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Montag, 3. Dezember 2018

Weihnachtswunderland im Herzen Deutschlands

Seit einigen Wochen zurück in Deutschland, haben sich Shizuka und die kleine Schwester erstaunlich schnell und vor allem erstaunlich gut eingefunden. Die Mädchen genießen den Alltag, sind aktiv und freuen sich jeden Tag auf neue Abenteuer. Ein ganz großes Abenteuer, das den beiden tagtäglich funkelnde Sterne in die großen, leuchtenden Kinderaugen zaubert, ist die Weihnachtszeit. Und die hat bei uns mit einem eindrucksvollen Auftakt sofort alle umgehauen. Nachdem letzte Woche himmlischer Besuch in unserer Abwesenheit für Sterne in den Fenstern, einen Adventskranz sowie Adventskalender für die Kinder (und ausnahmsweise auch mal die Mama) gesorgt hatte, stand uns ein aufregendes Wochenende bevor.

Samstag: Adventskonzert mit Klavier, Gitarren, Blockflöten und Gesang. Die beiden kleinen Damen traten mit jeweils zwei Liedern am Steinway-Flügel für ihre Klavierlehrerin und entlockten dem Instrument Töne, die man ihnen gar nicht zugetraut hätte. Neue Klavierlehrerin, und das merkt man. Der Stil der Mädchen ist weicher geworden, sie kleben weniger an den Notenvorgaben, spielen freier und stimmungsvoller. Genau richtig in der Vorweihnachtszeit, und das Konzert hat uns sofort in die richtige Stimmung versetzt. Auch bemerkenswert: Mama durfte sowohl die spröde Shizuka ("Ich trag nur Jeans und ich trag nur Schwarz!") in ein blaues Spitzenkleid stecken (im Geschäft war das Liebe auf den ersten Blick) und die kleine Schwester ("Rosa ist nur was für Prinzessinnen und Glitzer ist voll uncool!") in ein altrosa Kleid mit Trompetenärmeln und leichtem Glitzerbesatz. Erstaunlich.

Nach dem Konzert ging es mit dem begleitenden Opa zum Mittagessen und danach verbrachten wir den gesamten Resttag auf dem Weihnachtsmarkt. Lichterzauber in allen Straßen der Innenstadt, überall Adventskränze und Tannenbäume und beleuchtete Fenster. Dazwischen in der Fußgängerzone mit Holzschredder und Mulch ausgestreute Plätze, Budenzauber und Lebkuchenduft, Zuckerwatte, regionales Kunsthandwerk und ein kleiner Mittelaltermarkt mit dem frechsten Papierkünstler im Rentenalter, den wir je erlebt haben. Abends zu Hause dann endlich die Adventskalender öffnen (Schokolade und ein einfaches Physikexperiment), dann früh ins Bett. Aber erst, nachdem die kleine Schwester die Tasten des E-Pianos noch einmal durch "Alle Jahre wieder" gestreichelt hatte ...

Sonntag: Gottesdienst mit Segnung des Adventskranzes, Kirchenchor und vielen weihnachtlichen Liedern. Shizuka ist Ministrantin, es war ihr Debüt. Danach Mittagessen zu Hause, Plätzchenbacken, Sterne basteln und wieder Kinder am E-Piano. Nachmittags hatte eine Klassenkameradin der kleinen Schwester zum Konzert eingeladen: Chor und Adventssingen in der Stadtpfarrkirche. Der Kinderchor wurde von einem Erwachsenenchor, einem Streichorchester, zwei Dirigenten, einem Klavier und der historischen Orgel unterstützt. Wir haben unglaubliche zwei Stunden gemeinsam musiziert, während vom Weihnachtsmarkt her immer mehr Leute in die Kirche kamen, der Duft von Holzfeuer, Glühwein, heißer Schokolade und Gewürztee die Kirche durchwehte und alles live im Internetkanal der Gemeinde übertragen wurde. Shizuka war selten so entspannt wie nach diesen zwei Stunden. Sie lächelte, summte und hatte diesen verträumten Ausdruck im Gesicht, den sie sonst nur beim Reiten und beim Schmusen mit dem Hund hat. Auf dem Heimweg wieder Weihnachtsmarkt, diesmal nur im Vorbeigehen. Und zu Hause noch mehr Plätzchenduft, noch mehr Gesang und E-Piano. Es ist unglaublich, wie sehr die Kinder das genießen.

Montags ging es dann mit Spannung im Adventskalender weiter: Es sollten Artemia Salina, Urzeitkrebse, gezüchtet werden. Nach etwas Hin und Her beschlossen Mama und Shizuka, dass am nächsten Tag erst einmal die nicht im Adventskalender vorhandene Nahrung, destilliertes Wasser und eine passende Schale in der Zoohandlung erworben werden mussten. Großes Geschrei von der kleinen Schwester: Die neuen Haustiere sollten doch bitte sofort zum Schlüpfen gebracht werden. Shizuka konnte das kleine Gewitter dann aber doch noch besänftigen, denn dass die Tierchen im eigenen Milchbecher wohnen sollten, wollte die kleine Schwester dann doch nicht.

Nach dem eindrucksvollen Auftakt muss die Weihnachtszeit dieses Jahr einfach schön werden, nicht?

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Rappe, Schimmel oder Fuchs?

Mama hat heute Mittag wieder am Klavier gesessen. Und ich habe das Lied sofort erkannt: Sie hat Jingle Bells gespielt. Wir haben zusammen etwa zehn Minuten gesungen, das war schön. Was für ein Pferd zieht den Schlitten? Ich meine, "in a one horse open sleigh", das klingt doch ganz spannend - aber was für ein Pferd ist das? Das Lied ist prima, wenn man das singt und hört, dann sieht man viel Schnee vor sich, ein bisschen Nadelwald, und einen riesigen Holzschlitten mit glänzenden Metallkufen. Das Pferd ist bestimmt stark, ein Kaltblut. Aber was für ein Pferd ist das? Ist das ein Rappe? Oder ein Schimmel? Ein Apfelschimmel sähe da bestimmt komisch aus. Aber ein Falber passt auch nicht so richtig. Meine Mama wusste das nicht. Die hat gesagt, das ist halt einfach ein Pferd, mehr steht nicht im Lied. Was für Pferde ziehen denn Schlitten? Ob Haflinger das können? Die sind braun ...

In meinem großen Weihnachtsbuch ist da ein Haflinger abgebildet. Aber der Schlitten ist größer als das Pferd, das ist also eindeutig falsch, das Bild. Ich will auch mal mit einem Pferdeschlitten unterwegs sein. Das macht bestimmt Spaß.

Sonntag, 8. Dezember 2013

Die zweite Kerze brennt

Mama hat mir Klaviernoten für Weihnachtslieder gekauft. Die sind ganz einfach, ich habe schon mit ihr zusammen "Morgen kommt der Weihnachtsmann" geübt. Ich habe ja keinen Unterricht mehr, weil meine Lehrerin weggezogen ist - Mama will mit mir alleine Klavier üben. Ich finde das gut, denn ich spiel eigentlich gerne. Und die Weihnachtslieder sind so toll! Wenn ich tüchtig übe, kann ich Weihnachten bestimmt zwei oder drei Lieder spielen. Vielleicht sogar mit Mama zusammen.

Aber jetzt ist schon der Zweite Advent, und ich habe erst einmal Zeit zum Üben gehabt. Ob ich das noch schaffe bis Weihnachten? Meine Tante in Japan spielt auch Klavier. Ai-chan sagen wir immer, weil sie so süß ist. Aber ich habe sie noch nicht Weihnachtslieder spielen gehört. Mama sagt, so richtig wie hier gibt es da kein Weihnachten. Mit Christmette und Baum und Lieder singen und Geschenke und Kerzen und so. Das ist bestimmt ganz traurig für die Kinder, denke ich. Oder vielleicht auch nicht. Denn wenn die das gar nicht kennen, dann wissen sie nicht, wie Weihnachten sich anfühlt. Es ist also für uns traurig, wenn wir daran denken, dass die japanischen Kinder kein Weihnachten haben, weil wir das kennen und wissen, wie schön das ist. Ganz schön schwierig, darüber nachzudenken ...