Natürlich hat sie sich nicht getraut. Aber immerhin - sie hat geübt, ist stolz darauf, und das ist das Wichtigste. Über den Rest schweigen wir besser.
Shizuka ist ein ganz normales Mädchen. Sie klettert gerne auf Bäume und Kletterwände und trägt bevorzugt zerrissene Skinny-Jeans in Schwarz. Und sie hat popolange Haare. Außer der kleinen Schwester, den langen Haaren und ihrem Teddybären liebt sie Schafskäse, Oliven und Kartäuserklöße. Aber Shizuka ist auch etwas Besonderes: Sie wächst dreisprachig auf. Naja, inzwischen viersprachig: In der Schule ist Französisch dazugekommen. Die erste Fremdsprache für sie.
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Donnerstag, 28. Januar 2016
Dienstag, 24. Dezember 2013
Weihnachten in Farbe?
Weihnachten ist bunt. Kunterbunt. Bunt wie ein Regenbogen, bunt wie ein Farbkasten. Zumindest für mich, denn ich sehe bunte Lichter überall in der Stadt, die bunten Zuckerstangen beim Weihnachtsmarkt, einen grünen Baum, bunte Kugeln am Baum, bunte Lichterketten am Balkon von unseren Nachbarn und sogar bunte Schokokugeln im Adventskalender. Weihnachten fühlt sich nicht nur gut an, Weihnachten riecht auch gut. Nach Lebkuchen, frisch gebackenen Plätzchen, Tannenbäumen, Kerzen, Mamas Handcreme mit Bienenwachs. Nach heißer Honigmilch. Und nach Tonjiru - das ist eine Art Eintopf, der in Japan immer im Winter gegessen wird. Weihnachten hört sich auch an, und zwar auch gut. "Alle Jahre wieder" und "In der Weihnachtsbäckerei" und "Morgen kommt der Weihnachtsmann" und "Dicke rote Kerze". Dieses Jahr auch nach Mama am Klavier. Und nach Glocken und Glöckchen, Knistern von Kerzenflammen und dem Rascheln von Christbaumzweigen.
Ich war vor zwei Wochen mit meiner Mama und einem Freund in der Experimenta in Heilbronn. Dort gibt es im Stockwerk "Netzwerk und Kommunikation" eine Schreibmaschine, die haut Löcher ins Papier. Das ist eine Schreibmaschine für Blindenschrift. Blinde können auch lesen, nur dass die Bücher Knubbel statt Buchstaben haben. Mama hat meinen Namen getippt. Und dann habe ich meinem Papa einen Brief getippt. Das war ganz schön schwer, denn alle Buchstaben im Alphabet werden mit sechs Punkten gebildet, die immer anders geordnet sind in einem Raster. Gar nicht so einfach. Papa hat einen ganzen Abend mit Wikipedia gebraucht, um den Brief zu lesen. Und natürlich waren ein paar Schreibfehler drin.
Gestern Abend habe ich ein Buch aus der Stadtbücherei gelesen, das in Buchstaben und in Braille geschrieben ist: Das schwarze Buch der Farben. Es geht darum, dass die Welt eigentlich ganz bunt ist. Aber das Buch ist schwarz, die Seiten sind schwarz. Mit glattem Lack sind auf das matte Papier Muster und Gegenstände gemalt, die man fühlen kann. Und man kann die Sätze auch mit den Fingern lesen, denn alles ist mit Buchstaben und mit Blindenschrift geschrieben. Das ist spannend. Denn ein Buch über Farben ist für blinde Leute doch eigentlich Quatsch, oder? Mama hat mir erklärt, dass manche Menschen nicht blind geboren werden, sondern schon Farben kennen und wissen, wie Dinge aussehen, weil sie erst später durch eine Krankheit oder einen Unfall blind geworden sind. Das ist bestimmt schwer. Wie erklärt man aber den anderen, was Farben sind? Wie Rot aussieht? Das einem bei Blau ein bisschen kalt wird? Dass Gelb nach Sonne und Meer riecht? Dass Grün sich wie frisches, feuchtes, glattes Gras anfühlt? Dass Braun zwischen den Fingern krümelt wie leicht muffig riechende Gartenerde? Dass Lila nach Flieder riecht und sich anfühlt wie die glatten Blüten von Veilchen? Dass Weiß eigentlich gar nicht Weiß ist, sondern Licht, das mit einem Stück Glas in einen Regenbogen verwandelt werden kann? Das ist echt schwer.
Mama hat gesagt, dass ich mit meinen Fragen die meisten eigentlich schon beantwortet habe. Weil Rot eben wirklich so aussieht wie Erdbeeren und Tomaten schmecken, es warm macht und nach Himbeersirup riecht. Dass Blau wie Heidelbeeren schmeckt, ein bisschen kühl und nass ist und immer nach Winter riecht. Dass Grün sich wie Gras anfühlt, vielleicht auch danach riecht, aber ganz sicher wie Salatgurke schmeckt. Und so weiter. Das ist doch dann eigentlich wie sehen, oder? Wenn man so genau weiß, wie die Farben sind. Wenn ich "Rosa" denke, sehe ich auch nicht einen riesigen rosa Flecken vor meinen Augen, sondern höre Schweine grunzen, rieche Zuckerwatte und schmecke Himbeeren. Und das ist so, obwohl ich sehen kann. Das Buch ist übrigens total cool, das müsst Ihr unbedingt auch mal lesen! Aber erst nach Weihnachten, denn bis dahin habe ich das ausgeliehen. :-)))
Frohes Fest und gesegnete Feiertage mit viel Lebkuchenduft, Tannenzweigen (ohne Pieksen) und heißer Schokolade!
Montag, 23. Dezember 2013
Da-ru-ma-san! (Teil 3)
Am Morgen kommen Kinder zum Tempel. Zusammen mit ihren Eltern laufen sie durch den Schnee, bewerfen sich mit weißen Bällen und lachen.
"Da, da schau mal! Yukidaruma! Ein Schneemann!" ruft ein Junge. Er deutet auf die kleine weiße Gestalt und läuft los. Lachend und johlend folgen ihm andere Kinder, werfen ihre Schneebälle nun auf das weiße Schneehäufchen vor ihnen. "Stopp!" Der Junge bleibt stehen und wischt die zerkrümelten Schneeballreste von der kleinen Figur. Er stemmt die Hände in die Hüften, geht einen Schritt rückwärts und blickt die Gestalt fachmännisch an. Dann lacht er auf und malt mit flinken Fingern ein Gesicht auf die obere Halbkugel. Ein griesgrämiges, miesepetriges Gesicht mit halbgeschlossenen Augen.
"Shi, shizuka ni - yukidaruma-san ga shikatteru! Sch, leise - der Schneemann schimpft!" Lachend laufen die Kinder weiter und lassen den derart verzierten Schneemann alleine zurück. Als es ruhiger wird, zwinkert die kleine Schneefigur mit den Augen. Der kleine Mann versucht, die Falten aus den Augenwinkeln herauszudrücken und den Mund zu einem Lachen zu verziehen. Das geht nicht. Die Grimasse ist festgefroren. Brummelnd dreht sich das übellaunige Männchen um und wackelt zu einer Ecke des Hofes. Dort lässt es sich nieder und blickt böse um sich.
Ein kleines Mädchen kommt, mit einem roten Ball unter dem Arm. Neugierig schaut es den unglücklichen weißen Schneehaufen an. Es wischt das Gesicht ab und zeichnet mit dem Finger ein neues auf. Dann legt es den Kopf schief, schaut glücklich auf das Kunstwerk im Schnee und ruft seiner Mutter zu: "Yukidaruma-san ga waratteru! Der Schneemann lacht!" Dann wirft das Kind den Ball durch den Schnee und läuft hinterher, weg vom Schneemann, um den Tempel herum und davon.
Der kleine Mann wischt sich verzweifelt über sein Gesichtchen. Dass ihm aber auch immer die Kinder da herein fassen müssen! Das Lachen will nicht verschwinden, es gluckst und kollert in seinem Bauch, es schüttelt ihn, und schließlich fällt er lachend um und liegt im Schnee. So ein Spaß! Aber dass die Grimassen auf seinem Gesicht auch immer gleich festfrieren müssen! Der Schneemann kugelt vor Lachen auf dem Boden und wischt sich verstohlen einige Tränen aus dem Gesicht. Hohoho, so ein Spaß! So ein Unsinn, ein lachender Schneemann!
Es wird schon fast wieder dunkel an diesem Tag im Winter. Der Schneemann liegt immer noch auf dem Boden und lacht, er kann einfach nicht aufstehen. So komisch ist das alles! So witzig! So weiß rundherum! Hahaha! Es kollert und gluckert und kichert und lacht in der Ecke des Tempelshofs, und das hört die ganze Nacht über nicht mehr auf. Der kleine Schneemann kichert und grinst, schnaubt und kugelt über den Boden. Im Schnee. Immer wieder, hin und her, das Lachen schüttelt ihn durch, er kann sich einfach nicht helfen.
Am Morgen sehen die Menschen die seltsamen Spuren im Schnee. Sie können sich nicht erklären, was da passiert ist. Zu seltsam sieht das aus, und dann kichert da auch noch eine gespenstische Stimme ... Niemand ist zu sehen in diesem Teil des Tempelhofs, und es ist so unheimlich mit dem Lachen, den Spuren im Schnee ...
Sonntag, 22. Dezember 2013
Da-ru-ma-san! (Teil 2)
Patsch!
Patsch!
Patsch!
Das kniehohe Häufchen Schnee ist halbrund festgefroren. In der Nacht schneit es mehr, und jetzt rutscht immer wieder Schnee vom Dach herunter. Auf dem Häufchen bildet sich ein neuer Schneehaufen, wieder halbrund, aber kleiner. Fast wie ein Hocker mit einem weichen weißen Kissen darauf sieht er aus, der Schneehaufen neben dem Tempel.
Patsch!
Noch eine Ladung. Der Schneehaufen wackelt. Er schwingt leicht nach rechts, leicht nach links, und wieder zurück. Hüfthoch liegt der Schnee nun da.
Patsch!
Es knirscht.
"Aua!" Eine kleine runde weiße Gestalt blickt nach oben - und sieht noch eine Ladung Schnee herunterfallen.
Patsch!
"Hee, aufhören!" Ärgerlich wischt sich die kleine Gestalt Schnee aus dem Gesichtchen. Sie schaut nach oben und wackelt einen Schritt zur Seite, als noch mehr Schnee vom Dach fällt.
Patsch!
Das weiße Männchen rappelt sich ungelenk hoch, sieht wieder in den Himmel und schimpft laut: "Wer wirft denn hier mit dem Zeug herum? Das ist gefährlich! Ich könnte verletzt werden! Sofort aufhören!" Es schneit immer noch. Die kleine Gestalt stemmt sich mühsam auf viel zu kurzen Beinchen hoch und wackelt ein Stück vom Tempel weg. Mitten im Hof setzt sie sich in den Schnee. Dort bleibt sie sitzen, mit ärgerlichem Gesicht. Es schneit und schneit und schneit. Fast ist sie nicht zu sehen, die kleine Figur da mitten im Tempelhof, weit entfernt von den Laternen, die die Ränder des Hofs und die Gehwege ausleuchten.
Samstag, 21. Dezember 2013
Da-ru-ma-san! (Teil 1)
Schnee fällt leise auf die Erde. Vor einigen Tagen hat es angefangen zu schneien, mitten in der Nacht. Zuerst nur ein wenig, dann mehr. Das schwarze Dach hat weiße Punkte bekommen, dann weiße Flecken, und schließlich hat eine weiße weiche Decke darauf gelegen. Auf dem hohen roten Torbogen türmt sich der Schnee. Die Bäume im Park erblühen weiß, seitdem sich das gefrorene Wasser auf ihre dunklen und kahlen Äste legt. Kein Gras ist mehr zu sehen in dem weiten Park, und die sauber gerechten Wege sind unter Schnee verschwunden. Kleine und große Fußabdrücke ziehen sich durch die weiße Fläche und zeigen, wo unter dem Schnee die Wege verlaufen. Zu sehen sind die Wege und Blumenbeete und das Gras unter dem Schnee nicht mehr. Und es fällt immer noch mehr Schnee. Viel mehr Schnee.
Die Brücke zwischen Stadt und Garten ist unter einer weißen Schicht verschwunden, das hohe Geländer mit den steinernen Laternen weiß bedeckt. Und die Hochhäuser in der Ferne sind durch das Schneegestöber nicht mehr zu sehen. Wie eine Insel liegt der Park da, die Stadt rundherum ist verschwunden. Die Straßen der Stadt sind unter einer weiß-grauen Decke versteckt. Der ganze Schmutz und Müll, der hier normalerweise herumliegt, ist im Schnee versteckt. Sauber sieht es aus. Und auch die Häuser sind im Schnee versteckt, ihre kleinen Gärten, die steinernen Figuren an den Straßenrändern. Und die Stadt ist leise geworden, denn der Schnee dämpft alle Geräusche. Keine Vögel sind zu hören, außer den immer anwesenden Krähen, die sich im Müll um Essensreste streiten. Eichhörnchen huschen am Rand des Parks entlang, suchen nun auch auch im Schnee nach Futter.
Die Schritte der Besucher knirschen leise, wenn sie über den weiten Hof des Tempels laufen. Der Schnee drückt sich sacht unter ihren Füßen zusammen, die Spuren bleiben noch lange sichtbar, wenn die Menschen schon längst wieder verschwunden sind. Und auch der lange Nachhall der Tempelglocke klingt einsam und verloren. Selten erschallt sie in diesen Tagen, zu kalt ist es den Menschen, um durch den Park zu gehen.
Patsch!
Eine dicke Ladung Schnee rutscht vom geschwungenen Dach herunter, gerade über die glasierten Ziegeln, und fällt vorbei an geschnitzten Dachbalken und kalten Holzpfeilern auf den Hof.
Patsch!
Eine zweite Ladung Schnee rutscht hinterher. Das kleine Häufchen auf dem Hof ist fast kniehoch und halbrund.
Patsch!
Noch ein Arm voll Schnee landet auf dem Boden.
Und dann passiert gar nichts mehr, für den Augenblick. Es wird früh dunkel in dieser großen Stadt, im Winter zünden die Priester bereits nachmittags die zahllosen Laternen um den Tempel herum an. Ein sanftes, gelbes Licht schließt den Tempel ein, dessen dunkles Ziegeldach nun an einigen Stellen durch die Schneedecke scheint. An den verschneiten Wegen entlang zieht sich die Reihe gelb und rot leuchtender Laternen durch den Park. Der Schnee wirft den warmen Schein zurück, und es funkelt und glitzert wie Edelsteine.
Die Geschichte hat Mama für einen von ihren Filzkursen geschrieben. Ich mag die eigentlich ganz gerne, deshalb teile ich die hier mit Euch. Wenn Ihr die Geschichte ganz lesen wollt, müsst Ihr in den nächsten Tagen immer mal wieder hier vorbeischauen. Die ist nämlich lang!
Montag, 16. Dezember 2013
Schnee und Salz
Ich habe Experimentierkarten zu Hause. Und da steht auf einer Karte drauf, dass man mit Salz Kristalle züchten kann. Dazu muss ich in einer kleinen Tasse warmem Wasser so viel Salz auflösen, wie sich da nur eben so auflöst. Dann gieße ich das Zeug in eine flache Schale und leg ein Stück schwarze Pappe rein. Nach ein paar Tagen ist das Wasser verdunstet und auf der Pappe ist eine weiße Schicht Salz. Wenn Mama das mit dem Handy fotografiert und wir uns das Bild vergrößert angucken, sieht das total cool aus. Das ist nämlich gar nicht einfach nur eine weiße Schicht, sondern das sind richtig schöne geometrische Muster. Und die glitzern. Viele von den Salzkristallen sind einfach nur viereckig. Aber manche sehen richtig schön aus: Wie Eisblumen am Fenster. Oder eine Schneeflocke, wenn man ganz genau hinguckt. Ich glaube, dass das Wasser bei Eisblumen und Schneeflocken auch zu Kristallen wird. Aber wenn man Wasser in einer Plastiktüte ins Gefrierfach packt, funktioniert das nicht.
Mama hat mit mir letztes Jahr ein ganz anderes Experiment gemacht. Wir haben mit Wasserfarben Wasser bunt gemacht. das haben wir in einen Eimer gegossen und ein hohes Glas reingestellt, das außen mit ein bisschen Butter eingepinselt war. Da waren Steine drin, so dass das Glas im Wasser im Eimer bis fast auf den Boden untergeht, aber oben musste es ein bisschen rausgucken. Dann haben wir den Eimer ein paar Tage im Winter auf den Balkon gestellt. Das Wasser ist gefroren. Den Eisblock haben wir aus dem Eimer genommen und auf die Bank auf dem Balkon gestellt, mit einer Kerze in dem Loch vom Glas. Und das Kerzenlicht, das durch das bunte Eis geschienen ist, sah auch ein bisschen wie Kristallmuster aus.
Samstag, 14. Dezember 2013
Bestimmt ein Apfelschimmel!
Ich hab noch mal über das Lied Jingle Bells nachgedacht. Und ich glaube, dass ein Apfelschimmel den Schlitten zieht. Das ist mit Sicherheit ein großes Pferd, ein sehr großes, starkes Pferd. Und wenn ich mir so ein Winterbild mit Schnee und Wald denke, mit großem, offenen Holzschlitten und zwei oder drei Kindern, die da in Decken gewickelt drin sitzen, dann gehört da ein Apfelschimmel davor. So einer, der richtig arg getupft ist und nicht nur ein bisschen. Mit schwarzer, langer Mähne und einem schwarzen Schweif. Mit lauter kleinen Glöckchen am bunten Halfter, wie ein Harlekin mit den Glöckchen an der Mütze. Und natürlich gibt es einen warmen Fußsack im Schlitten, mit Schaffell. Die Kinder haben bestimmt keine Handschuhe an, sondern haben einen Muff. Und große Bommelmützen und Schals. Man sieht bestimmt den Atem vom Pferd in der Luft dampfen. Und ich glaube, dass das Lied von abends erzählt, wenn es schon dunkel wird und ein bisschen neblig ist. Wenn überall die Lichter brennen und die Häuser ganz warm aussehen.
Mit einem Braunen oder einem Rappen würde das irgendwie komisch aussehen. Und ein Schimmel passt irgendwie nicht so ganz. Schlittenpferde müssen sich im Winter doch nicht tarnen! Den würde man total schlecht sehen, den Schimmel, wegen dem vielen Schnee rundum. Aber einen Apfelschimmel, den sieht man. So ein bisschen zumindest, denn der ist ja auch weiß. Die Tupfen sieht man, und Mähne und Schweif und Nüstern und Augen. Das wirkt so ein bisschen neblig dann, so wie nur eine Idee von einem Pferd und nicht ein ganzes Pferd, und das passt viel besser in die Winterlandschaft. Denn wenn überall Schnee liegt, dann sieht man da ja auch nicht so richtig, wie die Landschaft aussieht. Nur so ein bisschen. Wie in einem Traum, nicht so ganz wirklich.
Mittwoch, 11. Dezember 2013
Rappe, Schimmel oder Fuchs?
Mama hat heute Mittag wieder am Klavier gesessen. Und ich habe das Lied sofort erkannt: Sie hat Jingle Bells gespielt. Wir haben zusammen etwa zehn Minuten gesungen, das war schön. Was für ein Pferd zieht den Schlitten? Ich meine, "in a one horse open sleigh", das klingt doch ganz spannend - aber was für ein Pferd ist das? Das Lied ist prima, wenn man das singt und hört, dann sieht man viel Schnee vor sich, ein bisschen Nadelwald, und einen riesigen Holzschlitten mit glänzenden Metallkufen. Das Pferd ist bestimmt stark, ein Kaltblut. Aber was für ein Pferd ist das? Ist das ein Rappe? Oder ein Schimmel? Ein Apfelschimmel sähe da bestimmt komisch aus. Aber ein Falber passt auch nicht so richtig. Meine Mama wusste das nicht. Die hat gesagt, das ist halt einfach ein Pferd, mehr steht nicht im Lied. Was für Pferde ziehen denn Schlitten? Ob Haflinger das können? Die sind braun ...
In meinem großen Weihnachtsbuch ist da ein Haflinger abgebildet. Aber der Schlitten ist größer als das Pferd, das ist also eindeutig falsch, das Bild. Ich will auch mal mit einem Pferdeschlitten unterwegs sein. Das macht bestimmt Spaß.
Sonntag, 1. Dezember 2013
Das erste Türchen
Das erste, was ich heute morgen gemacht habe, war, den Adventskalender aufzumachen. Ein Stempel! Groß, aus Holz, mit einem Reh im Wald drauf. Und Mond und Sterne. Das ist schon irgendwie ein bisschen komisch, denn bisher habe ich im Winter keine Rehe gesehen, sondern nur im frühen Herbst. Das hat Punkte auf dem Rücken, ist also bestimmt noch ein Kitz. Im Winter? Ich dachte, die werden im Frühling geboren! Meine Schwester hatte auch einen großen Holzstempel in ihrem Kalender, mit einer Familie Wildschweine drauf. Die kenne ich aus dem Wildtierpark. Aber ich glaube, die Frischlinge haben jetzt auch keine Streifen mehr ...
Wir haben jedenfalls ein ganz großes Stempelbild gemacht. Ich habe viele Stempelkissen in verschiedenen Farben, und meine Schwester und ich haben wenigstens einen halben Tag auf dem Boden gesessen und gestempelt! Dann haben wir noch Glitzerpulver auf das Bild gemacht und mit Glitzerstift dazugemalt. Irgendwie waren am Ende gar keine von den neuen Stempeln zu sehen, sondern nur meine alten Stempelbilder. Hm. Aber das hat alles geglitzert wie Schnee! Hoffentlich schneit es bald.
Papa hat Oma in Japan auf dem Computer angerufen, und wir haben lange geredet und Quatsch gemacht. Videotelefon, Papa nennt das Skype. Die Wohnung sieht aus wie immer, da ist gar kein Weihnachtsschmuck gewesen. Das war schon irgendwie komisch, wo doch bei uns überall Sterne und Engel und so sind. Oma hat auch nichts von Weihnachten und Adventskalender erzählt. Ob die das überhaupt kennt? In Japan gibt es so viele Sachen, die es hier nicht gibt. Vielleicht gibt es hier ja auch Sachen, die es dort nicht gibt? Aber das wäre schon traurig, wenn die Japaner alle kein Weihnachten kennen. Das macht doch Freude, die ganzen Lichter im dunklen Winter und die Kerzen und Sterne und die Geschichten jeden Abend und die Geschenke.
Abends habe ich mit Mamas Handy mit meiner deutschen Oma telefoniert. Die hat meiner Schwester und mir einen Geschichten-Adventskalender mit dem Schlaufuchs geschenkt. Gestern gab es eine Geschichte über den Adventskranz. Ich habe mich bei Oma bedankt, und die hat sich gefreut. Meine deutsche Oma kennt Advent und Weihnachten, das weiß ich ganz sicher. Und bestimmt waren bei ihr auch schon Engel und haben die Wohnung geschmückt und überall Sterne und Kerzen aufgestellt.
Freitag, 29. November 2013
Was passiert da alles?
Als ich heute morgen aufgestanden bin, hat es nicht geschneit. Schon wieder nicht. Aber dafür ist über Nacht etwas anderes passiert: Mein Adventskalender ist da! Das ist sehr, sehr komisch. Den Adventskalender bringen die Engel. Zu jedem Kind. Naja, zu fast jedem Kind - bei manchen Kindern helfen die Eltern und kaufen einfach einen Adventskalender. Aber meine Mama macht das nicht, denn die sagt, dass die Engel viel bessere Ideen haben, was da drin sein soll. Ich habe mir dieses Jahr einen Adventskalender mit Büchern gewünscht. Oder mit Spielen. Oder mit beidem. Aber eigentlich fand ich auch Schokolade nicht so schlecht. Jetzt habe ich einen, wo alles mögliche drin ist. Denn die Engel haben den so schlappschludrig gepackt, dass die Hälfte der Geschenke oben rausguckt. Jetzt ist die Überraschung schon kaputt. Und bei meiner Schwester sieht das genauso aus - wir bekommen fast die gleichen Sachen. Ich glaube, die waren in Eile, sonst hätten die das besser hingekriegt. Wie soll ich denn jetzt Hausaufgaben machen, wenn neben dem Schreibtisch der Kalender hängt und ich die ganze Zeit da hin gucken muss?
Noch etwas ist komisch. In den letzten Jahren waren die Weihnachtsengel immer tagsüber da, wenn ich in der Schule oder im Kindergarten war, Papa an der Arbeit und Mama in der Stadt unterwegs war. Dieses Jahr nicht. Die sind wohl mitten in der Nacht gekommen, denn gestern Abend sah es hier noch ganz normal aus. Als ich heute morgen dann wach geworden bin, konnte ich gar nicht über den Schreibtisch vom Hochbett klettern, denn da hing der Adventskalender. Der von meiner Schwester ist im Flur an der Wand, und im Wohnzimmer und an den Türen und Fenstern hängen überall Sterne und Engel rum. Ein Adventsgesteck liegt auf dem Wohnzimmertisch, und auf Papas Schreibtisch ist auch eine Weihnachtstüte mit Sternen drauf. Ob der auch einen Adventskalender bekommen hat? In Mamas Arbeitszimmer war alles beim Alten. Und die Vögel haben auf dem Balkon das Futterhäuschen aufgefüllt bekommen. Da sind jetzt Haferflocken und Nüsse drin, nicht mehr nur Sonnenblumenkerne.
Ach ja, und dann bin ich auch noch zu spät zur Schule gekommen. Denn ich musste doch mit meiner Schwester alles angucken, was da über Nacht passiert ist in unserer Wohnung. Meine Lehrerin hat nicht geschimpft. Aber bei der Adventsfeier heute Nachmittag hat sie Mama gefragt, warum ich zu spät war. Mama hat das erklärt, mit den Engeln und so. Und das nächste Mal soll sie das auf einen Entschuldigungszettel schreiben, sagt meine Lehrerin. Ob die Engel dann so einen Zettel da lassen, wo draufsteht, dass sie da waren und ich deshalb zu spät bin? Beim Arzt krieg ich so ein Papier ja auch immer ...
Donnerstag, 21. November 2013
Winter???
Es ist jeden Morgen unglaublich kalt. Papa musste schon ein paarmal das Auto frei kratzen. Und die Sonne scheint nicht. Es regnet aber auch nicht. Warum schneit es nicht endlich? Es ist doch Winter! Wo bleibt der ganze Schnee, den man für einen Schneemann braucht? Ist es so kalt, dass der am Himmel festhängt?
Papa sagt auch, dass es furchtbar kalt ist. Mama sagt, dass es für Schnee noch nicht kalt genug ist. Ich will Schnee!
Ob es in Japan schneit? Hm ...
Schnee heißt auf Japanisch Yuki, und der Schneemann heißt Yuki-Daruma. Am Montag habe ich den Yuki-Daruma, den wir in der japanischen Schule letzten Winter gebastelt haben, im Fenster aufgehängt. Und Mama hat schon Meisenknödel und ein Futterhäuschen auf den Balkon gehängt. Und gestern hat sie einen ganz großen Stern aus Origami-Papier gebastelt. Sie sagt, der heißt Bascetta-Stern. Dreißig Blätter hat sie dafür gebraucht, und wenigstens zwei Stunden. Oder so. Einen Santa aus Origami hat sie auch schon gemacht, am Wochenende. Aber dafür hat sie nur ein Blatt Papier gebraucht.
Einen langen bilingualen Artikel über die aktuelle Wetterlage in Japan, Schneemänner und buddhistische Asketen gibt es im Schwesterblog Japanisch lernen mit Shizuka.
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