Die rechtliche Seite

Die Mitteilung von Google, dem Betreiber dieses Dienstes, bezüglich der gesammelten Daten ist für alle einsehbar und lesbar. Die Autoren und Autorinnen dieses Blogs gehen davon aus, dass jeder Besucher und jede Besucherin diese Mitteilung liest und versteht. Und für verlinkte Seiten und Inhalte sowie die Privatphäre betreffendes Verhalten dieser Seiten übernehmen die Autoren und Autorinnen des Blogs keine Verantwortung. Die Links sind aus rein nicht-kommerziellen Gründen gesetzt und dürfen nur nach sorgfältiger Prüfung der eigenen Interessen von Lesern und Leserinnen dieses Blogs aktiviert werden. Handelt bitte verantwortungsvoll und in Eurem eigenen Interesse. Danke.

Die Betreiber und Betreiberinnen dieses Blogs erhalten ausdrücklich keine Vergütung irgendeiner Art für die Verlinkung von Artikeln, Videobeiträgen, Webseiten und anderem. Dies ist ein privates Weblog. Trotzdem müssen wir aus rechtlichen Gründen darauf hinweisen, dass die Erwähnung von Gegenständen, Büchern, öffentlichen Einrichtungen, Lernmitteln, Marken etc. als Werbung verstanden werden könnte.
Posts mit dem Label Sport werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sport werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 2. September 2017

Souveränität gewonnen

Die Sommerferien sind nun schon seit einigen Tagen vorbei, und sowohl die kleine Schwester als auch Shizuka sind wieder im Alltag angekommen. Die letzten beiden Wochen der Ferien haben die beiden übrigens in der Schule verbracht, es gab zum ersten Mal "Sommerschule" für sie. Zwei Wochen lang täglich von morgens bis in den Nachmittag hinein spielen, toben, Quatsch machen, basteln und mit anderen Kindern die Schule auf den Kopf stellen. Für viele Eltern ist das Sommerferienprogramm eine Möglichkeit, ihre Berufstätigkeit irgendwie mit dem Stundenplan der Kinder in Einklang zu bringen. Für die Lehrkräfte ist es eine Möglichkeit, Schule mal von der weniger ernsten Seite zu betrachten und mehr oder weniger fließend (okay, mit viel Organisationsaufwand und Nervenkitzel) aus den langen Sommerferien zurückzukommen. Und die Kinder? Die lernen Schule als Abenteuerspielplatz kennen. Wenn nämlich der Schulhof und der Spielplatz für Parcours genutzt werden, neben der Miniatur-Boulderwand plötzlich auch noch Slackline, Balanceboards, Wannen voller Wasserbomben und Bälle zum Balancieren stehen. Wenn im Mathe-Kursraum mit Holz, Leim und Farbe gewerkelt wird. Und im Klassenzimmer der 7b Nähmaschinen stehen, mit denen man kurze Hosen im Hawaiihemden-Look produziert. Auf den Fluren fanden Drehstuhl- Wettrennen statt. Die Schwimmhalle der Schule wurde zum Spaßbad. Und im Computerraum saß das Sommerschule-Blogger-Team und hat alles in vielen Bildern und wenigen Worten für die Eltern dokumentiert. In der Mittagspause durften Große und Kleine zusammen in der Mensa essen (Lecker!), und zum Abschluss gab es am letzten Nachmittag draußen eine große Party mit Wasserbombenschlacht. 

Was haben die Kinder mitgenommen?
Die kleine Schwester ist sehr souverän geworden. Sie durfte, da sie im letzten Kindergartenjahr war, an den Aktivitäten für Erstklässler teilnehmen und hat sich täglich einen Block im Spaßbad und einen Block Basteln und Werken.
Die große Schwester wollte an ihren motorischen Fähigkeiten arbeiten und hat den Nähkurs wahrgenommen und im zweiten Block mit Mama allerhand Mädchenkram gefilzt. 
Den dritten Block haben die Mädchen ohne Kurs im Freizeitraum verbracht, haben LTB gelesen, Tischkicker gespielt, sich bei Uno Extreme gegenseitig angeschrien und anschließend noch aufräumen geholfen.

Für die kleine Schwester war die Situation etwas schwierig, da sie kaum Kinder an der Schule kannte, in ihren Kursen erstmal unter Fremden war und dazu auch noch körperlich die Kleinste. Zwei Tage Katzenjammer, vor allem in der Mittagspause (sie musste alleine am Tisch essen, niemand wollte sich zu ihr setzen), danach war die Welt in Ordnung. Statt der großen Schwester hat sich die kleine Schwester einfach an eine der vielen neuen Freundinnen gehängt. Da sie mit ihrer zierlichen Statur auch bei Erst- und Zweitklässlern schon Beschützerinstinkte weckt, war sie gut versorgt und glücklich. Nach den zwei Wochen Sommerschule hat sie unglaublich viel Souveränität gewonnen. Sie bewegt sich frei in der Schule, kann auch an fremden Orten neuerdings alleine die Toilette aufsuchen und bestellt ihr Essen im Restaurant selbst. Enorm, was zwei Wochen Spiel und Spaß mit einer Fünfjährigen anstellen! Der Entwicklungssprung war einfach gigantisch.

Shizuka fand es einfach gechillt. Sie hat Schule nochmal entspannter als sonst erlebt, hat ihre Vorliebe für Comics entdeckt (Aber nur LTB!) und mit der Feinmotorik Frieden geschlossen. Außerdem findet sie Edgar Degas inzwischen recht abgefahren und steht (bedingt) auf Ballerinabilder. Ihre kurze Hose mit den riesigen Hibiskusblüten drauf wird allerdings vermutlich im Schrank verstauben. 
:-D 
Also auch hier ein Entwicklungssprung, aus der spröden Pipi Langstrumpf wird langsam eine auf ihre eigene Art feminine Ronja Räubertochter.

Mittwoch, 28. Juni 2017

Wichtige Fragen geklärt – andere noch ungelöst

Die Ferien beginnen in zwei Tagen, und die ganze Familie ist entsprechend aufgeregt. Zeugnisse, letzter Tag im Kindergarten vor der zweimonatigen Pause (die Freunde der kleinen Schwester gehen noch zwei Wochen länger in den Kindergarten), Abschied von Freunden und Lehrkräften, Jahresabschlussfeier der Schule mit Ehrung der besten Schüler und Schülerinnen – es liegt einfach ganz viel an. Und dann müssen alle auch noch packen, denn der Flieger geht am ersten Ferientag, am Samstag schon. Die Kinder sind wirklich wuselig.

Was sie nicht wissen: Nicht nur der Patenonkel wird am Flughafen auf uns warten, sondern auch Oma, Opa und der Cousin. Bei der Oma am Urlaubsort werden außerdem einige Überraschungen auf sie warten. Die Kinder wachsen. Dementsprechend sind neue Reithelme und -stiefel nötig, wir brauchen Lernmaterialien für die Schule, Schulbücher und einen neuen Schulrucksack. Shizuka ist jetzt nach sechs Schuljahren aus dem alten Scout-Ranzen wirklich herausgewachsen und besteht auf einer etwas altersgemäßeren Verpackung für Bücher und Hefte. Außerdem ist Ferienliteratur nötig: Der Kindle ist zwar schon geladen, aber vor allem die kleine Schwester liest eben doch noch lieber auf richtigem Papier. Die erste Überraschung gab es schon zu Hause in Japan: Shizuka hatte für eine Übernachtung in der Schule einen neuen Schlafsack bekommen, weil der alte in Deutschland geblieben ist. Der Neue wird selbstverständlich mitgenommen und muss in den Koffer. Für die Reiterferien.* Neue Kletterschuhe für Shizuka sind aus Gründen des schnellen Wachstums ebenso nötig wie für die kleine Schwester und die Mama**.

Wer bei den Reiterferien übernachtet und wer nicht, wissen wir indes immer noch nicht. Es stehen auch noch einige Verabredungen aus: Freunde, die uns treffen wollen, Städte, die wir sehen wollen. Alles noch nicht organisiert. Was dagegen durchaus schon organisiert ist: Die Kinder wollen ganz oft schwimmen gehen und das jeweils nächste Schwimmabzeichen erwerben. Für Shizuka wäre das das goldene Jugendschwimmabzeichen, für die kleine Schwester das Seepferdchen. Mama muss auch ran: Wenn die Mädchen wirklich ausreichend üben, um die Prüfung abzulegen, muss Mama ein Schwimmabzeichen für Erwachsene machen. Der neue Badeanzug dafür ist schon gekauft***. Das allein war schon schwierig genug, denn die deutsche Mama hat nicht die richtigen Abmessungen, um in einen "richtigen" Schwimmanzug im japanischen Sportgeschäft zu passen. Und die seltsamen Bademoden, die die japanischen Plansche-Mamas tragen, sind zum sportlichen Schwimmen nicht wirklich geeignet.

Die Betreuung für Haus und Garten ist derweil auch schon organisiert: Shizukas Gurkenpflanzen und den Kartoffeln der kleinen Schwester wird es an nichts mangeln. Während eine Freundin der Familie eineinhalb Wochen lang die Pflege übernimmt, werden anschließend die japanischen Großeltern für die übrigen eineinhalb Wochen unser Zuhause als Ferienhaus nutzen und selbstverständlich die ersten Früchte im Garten ernten. 

Es warten auf jeden Fall spannende Ferien mit vielen Überraschungen und Herausforderungen auf uns.


* Und für eine Übernachtung im Zelt mit einer sehr, sehr guten Freundin, die Japan vor einem Jahr verlassen hat und die uns ein Wochenende lang in Deutschland besuchen wird. Oma hat ein Zelt besorgt, dass dann im Garten stehen wird, wir wollen gemeinsam in die Boulderhalle gehen und ins Freibad. Alles schon geplant, die beteiligten Kinder werden das allerdings mehr oder weniger als Überraschung erleben. 

** Die Mama ist natürlich nicht rausgewachsen, sondern hat ihre Schuhe in den letzten vier Jahren so intensiv genutzt, so dass die Sohlen sehr, sehr rund geworden sind. Der Mythos von La Sportiva ist immer noch ein Traumschuh, aber eben nicht in rund. Daher muss jetzt langsam etwas Kantigeres her, das hoffentlich wieder so lange hält. Oder länger. Denn die alten Finken werden selbstverständlich nicht entsorgt, sondern stehen als bequeme Treter weiterhin zur Verfügung. Falls die neuen mal drücken. Soll bei Kletterschuhen ja vorkommen. Abenteuer übrigens: Denn zum ersten Mal überhaupt haben wir Schuhe im Internet bestellt. Da wir Mädchen der Familie sehr pienzig sind, was die Passform angeht, ist die Frage natürlich: Sind die neuen Schuhe wirklich passend für den Fuß? große Spannung!

*** Nicht aus modischen Gründen, sondern weil der alte Anzug nach nunmehr sechs Jahren und wöchentlichen Schwimmbadbesuchen plus Gelegenheitsbaden im Meer auseinanderfällt. Taugt alles nichts mehr, das neumodische Zeugs ...

Freitag, 5. August 2016

Drei Wochen Deutschland – die Zusammenfassung

So ein Heimataufenthalt ist nett. Oma verwöhnt mit selbstgekochtem Essen, der Hund kriegt sich vor lauter Wiedersehensfreude gar nicht mehr ein, die Pferde am Reiterhof reagieren genauso verrückt, und es gibt einfach jeden Tag hunderttausend Abenteuer zu erleben. So müssen Sommerferien sein, nicht? Bei uns waren sie so, zumindest drei Wochen lang. Und weil ich selbst die Zeit in Deutschland auch genossen habe, meistens offline war und ganz viel mit den Mädels und der Familie unternommen habe, gibt es hier nur eine kurze Zusammenfassung. Also: Zur Nachahmung empfohlen, die besten Sommerferien überhaupt!


  • Mit Opa eine Cajon gebaut und spielen gelernt. Dauer: 2 Wochen. Kosten: ca. 40 Euro. Maßgeschneiderter Spezialrucksack aus einem alten Samtvorhang von Mama spendiert, das Ding kam mit nach Japan und steht jetzt im Wohnzimmer. Zur Freude der Nachbarn. Und wir wissen jetzt, was ein Snare-Teppich ist.
  • Fünfmal im Freibad gewesen und dreimal im Hallenbad. Dauer: Insgesamt sieben ganze Tage. Kosten: ca. 30 Euro Eintritt. Die kleine Schwester kann jetzt schwimmen und tauchen, und Shizuka hat Schwimmhäute zwischen den Zehen.
  • Drei Tage auf dem Reiterhof verbracht: Ausritte, voltigieren, Mähne einflechten, Pferde striegeln, Hund verwöhnen, Ziegen streicheln, Äpfel verfüttern. Kosten: hoch. Dauer: jeweils mehrere Stunden. Nutzen: Unbezahlbar.
  • Oma das tolle Keksrezept mit Karamell verraten und nachbacken lassen. Kosten: ca. 10 Euro für Backwaren. Dauer: eine Stunde Küche verwüsten, zwei Stunden Küche aufräumen, zwei Wochen Kekse mampfen. Eine Dose ging an den Onkel zum Namenstag. Wohl bekomm's!
  • Mamas altes Skateboard aus dem Keller geholt, saubergemacht und springen geübt. Kosten: Großpackung Heftpflaster. Dauer: zwei Wochen, die restliche Zeit hat es geregnet. Resultat: Staunende Nachbarn, pikierter Papa, zwei kaputte Jeans, offene Knie und die geilsten Fotos überhaupt.
  • Shizukas altes Fahrrad aus dem Geräteschuppen geholt und geputzt für die kleine Schwester. Kosten: ein Eimer Wasser und ein Schwamm. Dauer: zwei Wochen, dank Regen nicht mehr. Resultat: Die Kleine kann radfahren. Und Oma hat Angst.
  • Dreimal im nahen Indoor-Spielplatz gewesen, zweimal davon mit Minigolf, bester Freundin und Cousin. Kosten: akzeptabel. Dauer: jeweils tagesfüllend. Ergebnis: müde Kinder und Mama.
  • Die ersten drei DVDs "Die wilden Kerle" gekauft und mit dem Cousin geguckt. Kosten: 10 Euro (gebraucht). Dauer: drei verregnete Abende. Resultat: Shizuka hat mit dem Cousin im Garten Fußball spielen gelernt.
  • Mit Opa das große Trampolin im Garten aufgebaut und täglich gespielt. Kosten: Opa fragen. Dauer: Aufbau 2 Stunden, Spaß unendlich. Resultat: wackelige Knie und müde Kinder.
  • Mit Oma und Opa die Beerensträucher im Garten geräubert. Kosten: Sonne und Regen. Dauer: täglich unzählige Male. Resultat: satte Kinder mit bunter Beerensoße im Gesicht.
  • Mit Opa zur Ulsterquelle gelaufen. Dauer: 3 Stunden. Kosten: null. Resultat: viele viele seltene Pflanzen (zum Beispiel die hier)gesehen, Vögel beobachtet, Opa glücklich gemacht.
  • Mit Opa und Oma zur Großen Nalle gelaufen. Basaltsteinbruch bestaunt, Basaltsäulen gesehen, die Hände in wildem Thymian gerieben, Hummeln aus nächster Nähe beobachtet und von einem Gewitter überrascht worden. Kosten: eine kurze Autofahrt. Dauer: ein Nachmittag. Resultat: nasse Klamotten, Vulkanismus-begeisterte Kinder und duftende Hände.
  • Mit der besten Freundin und deren Familie die Rhön-Arche besucht. Kosten: nicht der Rede wert. Dauer: ein Tag. Resultat: müde Kinder, neue Erkenntnisse über Fledermäuse, Libellen und Schmetterlinge beobachtet, Frösche mit der Hand gefangen, Eidechsen entdeckt, Hummeln beim Pollensammeln zugeschaut, Bäume gestreichelt (und die Unterschiede in der Rinde entdeckt).
  • Beim DAV Fulda einen Trainer für einen Boulderkurs gebucht. Kosten: 50 Euro. Dauer: drei Stunden. Resultat: Wir wissen jetzt, was Tischbouldern ist und brauchen unbedingt einen Bouldertisch! Außerdem Muskelkater, Schwielen auf den Schwielen an den Händen und noch mehr Muskelkater. Sehne am Ellenbogen verletzt – für die nächsten Wochen getapt.

Freitag, 8. Juli 2016

Es sickert langsam durch

Die Sommerferien kommen langsam so richtig in Gang, und Shizuka beginnt zu realisieren, dass danach in der Schule einiges anders laufen wird. Das traditionelle Montagslettern findet auch während der Ferien statt, und nun ist in drei Tagen das erste Treffen "in neuer Besetzung" dran. Heißt konkret, die beiden besten Freundinnen und ihre Familien fehlen. Wir haben lange miteinander gesprochen. Sollen wir wirklich gehen? Oder ist das zu traurig? Gerade jetzt sitzen die Familien im Flieger nach Deutschland ...*

Wir haben uns entschlossen, mit Freundin Nr. 3 und ihrer Familie zusammen zu gehen und das bis auf weiteres so zu belassen. Es wird traurig, ja. Und wir vermissen unsere Freunde. Auch die Erwachsenen sind traurig. Aber es geht trotzdem weiter, und vielleicht ergibt sich ja nach den Sommerferien eine neue Zusammensetzung der Gruppe, so dass aus den momentan zwei Familien wieder drei, vier oder fünf werden.


* Wir denken an Euch und wünschen Euch eine gute Reise, offene Arme bei Eurer Ankunft und viel Seelenruhe in den nächsten Tagen, um mit den Herausforderungen des Umzugs fertig zu werden!

Montag, 4. Juli 2016

Sommerferien, Nr. 2

Der erste Ferientag, der erste Schultag für Shizuka. Schön war es, erzählte heute Mittag eine fröhlich lachende und auf dem Heimweg permanent hüpfende kleine Dame. Reiseintopf zum Mittagessen, gemeinsames Klassenzimmerputzen und der Lernstoff von vor zwei Jahren, das muss in der Mischung recht cool gekommen sein. Außerdem mag sie scheinbar die Kollegen und Kolleginnen in der Schule, die nach eigenen Angaben so völlig anders sind als deutsche Schulkinder, aber doch irgendwie okay. Und was sie besonders witzig fand: Alles wurde mit すごい、かわいい、すてき kommentiert. Die popolangen Haare, die Turnschnäppchen (statt 部屋ばき), der deutsche Scout-Schulranzen, das dazu passende Mäppchen, die Erzählungen von der Deutschen Schule und die Tatsache, dass die kleine Dame ihre Kanji zwar nicht im Griff hat, aber rechnet wie ein Weltmeister und eigentlich nie die Klappe hält. Der Nachmittag auf dem Spielplatz fiel dementsprechend entspannt aus, tobende Kinder, die bei den extrem feucht-schwülen 34° C und strahlendem Sonnenschein eigentlich einen Hitzschlag hätten kriegen müssen.

Später dann das übliche Montagsklettern mit den Klassenkameradinnen aus der Deutschen Schule. Es war das letzte, vorerst, denn von den anwesenden drei Familien (ja, diesmal waren auch Eltern und jüngere Geschwister dabei, insgesamt haben wir die Boulderwand mit 12 Leuten überlastet) gehen zwei diese Woche zurück nach Deutschland. Das Treffen fiel entsprechend laut aus, aber nach kurzer Erklärung hatte das Personal sehr viel Verständnis und tolerierte auch die anschließende Studentenfutter-und-Sportgetränk Party in der Kinderecke. Tränen flossen, nicht nur bei den Kindern, und unter Umarmungen und Küsschen rechts und links versprach man sich, elektronisch in Kontakt zu bleiben. Wir sind gespannt ...


Abends dann zu Hause wurde die Anspannung bemerkbar: Shizuka kollabierte auf dem Sofa und war erst wieder nach 1 1/2 Stunden "Asterix in Amerika", einem tüchtigen Abendessen und ausgiebigen Streicheleinheiten ansprechbar. Zum Glück sind die nächsten Tage ausgebucht und voll spannender Abenteuer, sonst würde sie vermutlich in ein depressives Loch fallen. Die zwei besten Freundinnen sind weg. Das ist sehr, sehr schlimm, glaube ich. Und ich habe wirklich Respekt, dass sie das bisher so cool nimmt.

Sonntag, 12. Juni 2016

Es wird geforscht

Shizuka ist etwas anders drauf als die meisten Kinder ihres Alters. Es ist vielleicht schon aufgefallen, dass sie eine höhere Klasse besucht, als das ihrem Alter entspricht, dass sie nicht ganz alltägliche Hobbys hat,  in ihren Interessen und ihrem Benehmen etwas abseits der Masse steht und einfach immer wieder auffällt. Und das nicht immer positiv. 

Nach gut eineinhalb Jahren an der (nun nicht mehr ganz so) neuen Schule, in einem ihr vorher eher fremden Land, will ich noch einmal Bilanz ziehen.

Die Schule scheint, trotz aller Baustellen, offenen Probleme und Dinge, die verbessert werden sollten (besser geht immer, ganz ehrlich), gut. Shizuka sagt selbst, dass sie auf keinen Fall in einer anderen Klasse als der ihren sein wollte, dass sie zum ersten Mal jetzt das Gefühl hat, wirklich da zu sein, wo sie hingehört. Und das, was in der Schule geschieht, nähert sich auch langsam dem, was man für eine fünfte Klasse so allgemein erwartet. Wir scheinen also etwas richtig gemacht zu haben, auf diesem Gebiet. Bei den Hobbys sieht es ähnlich aus. Die kleine Dame vermisst zwar bitterlich ihr wöchentliches Wing Tsun Training, aber mit Aikido haben wir da wohl eine ganz gute Alternative gefunden. Sollten wir dieses Umfeld hier jemals wieder verlassen (Shizukas Worte), dann ist die parallele Ausübung beider Sportarten nicht ausgeschlossen. Klavierunterricht, ein- bis zweimal wöchentlich bouldern und hin und wieder ins Schwimmbad gehen gehören ebenfalls dazu und werden in der Regel begrüßt. Das Jammern von wegen "heute kein Bock auf dies und jenes" ist passé. 

Es bleibt das aggressive Verhalten nach Schulschluss jeden Tag, das sich innerfamiliär sehr negativ auswirkt. Allerdings fliegen schon längst keine Möbelstücke mehr um, Shizuka hat ihr selbstverletzendes Verhalten abgelegt, und lautes Geschrei ist auch nicht mehr alltäglich. Alltäglich sind Unlust, wenig Motivation, aggressiver Umgangston und das Gefühl, einfach erstmal runterkommen zu müssen. Aus Erfahrung weiß ich, dass manche Menschen eben einfach so drauf sind, dass sie nach Schule, Uni oder Arbeitstag einfach erstmal "ausdampfen" müssen. Das ist nicht angenehm für diejenigen im unmittelbaren Umfeld, und vor allem Shizukas kleine Schwester kriegt immer die volle Breitseite. Trotzdem scheint sich die Forschung inzwischen doch etwas mit diesen offenbar von einem ganz normalen Tag völlig aus der Bahn geworfenen Menschen zu befassen. Verlinkt an dieser Stelle ein aktueller Artikel aus Spektrum online.

Im Großen und Ganzen deckt sich der Text mit dem, was sowohl von Seiten der Begabtenforschung als auch in der Neurolinguistik und Neuropsychologie bekannt ist. Erfahrungswerte und aktuelle Praxis zeigen viel, was die Forschung selbst so noch nicht richtig aufarbeiten konnte. Es ist Not am Mann (und an der Frau), weil einfach vieles aus Beobachtungen bekannt ist, was bislang nicht mit wissenschaftlichen Methoden be- oder widerlegt werden konnte. Interessant ist dabei die Tendenz, auch in der Psychologie ein wenig weg vom Verhalten und hin zu neurobiologischen Implikationen zu gehen. Zusammenhänge zwischen dem tatsächlichen, subjektiven Empfinden (das Verhalten generiert) und der über fMRT messbaren Nervenaktivitäten werden hergestellt. Für die Sprachforschung, vor allem in Hinsicht auf Mehrsprachigkeit, waren und sind die Ergebnisse solcher interdisziplinärer Ansätze durchaus erhellend. Insofern denke ich, dass der Weg weiter verfolgt werden sollte. Denn am Anfang einer möglichen Intervention jedwelcher Art (Aggressionen gezielt abbauen ist etwas anderes als deren Entstehung einzudämmen) sollte doch immer das Verstehen des Phänomens stehen, nicht?

Mittwoch, 9. März 2016

Geschafft!

Seit gut drei Jahren ist Shizukas Familie hin und wieder in Kletterhallen unterwegs. Seit gut drei Jahren huscht Shizuka über Boulderwände, krabbelt durch Überhänge und flucht sich die Ohren rot, wenn sie von der Wand fällt. Es gab eine kurze Durststrecke vor eineinhalb Jahren, als dank Umzug in eine andere Gegend (auf die andere Seite des Planeten, um genau zu sein) erst einmal keine adäquate Klettergelegenheit ausfindig gemacht werden konnte. Das Problem wurde gelöst, Shizuka konnte sich wieder an körperlichen Leistungsgrenzen abreagieren. Sozialisierung durch Sport? Gebongt.

Shizuka wollte erst nicht klettern. Kleine Boulderecke im Sportfachgeschäft statt DAV-Halle, keine Toilette oder Dusche vorhanden, kaum Anleitung, alles unübersichtlich und dann noch eine Menge Publikum - das war nichts. Kletterkurs für Kinder? Leistungsorientiertes Klettern? Ohweia. Bloß nicht - Japanisch schon gar nicht! Und dann womöglich noch geprüft werden, vor Zuschauern und so? Auf g-a-r-k-ei-n-en-F-a-ll AUSRUFEZEICHEN!

Mit der Zeit hat sie ihre Einstellung geändert. Erst sind wir mit der Familie in jenem Sportfachgeschäft klettern gegangen. Dann kam eine Freundin dazu. Das Highlight der langen Sommerferien letztes Jahr war das wöchentliche Klettern mit einer befreundeten Familie. Dann kam der Wunsch auf, auch an den Wandsegmenten zu klettern, die eigentlich für die Erwachsenen reserviert sind. Das ist möglich, fanden wir heraus, wenn die Kinder eine entsprechende Prüfung ablegten. Auf Japanisch. Nach der Teilnahme an den Kletterkursen, idealerweise, denn alleine ist es schwer, das Leistungsniveau zu erreichen. 

Shizuka trainierte alleine. Nahm hin und wieder einzelne Kletterstunden zusammen mit der kleinen Schwester, aber nur sehr unregelmäßig. Und trainierte weiter. Zwei weitere Freundinnen kamen dazu, wechselnde Klassenkameraden und -kameradinnen leisteten ab und an Gesellschaft. Shizuka und eine Freundin nahmen Ende Januar die Prüfung in Angriff, spontan, einfach so, nach dem wöchentlichen Work-out, und eigentlich nur, weil der gelangweilte Chef des Kletterladens gerade nichts anderes zu tun hatte. Und fielen durch. Völlig klar, denn nach einer Stunde Hochleistungssport fehlt die Kraft. Immerhin hatten sich die beiden kleine Damen ordentlich gegenseitig angestachelt, an die Leistungsgrenze zu gehen. Ende Februar schließlich waren die Prüfungen ausgebucht, so dass ein zweiter Versuch gar nicht unternommen werden konnte. 

Und dann vorgestern das Angebot: Niemand da, alles ruhig, wollt Ihr die Prüfung versuchen?

Sie haben beide bestanden. Sie hatten eine Stunde Zeit für die Aufgaben, in einer halben Stunde waren sie fertig - und überglücklich*. :-D


* Ich fürchte fast, der eigentliche Spaß fängt jetzt erst an. Immerhin steht die doppelte Zahl an Wandsegmenten zur Verfügung. Übrigens war die Sprache am Ende gar kein Problem mehr: Shizuka hat bereitwillig für ihre Schulkameraden und -kameradinnen übersetzt, während Kletterstunden genauso wie während der Prüfung.

Dienstag, 15. September 2015

Sport adé - neues Hobby gesucht

Shizuka ist hinsichtlich ihrer Freizeitgestaltung sehr definitiv: Sie bestimmt, was sie tut. Das geht soweit, dass sie selbst den Zeitpunkt bestimmt, zu dem sie Zähne putzt, dass sie selbst entscheidet, ob sie im Kreis der Familie zu Abend isst (oder doch eine halbe Stunde später alleine, wenn das Essen kalt ist), und dass sie auch selbst über die Erledigung von Hausaufgaben bestimmt. Schlimm. Aber es bringt nichts, die kleine eigensinnige Dame einfach an den Schreibtisch zu setzen und ihr die Lernsachen vorzulegen - sie rührt sie nicht an, wenn sie gerade etwas anderes im Kopf hat. Sie wird höchstens nach einer halben Stunde "absitzen" aggressiv.

Dementsprechend hat Mama ihr auch die Gestaltung ihrer Nachmittage weitgehend überlassen. Shizuka kann in der Schule Hausaufgaben machen, sowohl in der langen Mittagspause als auch zwischen Unterricht und AGs, und zweimal wöchentlich gibt es eine von den Lehrkräften betreute Lernzeit. Das muss reichen, zu Hause wird das meistens ohnehin nichts.

Letztes Schuljahr hat sich Shizuka den Sport als ganz individuelle Baustelle ausgesucht. Montags Schulschwimmen, dienstags Schwimm-AG, mittwochs Schulsport, donnerstags Turn-AG, freitags Schulsport, samstags Aikido mit Mama, sonntags oft mit der Familie in die Kletterhalle gehen. Dazwischen fiel die eine Stunde Klavierunterricht am Mittwoch gar nicht ins Gewicht.

Neues Schuljahr.

Kein Schulschwimmen mehr.

Keine Schwimm-AG mehr, nur noch das Schwimmen für das Schulteam.

Keine Turn-AG mehr, nur noch Turnen für das Schulteam.

Shizuka hasst Leistungssport - Sport muss Spaß machen.

AGs? 

Dieses Schuljahr verbringt sie ihre Nachmittage sitzend. Montags mit Frühfranzösisch. Dienstags mit der Kunst-AG. Mittwochs mit der Japanisch-AG. Donnerstags ohne AG, dafür mit Privatunterricht Japanisch. Und freitags findet die Klavierstunde statt. Für Klettern und Schwimmen in der Freizeit hat die kleine Dame im Moment keinen Kopf, statt dessen liest sie Tom & Jerry Comics auf Französisch und Tier-Enzyklopädien auf Japanisch. Das ganze Wochenende lang. Ganze Nachmittage lang. Und wieder einmal hat Mama gelernt: Shizuka lernt schon, was sie alles lernen sollte und was für Kinder so nach und nach alles ansteht. Aber eben nicht unbedingt dann, wenn es vorgesehen ist, und schon einmal gar nicht in der vorgesehenen Reihenfolge. Sondern dann, wenn es ihr passt. Nach einem sportlich orientierten Schuljahr folgt eben jetzt ein sprachlich-musisches. Was wohl als nächstes kommt? 

Und vor allem: Ist jetzt wirklich das Angebot der Schule an dieser Entwicklung beteiligt (es gibt durchaus Karate, Judo, Jazz Dance und andere sportliche AGs), oder ist das nur der Dickkopf vom Töchterchen?

Mama tendiert dazu, letzteres anzunehmen. Und kämpft derweil um den Erhalt der Klavierlehrerin. Die Shizukas Art, sich gleich ganze komplexe Musikstücke, noch dazu kneipentauglich, komplett neu zu erarbeiten anstatt didaktisch aufbereitetes Material schrittweise durchzugehen, gar nicht mag. Shizuka mag aber keine andere Klavierlehrerin haben ... Und wieder trifft die eigentlich ganz harmlose Lebenssicht eines Kindes ("Es muss Spaß machen!") auf die Realität der Erwachsenen ("Normalerweise fordern die Eltern kontinuierliche Progression - Sie nicht?!"). Alles ganz spannend gerade.

Mittwoch, 9. September 2015

Zurück im Alltag

Alles neu macht der Mai? Nein, in unserem Fall war es der August, und zwar das Monatsende. Die Schule fing wieder an.

Unzählige neue Lehrkräfte und Fächer haben den Alltag der kleinen Gymnasiastin erstmal kräftig durcheinandergebracht, und dann wurde auch noch die Klasse geteilt. 12 Kinder sind es jetzt noch, die übrigen 14 der ehemaligen Vierten sitzen von nun an im Nebenraum. Gut oder nicht gut? Freundinnen werden vermisst, aber die insgesamt erhöhte Aufmerksamkeit der Lehrkräfte wird positiv bewertet. Dazu kommt, dass die Wünsche der Kinder bei der Klassenteilung wirklich komplett berücksichtigt werden konnten, so dass eigentlich jeder und jede die liebsten Spielkameraden neben sich weiß. Nur mit den Lehrerwünschen hat es eben gar nicht geklappt, weil einige Kinder eben Eltern im Kollegium haben und von denen nicht unterrichtet werden dürfen - die beste Freundin in der gleichen Klasse hat dann eben Pech gehabt. Neid herrscht bei Shizuka eigentlich nur hinsichtlich der Lehrkraft in Mathematik. Mit dem Rest ist sie grob einverstanden.

Und mit noch etwas ist sie sehr einverstanden: Am vergangenen Samstag wurde die Boulderwand der Schule endlich eröffnet. Das Projekt wurde endlich umgesetzt, nach vielen Problemen mit rechtlichen Regelungen, ausführenden Firmen und verantwortlichen Lehrkräften hat es während der Sommerferien dann doch geklappt, und der Elternbeirat konnte im Rahmen der Schuljahreseröffnungsfeier die Wand feierlich an die wartenden Kinder übergeben. Das Projekt wurde unter rein entwicklungspädagogischen Gesichtspunkten umgesetzt und ist für die Kindergarten- und Grundschüler/-innen sicherlich kurzfristig eine tolle Sache - umschrauben, erweitern oder auch nur überdachen ist nicht geplant oder auch nur vorgesehen. Damit ist ein eigentlich schönes Projekt nur halb schön umgesetzt worden, denn nach ein paar Tagen Nutzung ist die Wand für viele Kinder jetzt schon weder fordernd, noch spaßig. Wie mag das Feedback nach einem halben Schuljahr aussehen?