögel) bedanken sich mit glitzernden Fundstücken am Futterplatz für ihr Futter. In Zeiten von Nahrungsreichtum hinterlegen Wildvögel Beutestücke an bekannten Futterstellen. So wie die Freigänger unter dem Katzen ihre Besitzer manchmal mit toten Mäusen und Vögeln beglücken.

Shizuka und die kleine Schwester begannen, etwas genauer hinzusehen und auf Wetter und Mamas Gartenarbeitszeiten zu achten. Und da war ein Muster. Jedesmal, wenn gemäht wurde, häuften sich die toten Tiere vor der Haustür, und es gab neue weiße Flecken auf dem Geländer. Regnete es ein oder zwei Tage nach dem Mähen, wiederholte sich das Ganze. Um Fehler zu vermeiden, entfernten wir jeweils die toten Tiere, sowie wie wir sie bemerkten. Rundum auf den Stromleitungen: Stare und Bülbüls. Wir wurden beobachtet. Dem jetzt erst eingeweihten Papa kamen erst einmal Hitchcocks Vögel in den Sinn. 

Ist es undankbar, wenn wir die Futtergeschenke mit Handfeger und Schippe aufsammeln? Halten die Vögel das nun für unser Esswerkzeug? Dürfen wir die vom Schnabel abgesparten Gaben einfach im Müll entsorgen? Moralische Bedenken bei Shizuka und der kleinen Schwester. Die Vögel schienen aber nicht beeindruckt. Nach jedem Mähen lag der nächste Leichenhaufen vor der Tür.

Für Shizuka und die kleine Schwester ist klar: Im nächsten Winter wird im Garten wieder gefüttert. Wenn man dafür so viele Geschenke kriegt!

Montag, 14. Dezember 2015

Es wird Winter

Es ist warm, sehr warm sogar. Bei nachts um die 10° C und tagsüber noch zwischen 15° und 20° C kann man nicht wirklich von Winter sprechen. Trotzdem fand der jährliche Weihnachtsmarkt in Center-Kita statt, in Daunenjacken, Schals und Handschuhe gehüllte Japaner und Japanerinnen kauften bibbernd, mit Gänsehaut und roten Nasen Glühwein (der von den Eltern der Deutschen Schule z. T. im T-Shirt verkauft wurde), überall liegen Schlitten und Skiausrüstung zum Kauf bereit, und die Klimaanlagen um die Häuser herum brummen.

Unsere Winterboten waren indes etwas anderer Art: Seit etwa zwei Wochen sehen wir wieder unsere gefiederten Freunde im Park. Der Graureiher und der kleine Seidenreiher sind zurück und waten zwischen Enten, die im Sommer auch nicht da waren, durch den Wasserlauf. Der Eisvogel kann mangels belaubter Bäume wieder gesehen werden, und natürlich fängt auch der Fische. Schön zu beobachten, denn der kleine Vogel strahlt und leuchtet wirklich auffällig in Türkisblau und hebt sich damit ganz apart vom grauen Wasser und den rotbraunen Blättern überall ab. Im Garten sind wieder Meisen und Spatzen unterwegs, einzelne Stare und andere, noch nicht identifizierte Vögel machen zeitweise einen Heidenspektakel.

Wirklich verblüffend fand Shizuka aber, dass es sich bei allen drei Vogelarten eigentlich nicht um Zugvögel in dem Sinn handelt. Trotzdem waren die Tiere im Sommer nicht im Park zu sehen, statt dessen hatten wir da Eidechsen, Frösche und Schildkröten. Es scheint fast, als würden die Vögel vor dem warmen Sommer im städtischen Ballungsgebiet fliehen und weiter in die Berge landeinwärts ziehen ...

Donnerstag, 12. Februar 2015

Gecko, Eidechse, Salamander oder Molch?

Wir haben das Glück, nahe an einem Park zu wohnen, den wir jeden Nachmittag auf dem Heimweg von der Schule durchqueren. Da sind manchmal ganz seltsame Tiere zu sehen, und vor etwa einer Woche war es wieder so weit: Auf der Bordsteinkante der Fußgängerbrücke, die in den Park hineinführt, saß ein kleines, dunkles Reptil mit silbern glänzenden Knopfaugen. Das Tierchen war etwa so lang wie die Diagonale meines iPhones, inklusive Schwanz. Scheu war es nicht, es ließ sich ganz einfach fotografieren. Und es schaute uns sehr neugierig an.

ニホンヤモリ


Wir rätselten, was das sein könnte. Kleine harte Erhöhungen an Schwanz und Rücken ließen das Tierchen wie einen Drachen erscheinen, Zähne hat es aber nicht. Keine Schuppen, sondern eher glatte Haut. Da der Kopf im Verhältnis zum Körper sehr groß ausfällt, handelt es sich vermutlich um ein Jungtier. Die Haut schien trocken zu sein, samtig, allem Anschein nach. Einzelne hellere Flecken zogen sich vom Kopf bis zum Schwanz, die Regelmäßigkeit derselben deutet darauf hin, dass es sich um das natürliche Muster der Haut handelt, nicht etwa um Narben. Die Füße haben breite Zehen, die Unterseite ist mit Lamellen bedeckt. Und der Schwanz läuft spitz aus, nicht breit.

Da im Park und in der unmittelbaren Umgebung zwei sehr fette, verwilderte Katzen herumstreunen, die nahrungstechnisch nicht allzu wählerisch zu sein scheinen, hab ich das Tierchen vorsichtig mit einem Taschentuchpäckchen in die trockene, warme Erde gescheucht. Es war schon später Nachmittag und wurde auf dem hellen Bordstein recht kühl, so dass die Beweglichkeit der kleinen Echse arg eingeschränkt war. Auf dem Erdreich schien mir das Tierchen zumindest farblich getarnt etwas sicherer zu sein. Dabei zeigte sich, dass der reptile Zwerg außerordentlichen Mut hat: Wollte doch tatsächlich das sehr viel größere Taschentuchpäckchen angreifen und fauchte ganz ordentlich! Ich war beeindruckt, und mein Naturkind Nummer Eins war es auch. Nummer zwei verschlief den Vorfall im Fahrradsitz - mal wieder.

Zu Hause versuchten wir mithilfe der Fotos und Google herauszufinden*, wie das Tierchen heißt. Wir waren erfolglos. Immerhin konnten wir es zuordnen: ein Gecko. Es ist keine Eidechse, denn die haben spitze Krallen an den dünn auslaufenden Zehen und tragen Schuppen. Den Salamander konnten wir ebenfalls ausschließen, die hier lebenden Tiere haben dicke Schwänze, die sie wohl im Wasser zum Schwimmen benutzen. Molche mit ihrer sehr feuchten Haut kommen auch nicht in Frage. Unter トカゲ fanden wir dann Bilder, die immerhin in der Körperform unserem Tier ähnlich sahen, wenn auch die Färbung der Haut und die Größe abwichen. Am Wochenende klärte eine einheimische Freundin uns auf: Wir hatten ein vermutlich nicht ganz, aber fast ausgewachsenes Tier der Art ヤモリ fotografiert, eine selten gewordene Geckoart, die bevorzugt in Gemäuern und Ritzen lebt, manchmal auch in alten Häusern, und die angeblich keine Fressfeinde hat. Wir sollten uns glücklich schätzen, so ein seltenes Tier so nah gesehen zu haben, sagte sie - und ihre Tochter Mika schaute verliebt auf die Fotos. Ob sie uns mal besuchen und das Tier ansehen könnte, wollte sie wissen. Währenddessen erzählte ihre Mama uns, dass sie Geckos abstoßend findet. Sie verbrachte ihre Kindheit in einem alten Haus in eher ländlicher Gegend, und eine ihrer frühesten Erinnerung ist die an einen Gecko, der vor ihr von außen auf die Fensterscheibe sprang und daran herauflief. Unnötig zu erwähnen, dass die Kinder während der Erzählung fasziniert an ihren Lippen hingen.



Ich bin gespannt, ob wir den kleinen Gecko wiedersehen. 


An Hausaufgaben war an diesem Tag übrigens nicht mehr zu denken, zu spannend war die Internetsuche nach unserem Tierchen, dessen Namen wir suchten. Da aber Medienkompetenz zu den hier vermittelten Fähigkeiten gehört, war mir das an dem Tag mal einfach egal - immerhin haben wir Naturkundeunterricht mit lebendem Anschauungsmaterial gemacht und das ganze mit einer selbständigen Recherche verbunden. Es war ein Gecko Japonicus, den wir da gesehen haben. Und da soll noch einmal jemand sagen, Latein sei heutzutage unwichtig ...

Freitag, 9. Januar 2015

Natur pur, mitten in der Stadt

Wir wohnen nun schon seit ein paar Monaten hier, und die Parks der näheren Umgebung haben wir ganz gut kennen gelernt. Ganz besonders nett ist der direkt hinter der Schule: Unsere Kleine ist davon überzeugt, dass dort wenigstens ein Totoro wohnt, vermutlich aber mehr, weil überall Eicheln herumliegen. Im unvermeidlichen Teich schwimmen Koi, hässliche graubraune wie auch Zierkarpfen, und auf den treibenden Ästen sonnenbaden ausgewilderte Schildkröten. Eigentlich ganz nett und idyllisch. Der andere Park liegt zwischen unserem Haus und der Schule, hat einen kleinen Wasserlauf, der zum Teich aufgestaut und von Koi in allen Farben bevölkert ist. Zwei dicke verwilderte Katzen wohnen da, eine Menge Krähen, Spatzen, Meisen, Bachstelzen, Eidechsen, Tausendfüßler, Grashüpfer, Grillen, Heimchen und anderes Getier. Winter oder nicht, hier ist viel los.

Und manchmal kommen Besucher. Den ersten besonderen Gast haben wir am 7. November dort getroffen: Ein Graureiher stelzte megacool und gelassen weniger als zwei Meter von uns entfernt durch den aufgestauten Bach und fischte sein Abendessen heraus. Wir sahen ihm dabei zu, er sah uns beim Zusehen zu und manschte genüsslich zappelnden Fisch im Schnabel. Faszinierend. Die klappernden Fahrräder haben ihn nicht gestört, die Japaner mit ihren Hunden im Park auch nicht, die eine der beiden dicken Katzen, die am Ufer lauerte, ebenfalls nicht. Nach zwanzig Minuten hatten wir genug von dem Schauspiel (und selbst Hunger auf Abendessen) und sind nach Hause gegangen. Den Reiher haben wir seitdem nicht wieder gesehen.

Heute nachmittag nun war es ein Eisvogel. Mein erster in freier Wildbahn, um ehrlich zu sein, und die Große hat ihn nicht gesehen. Die war nämlich noch in der Schule, wir wollten sie gerade dort abholen. Wir, das sind die Kleine und ich, sie hinten im Fahrradsitz, ich vorne auf dem klappernden Gerät. Als wir in den Park kamen, wurde der aufgestaute Bach von kauernden Japanern mit Fotoapparten belagert, deren Teleobjektive länger waren als die Leute. Davor flitzte etwas blaugrün schillerndes aus dem Bach heraus in den nächsten Baum und blieb dort sitzen. Kein Kolibri, obwohl das ob der Farbenpracht mein erster Gedanke war. Kopf- und Schnabelform waren eindeutig: Ein Eisvogel hatte sich in den Park verirrt und jagte im Bach. Wir beobachteten das Tier, das die Japaner mit Fotoapparat beobachtete, die wiederum das Tier anstarrten. Nach zehn Minuten wurde die allgemeine Bewegungslosigkeit allerdings langweilig, ich fuhr weiter zur Schule. Als wir eine halbe Stunde später durch den Park zurück kamen, waren die Leute mit Fotoapparat noch da, der Vogel war es nicht mehr. Eigentlich schade, ich hätte den kleine Kollegen gerne der Großen gezeigt.

Samstag, 14. Dezember 2013

Bestimmt ein Apfelschimmel!

Ich hab noch mal über das Lied Jingle Bells nachgedacht. Und ich glaube, dass ein Apfelschimmel den Schlitten zieht. Das ist mit Sicherheit ein großes Pferd, ein sehr großes, starkes Pferd. Und wenn ich mir so ein Winterbild mit Schnee und Wald denke, mit großem, offenen Holzschlitten und zwei oder drei Kindern, die da in Decken gewickelt drin sitzen, dann gehört da ein Apfelschimmel davor. So einer, der richtig arg getupft ist und nicht nur ein bisschen. Mit schwarzer, langer Mähne und einem schwarzen Schweif. Mit lauter kleinen Glöckchen am bunten Halfter, wie ein Harlekin mit den Glöckchen an der Mütze. Und natürlich gibt es einen warmen Fußsack im Schlitten, mit Schaffell. Die Kinder haben bestimmt keine Handschuhe an, sondern haben einen Muff. Und große Bommelmützen und Schals. Man sieht bestimmt den Atem vom Pferd in der Luft dampfen. Und ich glaube, dass das Lied von abends erzählt, wenn es schon dunkel wird und ein bisschen neblig ist. Wenn überall die Lichter brennen und die Häuser ganz warm aussehen. 

Mit einem Braunen oder einem Rappen würde das irgendwie komisch aussehen. Und ein Schimmel passt irgendwie nicht so ganz. Schlittenpferde müssen sich im Winter doch nicht tarnen! Den würde man total schlecht sehen, den Schimmel, wegen dem vielen Schnee rundum. Aber einen Apfelschimmel, den sieht man. So ein bisschen zumindest, denn der ist ja auch weiß. Die Tupfen sieht man, und Mähne und Schweif und Nüstern und Augen. Das wirkt so ein bisschen neblig dann, so wie nur eine Idee von einem Pferd und nicht ein ganzes Pferd, und das passt viel besser in die Winterlandschaft. Denn wenn überall Schnee liegt, dann sieht man da ja auch nicht so richtig, wie die Landschaft aussieht. Nur so ein bisschen. Wie in einem Traum, nicht so ganz wirklich.

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Rappe, Schimmel oder Fuchs?

Mama hat heute Mittag wieder am Klavier gesessen. Und ich habe das Lied sofort erkannt: Sie hat Jingle Bells gespielt. Wir haben zusammen etwa zehn Minuten gesungen, das war schön. Was für ein Pferd zieht den Schlitten? Ich meine, "in a one horse open sleigh", das klingt doch ganz spannend - aber was für ein Pferd ist das? Das Lied ist prima, wenn man das singt und hört, dann sieht man viel Schnee vor sich, ein bisschen Nadelwald, und einen riesigen Holzschlitten mit glänzenden Metallkufen. Das Pferd ist bestimmt stark, ein Kaltblut. Aber was für ein Pferd ist das? Ist das ein Rappe? Oder ein Schimmel? Ein Apfelschimmel sähe da bestimmt komisch aus. Aber ein Falber passt auch nicht so richtig. Meine Mama wusste das nicht. Die hat gesagt, das ist halt einfach ein Pferd, mehr steht nicht im Lied. Was für Pferde ziehen denn Schlitten? Ob Haflinger das können? Die sind braun ...

In meinem großen Weihnachtsbuch ist da ein Haflinger abgebildet. Aber der Schlitten ist größer als das Pferd, das ist also eindeutig falsch, das Bild. Ich will auch mal mit einem Pferdeschlitten unterwegs sein. Das macht bestimmt Spaß.

Sonntag, 1. Dezember 2013

Das erste Türchen

Das erste, was ich heute morgen gemacht habe, war, den Adventskalender aufzumachen. Ein Stempel! Groß, aus Holz, mit einem Reh im Wald drauf. Und Mond und Sterne. Das ist schon irgendwie ein bisschen komisch, denn bisher habe ich im Winter keine Rehe gesehen, sondern nur im frühen Herbst. Das hat Punkte auf dem Rücken, ist also bestimmt noch ein Kitz. Im Winter? Ich dachte, die werden im Frühling geboren! Meine Schwester hatte auch einen großen Holzstempel in ihrem Kalender, mit einer Familie Wildschweine drauf. Die kenne ich aus dem Wildtierpark. Aber ich glaube, die Frischlinge haben jetzt auch keine Streifen mehr ...

Wir haben jedenfalls ein ganz großes Stempelbild gemacht. Ich habe viele Stempelkissen in verschiedenen Farben, und meine Schwester und ich haben wenigstens einen halben Tag auf dem Boden gesessen und gestempelt! Dann haben wir noch Glitzerpulver auf das Bild gemacht und mit Glitzerstift dazugemalt. Irgendwie waren am Ende gar keine von den neuen Stempeln zu sehen, sondern nur meine alten Stempelbilder. Hm. Aber das hat alles geglitzert wie Schnee! Hoffentlich schneit es bald.

Papa hat Oma in Japan auf dem Computer angerufen, und wir haben lange geredet und Quatsch gemacht. Videotelefon, Papa nennt das Skype. Die Wohnung sieht aus wie immer, da ist gar kein Weihnachtsschmuck gewesen. Das war schon irgendwie komisch, wo doch bei uns überall Sterne und Engel und so sind. Oma hat auch nichts von Weihnachten und Adventskalender erzählt. Ob die das überhaupt kennt? In Japan gibt es so viele Sachen, die es hier nicht gibt. Vielleicht gibt es hier ja auch Sachen, die es dort nicht gibt? Aber das wäre schon traurig, wenn die Japaner alle kein Weihnachten kennen. Das macht doch Freude, die ganzen Lichter im dunklen Winter und die Kerzen und Sterne und die Geschichten jeden Abend und die Geschenke. 

Abends habe ich mit Mamas Handy mit meiner deutschen Oma telefoniert. Die hat meiner Schwester und mir einen Geschichten-Adventskalender mit dem Schlaufuchs geschenkt. Gestern gab es eine Geschichte über den Adventskranz. Ich habe mich bei Oma bedankt, und die hat sich gefreut. Meine deutsche Oma kennt Advent und Weihnachten, das weiß ich ganz sicher. Und bestimmt waren bei ihr auch schon Engel und haben die Wohnung geschmückt und überall Sterne und Kerzen aufgestellt.

Donnerstag, 21. November 2013

Winter???

Es ist jeden Morgen unglaublich kalt. Papa musste schon ein paarmal das Auto frei kratzen. Und die Sonne scheint nicht. Es regnet aber auch nicht. Warum schneit es nicht endlich? Es ist doch Winter! Wo bleibt der ganze Schnee, den man für einen Schneemann braucht? Ist es so kalt, dass der am Himmel festhängt?

Papa sagt auch, dass es furchtbar kalt ist. Mama sagt, dass es für Schnee noch nicht kalt genug ist. Ich will Schnee! 

Ob es in Japan schneit? Hm ... 

Schnee heißt auf Japanisch Yuki, und der Schneemann heißt Yuki-Daruma. Am Montag habe ich den Yuki-Daruma, den wir in der japanischen Schule letzten Winter gebastelt haben, im Fenster aufgehängt. Und Mama hat schon Meisenknödel und ein Futterhäuschen auf den Balkon gehängt. Und gestern hat sie einen ganz großen Stern aus Origami-Papier gebastelt. Sie sagt, der heißt Bascetta-Stern. Dreißig Blätter hat sie dafür gebraucht, und wenigstens zwei Stunden. Oder so. Einen Santa aus Origami hat sie auch schon gemacht, am Wochenende. Aber dafür hat sie nur ein Blatt Papier gebraucht.




Einen langen bilingualen Artikel über die aktuelle Wetterlage in Japan, Schneemänner und buddhistische Asketen gibt es im Schwesterblog Japanisch lernen mit Shizuka.