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Freitag, 23. April 2021

Frauen unter sich …

Großer Spaß am Morgen oder doch nur Fremdschäm-Potential? Man weiß es nicht so genau … 

Zum Hintergrund: Hinsichtlich Hardware und Software stehen einige tiefgreifende Veränderungen ins Haus. 

Die beiden kleinen Damen haben sich in den letzten 15 Monaten intensiv mit digitaler Selbstverteidigung, Sicherheit und den schulisch wie privat genutzten Systemen auseinandergesetzt. Bei Shizuka findet das auf einem hohen (erwachsenen, digital-affinen und extrem nerdigen) Niveau statt, bei der kleinen Schwester sind immerhin Kenntnisse und Ansichten vorhanden, die sowohl Opa als auch Patenonkel mit den Ohren schlackern lassen und den wirtschaftshörigen Papa in den Wahnsinn treiben. Und die Mama unterstützt natürlich, wo sie nur kann. 

Kompletter Systemumbau geht nicht ohne entsprechendes Vorwissen – und das findet man in Büchern und im Netz. Die letzten 20 Kilogramm Literatur sind Anfang der Woche zurück in die HLB gegangen, jetzt ist erstmal online an der Reihe. Und da kam uns heute doch glatt ein … sagen wir es vorsichtig … Schmankerl :-) unter. 

 

Danke an Barbara Thöns und Rena Tangens sowie Digitalcourage! Shizuka ist vor Lachen vom Stuhl gefallen, die kleine Schwester staunte Bauklötzchen und die Mama … nun ja*. Die hatte zumindest Spaß, denn die legte 1997 zum ersten Mal Hand an einen Computer. Bitte selbst genießen: 


Barbara Thöns und Rena Tangens: Der Druckertreiber – Hacker packen aus



* Diese Frisuren! o_O

Sonntag, 6. Dezember 2020

Personalprobleme, Outsourcing und überlastete Lieferdienste

 Liebe Kinder,


in diesem Jahr ist alles etwas anders. Die Corona-Pandemie hat auch das Weihnachtsdorf erreicht. Zum Glück hat sich bislang niemand bei uns infiziert. Allerdings müssen auch wir Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, um den normalen Betrieb aufrecht zu erhalten. Unsere Werkstätten sind nur zur Hälfte besetzt, jeder zweite Arbeitsplatz muss frei bleiben. Das nördliche Gesundheitsamt schickt immer wieder Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Quarantäne. Das hat uns vor ein großes Problem gestellt: Wie sollen wir am Nikolaustag alle Stiefel rechtzeitig füllen, wenn wir doch nur „zur Hälfte“ arbeiten dürfen? Wir haben uns  mit Eltern, Großeltern, Paten, Kirchengemeinden, Lehrkräften und Euren Freunden beraten und Hilfe geholt. Dieses Jahr halten wir wirklich alle zusammen, damit Ihr eine schöne Vorweihnachtszeit habt! Und Ihr ahnt gar nicht, wie viele Helfer wir gefunden haben(1) …


Damit Eure Wünsche auch in diesem Jahr erfüllt werden, haben wir ein Experimente gewagt: Wir haben einen Teil unserer Arbeit outgesourct. Wenn Ihr Kinder also weniger Geschenke als sonst im Stiefel findet oder nur diesen Brief, seid nicht traurig. Eure Wünsche werden noch erfüllt! Das Problem: Unsere Schlitten dürfen auch nur zur Hälfte belegt sein. Weniger Helfer, die die Geschenke transportieren, und weniger Rentiere, die die Schlitten ziehen bedeutet konkret, dass wir in der gleichen Zeit weniger Geschenke auf dem Schlitten haben. DHL und DPD, Hermes, UPS und einige lokale Lieferdienste haben wir damit beauftragt, das auszuliefern, was nicht mehr auf unseren Schlitten passt. Wir wissen aber nicht, ob Eure Päckchen auf diesem Weg rechtzeitig bei Euch ankommen. 


Dieser Brief bedeutet für Euch: In den nächsten Tagen bekommt Ihr noch Post! Das ein oder andere Päckchen mit Süßigkeiten oder Spielsachen, den dringend benötigten warmen Wintersocken oder einem anderen Herzenswunsch wird noch ankommen. Geht dem Lieferboten entgegen, haltet Abstand und seid nicht sauer, dass diese hart arbeitenden Menschen es vielleicht nicht pünktlich geschafft haben. Die haben jetzt wirklich viel zu tun.


Wir wünschen Euch eine schöne, besinnliche Adventszeit mit vielen zwischenmenschlichen Begegnungen und freuen uns auf Euer Lachen! Bleibt gesund!


Eure Weihnachts-Brigade und St. Nikolaus



(1) Feuerwehren, Supermärkte und sogar Pferde helfen uns! Schaut mal da: https://osthessen-news.de/n11640649/mit-kutsche-oder-blaulicht-kreative-nikolausaktionen-bereiten-kindern-freude.html und hier https://osthessen-news.de/mediathek/video.php?vid=6395

Mittwoch, 6. November 2019

Fortschritte der besonderen Art – in mehrerlei Hinsicht

Die besondere Situation von Shizuka und ihrer kleinen Schwester hält die Mama immer auf Trab: Da sind Situationen mit Freunden, Lehrkräften oder anderen Erwachsenen, die erklärt werden müssen. Da sind alltägliche Szenarien, die Stress verursachen. Da sind einfach unglaublich viele Momente, die der Mama zeigen, dass die beiden Mädchen auf ihre eigene Art und Weise ganz besonders sind. Missverständnisse ergeben sich hin und wieder aus dem, was in anderen Familien als normale soziale Interaktion gilt. 

Die ein oder andere Fortbildung zu Themen wie Autismus-Spektrum, besondere Sensibilität, soziale Konflikte bei Kindern, Über- und Unterforderung sowie die respektiven Kongresse und Vorträge sind fester Bestandteil von Mamas Arbeitstag geworden und haben in den letzten Jahren maßgeblich dazu beigetragen, den Alltag zu entschärfen. Es ist erstaunlich, aber die beiden kleinen Damen entwickeln tatsächlich sehr viel mehr Verständnis für die "normalen Leute" und deren Menschlichkeiten ("Unzulänglichkeiten" wäre ein zu negativer Begriff) als das umgekehrt der Fall ist. Gerade läuft wieder ein Kongress in den USA von einer der psychologischen Beratungsstellen, die sich mit dem Entschärfen des Alltags für Kinder und Eltern im Autismus-Spektrum beschäftigen. 

Umso witziger war der Blick in die Zeitung heute morgen. Großer Zufall, die Süddeutsche titelte online: "Autismus: Supermarkt führt Extra-Stunde ein". Worum geht es? Eine neuseeländische Supermarktkette hat auf Anregung einer angestellten hin seit gut einem Jahr eine Stunde der Öffnungszeiten ganz besonderen Menschen gewidmet. An einem Nachmittag der Woche werden für eine Stunde die Lautsprecher ausgeschaltet und die zu Werbe- und Verkaufszwecken sehr pointierten Lichtführungen gedimmt. Die Angestellten wuseln nicht mehr durch den Laden, um Regale einzuräumen und laut scheppernd Einkaufswagen an ihren Platz zurückzubringen, sondern ziehen sich soweit wie möglich zurück. Der Supermarkt wird für Menschen, die sensibel auf Reize reagieren, "entschärft". Und  das Konzept war während der Testphase in einigen der Supermärkte der Kette so erfolgreich, dass es auf alle mehr als 110 Filialen ausgeweitet wird. In einigen anderen Ländern gibt es ähnliche Bestrebungen. Allerdings merkt die Süddeutsche ganz treffend an: In Deutschland wird dieses Thema komplett ignoriert.

Shizuka reagierte amüsiert: Wir hatten uns für die japansicher Supermärkte immer mit Sonnenbrillen und Ohrstöpsel ausgestattet und gewisse Märkte aufgrund der Reizüberflutung schlicht gemieden. Deutsche Einkaufsmöglichkeiten wie die Ketten Rewe und Tegut sind entspannend im Vergleich zu dem, was wir vier Jahre lang in Japan erlebt haben. Nun hatten wir immer den Eindruck, dass Trends aus den USA, Australien und Neuseeland schneller in Japan als in Deutschland ankommen. Eine kurze Suche in den online englischsprachig publizierten japanischen Tageszeitungen brachte allerdings kein Ergebnis. Trotzdem: Liebe Neuseeländer/-innen, macht weiter so! Und vor allem schickt Ihr bitte Eure Marketing-Experten und -Expertinnen mal rüber, denn dieses Konzept brauchen wir hier auch! Bitte-bitte-bitte!

Freitag, 15. März 2019

Fridays for Future – Wunder der Schulpolitik

Das mediale Echo, das die Schwedin Greta Thunberg in den letzten Wochen erfahren hat, ist auch an Shizuka nicht vorbeigegangen. Engagiert und besorgt, wie sie ist, hat sie sich einen der von Campact verteilten Aufkleber mit dem Aufruf zum freitäglichen Klimastreik auf das Fahrrad geklebt und fährt damit seit einer Woche herum. 

Gestern kam sie von der Schule nach Hause und erzählte, dass der Leiter des privaten Gymnasium per multimedialer Anzeige eine Mitteilung des Schulamts weitergegeben habe, in dem den Schülern und Schülerinnen der hessischen Schulen die Teilnahme an den freitäglichen Streiks verboten wird und die Schulen angehalten werden, die Lehrkräfte von "Schulausflügen" zum Zweck des Streiks abzuhalten. Ein Fehlen im Unterricht während stattfindender Streikveranstaltungen sei kategorisch als unentschuldigtes Fehlen zu werten. Der Herr Schulleiter bedauere das sehr, denn er fände die Sache eigentlich unterstützenswert, könne das aber aus genannten Gründen dann doch nicht befürworten.

Für Shizuka warf das mehrere Fragen auf.

- Warum wird die Mitteilung auf diesem Weg überhaupt publik gemacht? Eine informelle Mitteilung über die Klassenlehrkräfte würde weniger Aufmerksamkeit erzeugen und uninformierte Schülerinnen und Schüler gar nicht erst "heiß" machen.

- Ist eine Privatschule tatsächlich so strikt an die Vorgaben des Schulamts gebunden, dass die wortgenaue Weitergabe in diesem Rahmen nötig war?

- Warum wird um die Sache so ein Aufstand gemacht, wenn außer ein paar unentschuldigten Fehlstunden offenbar nichts passiert?

Für Shizuka war das unverständlich. Es kam die Frage auf, ob der Herr Schulleiter hier nicht etwa zwischen den Zeilen ein bisschen Rückgrat und politisches Engagement von der Schulgemeinschaft fordere, das aber nicht explizit und offen formulieren wollte. Immerhin ist er als Schulleiter nicht in der Situation, sich politisch engagieren zu dürfen. Was den Lehrkräften ja auch eigentlich untersagt ist. Moment, Privatschule? Eine Privatschule, die in der Vergangenheit durch die Schülerschaft und Mithilfe der Lehrerschaft Lichterketten für Asylbewerber organisiert hat, die gegen Studiengebühren auf die Straße gegangen ist und mit einem Rückschritt zu G9 insbesondere in Sachen Meinungsbildung, selbständiges Denken und Persönlichkeitsbildung stark macht? Die Sache scheint in der einen wie anderen Richtung bedenkenswert.

Gerade sitze ich in einem zentral gelegenen Café und sehe, dass sich die Schülerschaft der Stadt unter Leitung der Jugendorganisation der Grünen sammelt und die Innenstadt blockiert. Ein erster Blick verrät, dass sich nicht nur Schüler und Schülerinnen in der Versammlung befinden, sondern auch offenbar betreuende Erwachsene. Es sind mehr Menschen, als die ansässigen privaten Schulen stellen könnten. Und die lokale Presse ist auch eben eingetroffen ...

Editiert am Samstag, 16. März 2019: Shizuka informierte mich, dass die Mitteilung der Medienbildschirme in der Schule auf eine Mitteilung des Schulamts, nicht (wie ursprünglich angegeben) des Kultusministeriums hin stattfand. 

Und die örtliche Presse war sich heute in der Morgenausgabe nicht einig, ob 400 oder 500 Schüler und Schülerinnen an den Kundgebungen teilgenommen hatten – für die Größe der Stadt aber unserer Meinung nach in jedem Fall eine stolze Leistung.

Shizuka war sich indes nicht ganz sicher, wie sie die Proteste bewerten sollte. Sie stimmt mit dem Anliegen überein, versteht aber auch den Druck nicht, der von allen Seiten auf die Schüler und Schülerinnen ausgeübt wird. Einerseits werden sie ermutigt, sich politisch zu engagieren. Wenn das dann, wie jetzt, passiert, wird gebeten, das doch bitte nur in einem konformen und bequemen Rahmen zu tun. Greta Thunberg wolle Aufmerksamkeit für den Klimawandel, wird gesagt, und die habe sie jetzt bekommen, also könne man die Sache ja beenden. Shizuka ist sich nach genauerer Recherche sicher, dass es nicht nur um Aufmerksamkeit geht: Die junge Schwedin weiß, wie alle Schüler und Schülerinnen, dass sich Politiker wie Wirtschaftsgrößen und alle anderen Erwachsenen der Klimaproblematik durchaus bewusst sind. Sie wollen keine Aufmerksamkeit – sie wollen, das endlich gehandelt wird. Denn mit Aufmerksamkeit wird man den Klimawandel nicht aufhalten können. Es müssen Taten folgen, und zwar sofort. Die Schüler und Schülerinnen benutzen die Schulpflicht also, um Druck auszuüben und die Erwachsenen zu erpressen: "Wir gehen zur Schule und tun, was Ihr als unsere Pflicht anseht, wenn IHR EUCH UM EURE PFLICHTEN KÜMMERT UND DIE WELTPOLITIK UND DEN KLIMASCHUTZ ENDLICH TATKRÄFTIG ANGEHT!"

Es geht also um Macht, um Autorität, und da steckt ganz viel Psychologie mit drin. Sowohl Shizuka aus auch ihrer Mama und ihren Großeltern ist aufgefallen, dass die Aktionen von Greta Thunberg zwar heftig kritisiert werden. Dass es aber nie um Kritik an dem geht, was die junge Frau sagt. Inhaltliche Kritik wird kaum geübt. Kritisiert wird:
- Dass sie einfach die Schule schwänzt.
- Dass sich ein kleines Mädchen mit Zöpfen erdreistet, zu internationalen Medien und wichtigen Politikern zu sprechen, und das auch noch zu einem Thema, von dem kleine Mädchen keine Ahnung zu haben haben. 
- Dass die Eltern der jungen Schwedin, die ja nun doch schon aus dem Grundschulalter heraus ist, der Jugendlichen nicht nur keinen Einhalt gebieten, sondern sie sogar unterstützen.
- Dass Greta Thunberg mit einer Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert ist.

Alle diese Kritikpunkte haben mit dem, was die junge Frau sagt, nichts zu tun. Das "wer" und "wie" ist wieder einmal wichtiger als das "was". Shizuka sagte dazu: Getroffener Hund bellt. Die junge Frau wird nicht kritisiert für das, was sie sagt. Sie wird auf einer persönlichen Ebene angegriffen, weil sie mit dem, was sie tut, bestehende Machtverhältnisse in Frage stellt und damit auch noch Recht hat. Und das ist der eigentliche Skandal. 

Dienstag, 26. Februar 2019

Shizukas Frust und Industrie 4.0. Karnevalistische Anwandlungen.

Shizuka muss bis zur 10. Klasse zwei Referate in Fächern ihrer Wahl gehalten haben. So will es die Schule. Zeitpunkt, Thema und Fach darf sie sich aussuchen. Unterstützende Mediennutzung obliegt ihr selbst und ihren Präferenzen. So weit, so locker.

Man kann darüber streiten, ob es zeitgemäß ist, wenn ein Gymnasium die Kinder so wenig auf das Vorbereiten und Durchführen von Präsentationen vorbereitet (sogar Shizukas Mama hat vor etwa 25 Jahren mehr Referate an eben jenem Gymnasium gehalten). Man kann auch darüber streiten, wie frei die Wahl der medialen Unterstützung wirklich ist, wenn die Kids an eben jener Schule nicht einmal Informatik-/Computerunterricht haben.

Shizuka ist frustriert. Sie hat während der Weihnachtsferien eine erste Idee ausgebrütet: Basierend auf einem zeitgenössischen Kino-Zweiteiler will sie die historische Entwicklung einer US-amerikanischen Stadt näher beleuchten. Gründung, Migrationsbewegungen, Bildung von ethnischen Stadtvierteln bis hin zur aktuellen Politik des international nicht gerade unbekannten Bürgermeisters. Tolles Ding und sicherlich eine spannende Sache, denkt Shizukas Mama. Das Inhaltsverzeichnis und die ersten Unterpunkte wurden während der Ferien bereits ausgearbeitet, die kleine Dame arbeitet mit Keynote und dem eigenen Laptop. Dann, nach den Ferien, drei Präsentationen von Mitleidenden, pardon, in der Klasse. Ein Vortrag wurde vom Blatt abgelesen, es gab kein Handout, keine Bilder. Ein Vorlesetext, mehr nicht. Wer wollte, durfte sich Notizen machen. Der zweite Vortrag wurde immerhin  mit Bildern über die Dokumentenkamera unterstützt. Es gab ein Handout, das aber kaum über das Inhaltsverzeichnis hinausging. Der dritte Vortrag nutzte den schuleigenen Medienwagen mit Schulcomputer und Beamer, es gab "Folien", die in Word erstellt waren und aus Text bestanden. 

Keine Smartboards in den Klassen, WLAN vorhanden, aber instabil, die Lehrkräfte unterrichten nur in absoluten Notfällen mediengestützt. Mediengestützt bedeutet dann, dass die Dokumentenkamera genutzt wird. Oder ein OHP. Oder der Videoraum mit seinen alten Fernseh- und VHS-Geräten. Sogar der alte Apparat, der die großen runden Filmrollen abwickelt, ist gelegentlich dort noch in Gebrauch ...

Heute vor der Schule der Kleinen Schwester: Shizukas Mama kam mit einem jungen Vater ins Gespräch. Der Mann ist überfordert davon, dass die Schule auf Papiermitteilungen verzichtet und Elternbriefe per E-Mail versendet. Gelegentlich auch mal kurzfristig, also mit Terminen, die weniger als zwei Wochen in der Zukunft liegen. Elternabende gingen so schon spurlos (und kenntnislos) an der Familie vorbei. Seit er das bemerkt hat, werden einmal wöchentlich die E-Mails gelesen. Mit der Verwandtschaft im außereuropäischen Ausland kommuniziert er nach eigenen Angaben nur per WhatsApp, alles andere sei zu kompliziert. 

Und nun soll der Mobilfunkstandard 5G kommen, die Digitalisierung der Unternehmen wird gefordert, Deutschland soll in digitalen Angelegenheiten konkurrenzfähig bleiben. Großes Fragezeichen: BLEIBEN??? 

JA WIE DENN, MIT SO EINER SCHULPOLITIK UND SO VIEL IGNORANZ!

Die unkomplizierteste und kostengünstigste Möglichkeit, beim Umzug im September 2018 schnell WLAN in der Wohnung zu bekommen, brauchte 3 Wochen (!) für die Bereitstellung der nötigen Hardware. Der kostengünstigste und sofort nutzbare Kommunikationsvertrag für das Smartphone mit einer Datennutzung von (hinsetzen vor dem Weiterlesen) atemberaubenden 1.5 GB ist sauteuer und bietet selbst in der knapp vor der Schwelle zur Großstadt (deutsche Definition) befindlichen Wohngemeinde keinen flächendeckenden Netzempfang. Geschweige denn die versprochenen Verbindungsgeschwindigkeiten. 

JA WUNDERT ES DENN DA NOCH IRGENDJEMANDEN, DASS HIER RECHNUNGEN IMMER NOCH AUF PAPIER VERSCHICKT WERDEN, PER POST?! 

Okay, zugegeben: Die Herren und Damen in Gelb-Dunkelblau sind hochmodern mit E-Bikes unterwegs. Und kommen mehr als einmal täglich. Respekt vor der Post!

Montag, 25. Februar 2019

Menschen sind auch nur Ratten?

Wer als Elternteil versucht, Kinder zu sozialen Menschen zu erziehen, ist vor der Verwendung des ein oder anderen Druckmittels nicht gefeit. Natürlich nehmen wir Mütter und Väter uns immer vor

  • unsere Kinder auf keinen Fall zu manipulieren
  • immer ehrlich mit ihnen zu sein
  • ihnen grundsätzlich auf Augenhöhe zu begegnen
  • sie zu verantwortungsbewussten und positiv eingestellten Menschen zu erziehen


Das Er-zieh-ung als Wort schon irgendwie etwas mit ziehen (nicht zu verwechseln mit zerren) zu tun hat, sei jetzt mal dahin gestellt. Aber wie machen wir Eltern das im Alltag?

"Hilf mir mal mit der Wäsche, dann hab ich gleich noch ein paar Minuten Zeit, um mit Dir zu spielen!" (Manipulation? Erpressung? Oder doch nur der sanfte Hinweis darauf, dass man Zeit entweder zum Spielen oder für saubere Kleidung verwenden kann, aber nicht beides gleichzeitig?)

"Traust Du Dich auch bei Deinen Freunden, wegen zwei Salatblättern auf dem Teller einen derartigen Aufstand zu reißen?" (Blamage? Drohung? Hohn? Eine Anspielung auf das Märchen mit der motzenden Prinzessin und einer Erbse? Ernstgemeinter Hinweis darauf, dass Salat absolut friedfertig und keine Bedrohung ist?)

"Iss Dein Grünzeug, das hält Dich gesund." - "Warum? Woher willst Du das denn wissen?" - "Schon mal einen Hasen mit Brille, Gebiss, Hörgerät oder Rollator gesehen?" (Jaja, schon klar: Niemals Kindern Schmu erzählen. Aber mal im Ernst: Wer erklärt einer siebenjährigen Pippi Ringelsocke mit Vorliebe für puscheligekuschelige Kaninchen beim Mittagessen schon wissenschaftlich korrekt, ohne Schmu und in kindgerechter Fassung, warum der Stoffwechsel auf Vitamine und Mineralstoffe angewiesen ist? Und woher er oder sie das weiß?)

Es geht fröhlich weiter mit dekorativ auf dem Teller angerichtetem, buntem Gemüse. Mit dem gesunden Pausenbrot in der Schule, auf dem eine runde Scheibe Käse mit zwei Kirschtomaten, einer Apfelspalte und vielen kleinen Möhrenscheibchen zum Lachgesicht verziert wird. In der Schulmensa, wo der Koch zur Mittagessenzeit einen aus Karotte geschnitzten Rennwagen und eine aus Rettich geschnittene Mondrakete zwischen die Töpfe stellt. Darf gegessen werden. Dass man nicht mit Essen spielen soll, sei jetzt mal dahingestellt – wer manipuliert hier wen? Die Kinder ("Iiih, Gemüse, ess ich nicht! Rennwagen sind cooler als Zucchini!") den Koch, oder der Koch ("So'n Raketchen verputzen die doch viel lieber als die Schüssel Rohkost!") die Kinder? Und überhaupt, warum darf man nicht manipulieren? Rosa Legobausteine für Mädchen, Bob der Baumeister als Anziehpuppe für Jungen. BHs und Schlüppis aus weißer Baumwolle ("Iiih!") mit vielen Schleifchen vorne dran ("Oah, toll! Schleichen!"). Unbequeme Gummistiefel mit tollen Polkadots in Rot und Weiß. Punktekärtchen im Supermarkt. Blechdose kostenlos zum Pfund Markenkaffee dazu. Demoversion des neuesten Computerspiels liegt in der einschlägigen Zeitschrift. Und dann sind da noch die Japaner, die alles so kawaii, so herzig gestalten. Bei denen sogar die Klobürste Schleifchen trägt und die Taschentücher in Stoffspender aus traditionell handgefärbtem Stoff eingenäht sind. Bei denen die Atemschutzmasken für die Heuschnupfensaison mit süßen Häschen, Disney-Figuren oder coolen Dinos bedruckt sind (Yeah, in Erwachsenengröße!). Mal ehrlich, und wir deutsche Eltern regen uns über den Osterhasen auf? Nicht im Ernst!

Der Herr Gunter Dueck hat sich auf seiner Netzpräsenz Ominsophie zum Sachverhalt geäußert. Und jetzt hätten Shizuka und ihre Mama gerne einen Rat, wie man bereits erwähnter siebenjähriger Ringelsocke mit Hasenkuscheltier wissenschaftlich korrekt erklärt, dass der Mensch auch nur ein intelligentes Säugetier ist ...

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Was ist lauter, Urknall oder Heavy Metal?

Ganz genau lässt sich das vermutlich nicht mehr klären, da das eine Ereignis einfach zu lange her ist und das andere zu unberechenbar. Aber es scheint, als hätte man sich der Frage nach der Lautstärke des Urknalls bereits wissenschaftlich angenommen, und zwar interdisziplinär. Herausgekommen ist ein beeindruckendes Videointerview, in dessen Verlauf man lernt:


  1. Die Materiedichte zum Zeitpunkt des Urknalls war so hoch, dass es keinen Knall und keine Schallwellen gab, sondern einen permanenten Tonzustand.
  2. Die erzeugten Töne waren 50mal tiefer als die tiefste Gitarrenseite und daher für Menschen nicht im hörbaren Bereich. Und für Hunde? Hunde hätten den Urknall nicht hören können, weil es sie noch nicht gab. Keine Atome, keine Moleküle, keine lebenden Zellen. So einfach ist das.
  3. Wie viel Dezibel genau die Schallzustände (Keine Wellen!) des Urknalls erreicht hätten, ist unbekannt. Und für das menschliche Gehör sind die tiefen Frequenzen ohnehin nicht wahrnehmbar. 
  4. Heavy Metal arbeitet auch mit tiefen Frequenzen. Und mit Dauerbeschallung. Und ist laut. Daher die berechtigte Frage: Kann Manowar den Urknall toppen? Spoiler: Nein, das schreibe ich jetzt nicht. Guckt doch einfach selber und amüsiert Euch so, wie Shizuka und ihre Mama das getan haben ...

Montag, 3. Dezember 2018

Weihnachtswunderland im Herzen Deutschlands

Seit einigen Wochen zurück in Deutschland, haben sich Shizuka und die kleine Schwester erstaunlich schnell und vor allem erstaunlich gut eingefunden. Die Mädchen genießen den Alltag, sind aktiv und freuen sich jeden Tag auf neue Abenteuer. Ein ganz großes Abenteuer, das den beiden tagtäglich funkelnde Sterne in die großen, leuchtenden Kinderaugen zaubert, ist die Weihnachtszeit. Und die hat bei uns mit einem eindrucksvollen Auftakt sofort alle umgehauen. Nachdem letzte Woche himmlischer Besuch in unserer Abwesenheit für Sterne in den Fenstern, einen Adventskranz sowie Adventskalender für die Kinder (und ausnahmsweise auch mal die Mama) gesorgt hatte, stand uns ein aufregendes Wochenende bevor.

Samstag: Adventskonzert mit Klavier, Gitarren, Blockflöten und Gesang. Die beiden kleinen Damen traten mit jeweils zwei Liedern am Steinway-Flügel für ihre Klavierlehrerin und entlockten dem Instrument Töne, die man ihnen gar nicht zugetraut hätte. Neue Klavierlehrerin, und das merkt man. Der Stil der Mädchen ist weicher geworden, sie kleben weniger an den Notenvorgaben, spielen freier und stimmungsvoller. Genau richtig in der Vorweihnachtszeit, und das Konzert hat uns sofort in die richtige Stimmung versetzt. Auch bemerkenswert: Mama durfte sowohl die spröde Shizuka ("Ich trag nur Jeans und ich trag nur Schwarz!") in ein blaues Spitzenkleid stecken (im Geschäft war das Liebe auf den ersten Blick) und die kleine Schwester ("Rosa ist nur was für Prinzessinnen und Glitzer ist voll uncool!") in ein altrosa Kleid mit Trompetenärmeln und leichtem Glitzerbesatz. Erstaunlich.

Nach dem Konzert ging es mit dem begleitenden Opa zum Mittagessen und danach verbrachten wir den gesamten Resttag auf dem Weihnachtsmarkt. Lichterzauber in allen Straßen der Innenstadt, überall Adventskränze und Tannenbäume und beleuchtete Fenster. Dazwischen in der Fußgängerzone mit Holzschredder und Mulch ausgestreute Plätze, Budenzauber und Lebkuchenduft, Zuckerwatte, regionales Kunsthandwerk und ein kleiner Mittelaltermarkt mit dem frechsten Papierkünstler im Rentenalter, den wir je erlebt haben. Abends zu Hause dann endlich die Adventskalender öffnen (Schokolade und ein einfaches Physikexperiment), dann früh ins Bett. Aber erst, nachdem die kleine Schwester die Tasten des E-Pianos noch einmal durch "Alle Jahre wieder" gestreichelt hatte ...

Sonntag: Gottesdienst mit Segnung des Adventskranzes, Kirchenchor und vielen weihnachtlichen Liedern. Shizuka ist Ministrantin, es war ihr Debüt. Danach Mittagessen zu Hause, Plätzchenbacken, Sterne basteln und wieder Kinder am E-Piano. Nachmittags hatte eine Klassenkameradin der kleinen Schwester zum Konzert eingeladen: Chor und Adventssingen in der Stadtpfarrkirche. Der Kinderchor wurde von einem Erwachsenenchor, einem Streichorchester, zwei Dirigenten, einem Klavier und der historischen Orgel unterstützt. Wir haben unglaubliche zwei Stunden gemeinsam musiziert, während vom Weihnachtsmarkt her immer mehr Leute in die Kirche kamen, der Duft von Holzfeuer, Glühwein, heißer Schokolade und Gewürztee die Kirche durchwehte und alles live im Internetkanal der Gemeinde übertragen wurde. Shizuka war selten so entspannt wie nach diesen zwei Stunden. Sie lächelte, summte und hatte diesen verträumten Ausdruck im Gesicht, den sie sonst nur beim Reiten und beim Schmusen mit dem Hund hat. Auf dem Heimweg wieder Weihnachtsmarkt, diesmal nur im Vorbeigehen. Und zu Hause noch mehr Plätzchenduft, noch mehr Gesang und E-Piano. Es ist unglaublich, wie sehr die Kinder das genießen.

Montags ging es dann mit Spannung im Adventskalender weiter: Es sollten Artemia Salina, Urzeitkrebse, gezüchtet werden. Nach etwas Hin und Her beschlossen Mama und Shizuka, dass am nächsten Tag erst einmal die nicht im Adventskalender vorhandene Nahrung, destilliertes Wasser und eine passende Schale in der Zoohandlung erworben werden mussten. Großes Geschrei von der kleinen Schwester: Die neuen Haustiere sollten doch bitte sofort zum Schlüpfen gebracht werden. Shizuka konnte das kleine Gewitter dann aber doch noch besänftigen, denn dass die Tierchen im eigenen Milchbecher wohnen sollten, wollte die kleine Schwester dann doch nicht.

Nach dem eindrucksvollen Auftakt muss die Weihnachtszeit dieses Jahr einfach schön werden, nicht?

Samstag, 28. Juli 2018

Physik ist cool und Skateboard rockt

Nur eine kurze Notiz zwischendurch: Spektrum online hat ein Video verlinkt, das recht eindrucksvoll erklärt, warum Skateboarden nicht so viel mit Wagemut als vielmehr mit Physik und Körperkontrolle zu tun hat. Kann man die Bewegungen ernsthaft berechnen? Keine Ahnung ... Auf jeden Fall habe ich wahnsinnig viel Lust bekommen, mir nach dem aktuellen Regenguss die Bandage anzulegen und mit Shizuka, der kleine Schwester und unseren Boards ein paar Stunden draußen zu verbringen. Drückt mir die Daumen, dass es dieses Wochenende nochmal trocken wird!

Und hier der versprochene Link:

Eine Frage des richtigen Drehs

Und natürlich auch das Video für alle, die lesefaul und ohnehin des Englischen mächtig sind:



Mittwoch, 18. Juli 2018

Kids coden

Shizuka hat ein neues Hobby entdeckt, und wieder einmal war die böse Mama daran Schuld. Mama hatte einen Textauftrag: Python für Anfänger. Ein eher kurzes E-book mit den absoluten Basics sollte geschrieben werden, zwei Wochen Zeit, Verdienst im dreistelligen Bereich. Also beschloss Mama, dass sie Python lernen muss. Gesagt, getan. Shizuka sah ihr über die Schultern, Sommerferien. Und Shizuka buddelte nach zwei Tagen ihre alten Spektrum Neo Zeitschriften aus, fand die Ausgabe Robotik, las den Artikel über Programmieren für Kids noch einmal und grübelte. 

Und dann ging es rund.

Tag 1: Mama, wie schreibt man ein Programm.?(Mama erklärte in fünf Sätzen, wie das geht und was das mit Mathe zu tun hat.)

Tag 2: Mama, ist Python schwer? (Antwort: Nein, aber reichlich unsexy. Vor allem für Kinder.)

Tag 3: Shizuka findet ein neues E-Book auf ihrem USB-Stick: Der kleine Hacker.* Shizuka schaltet ihr Laptop ein. Und Mama kommt den ganzen Tag über nicht mehr zum Arbeiten. Abends sind zwei Spiele programmiert, Shizuka hat drei neue USB-Sticks, spricht eine nicht altersgemäße Mischung aus Englisch und Deutsch, denkt in Schleifen und Funktionen, kann klonen, weiß wie man Programme lädt und speichert, warum man seine Daten besser auf zwei separaten Drives einzeln abspeichert und dass sie wirklich eine Japanerin ist. Denn ihre Spiele sehen aus Zuckerwattelollipopwunderland, alles pastellen. Außerdem hat sie ihr erstes Konto bei einem sozialen Medium, denn ohne kann sie ihre Entwürfe bei Scratch** nicht speichern.

Tag 4: Shizuka entdeckt, dass Papa eine Kindersicherung auf dem Laptop installiert hat. Um 21:30 Uhr abends schaltet sich das Ding aus. Damit ist die Idee für ein Multilevel-Spiel, Mehrspieler-Modus, gestorben. Denn das coded sie nicht an einem Nachmittag. Und zweimal an der gleichen Sache arbeiten? Pah.

Tag 5: Challenge. "Mama, wir nehmen uns jetzt zwei Stunden Zeit und machen ein Spiel. Du darfst die Tutorials bei Scratch benutzen, aber kein Buch als Vorlage. Und wenn Du willst, nimmst Du Python. Ist mir egal. Das Spiel muss in zwei Stunden fertig sein, und dann wird Probe gespielt." Jury: die kleine Schwester. Mama hat gewonnen. Shizuka ist wieder an den eigenen Ansprüchen (namentlich 40 Skripte und 8 Level) gescheitert. 

Tag 6: Mama, kann ich noch andere Programmiersprachen lernen? Scratch ist keine Sprache, sondern mehr ein Programm. Also gar nicht so richtig Programmieren! Ist doch alles schon fertig gecoded, die Blöcke und so. Ich puzzle doch nur ein bisschen.



... to be continued. Die Sommerferien haben gerade erst angefangen.


* Programmieren für Einsteiger, wie immer freiwillig und als Tipp (ohne Bezahlung oder andere Benefits für Shizukas Mama) verlinkt.
** www.scratch.mit.edu. Scratch gibt es auch als Offline-Version, ist aber überwiegend Englisch gehalten. Das ist doof, wenn man sich die Fachterminologie gerade erst erschließt und eigentlich programmieren und nicht Englisch lernen will. Daher die Einwilligung der eigentlich eher zögerlichen Mama, doch ein Kinderkonto anzulegen. Nach langem Testen und Ausprobieren als halbwegs sicher und mit weniger Suchtpotential als andere soziale Medien empfunden. Für Anfänger und Neue scheint es eher weniger Interaktion zu geben, Shizuka wurde auch nach einigen Tagen noch nicht kontaktiert oder kommentiert, und ihre Spiele kann sie in aller Ruhe selbst und alleine weiterentwickeln. Zum Lernen ist das prima, und die Sachen müssen auch nicht veröffentlicht werden. Heißt, trotz Speicherung auf dem Server sind sie nur vom Betreuerteam von Scratch einsehbar.

Dienstag, 5. Juni 2018

Die Sache mit der DSGVO

Shizuka hat sich entschieden, in näherer Zukunft erst einmal privat zu bleiben. Denn der Rahmen der gesetzlichen Vorschriften zum Datenschutz innerhalb der EU ist nicht ganz klar: Der Blog wird in Japan betrieben, ist für ein deutschsprachiges Publikum gedacht, das in aller Welt sitzt (also auch in der EU), wird über einen US-amerikanischen Anbieter umgesetzt und enthält zahlreiche Links zu Webseiten innerhalb und außerhalb der EU. Welche Daten für das Lesen von Shizukas Blog gesammelt werden, ist noch relativ einfach nachzuvollziehen. Was aber über die zahlreichen Links passiert, nicht. Und das kann Shizukas Mama als Verantwortliche für diese Seite auch nicht so einfach herausfinden. Trotzdem wollen wir nicht auf die Links verzichten, denn die gehören einfach dazu. Das sind alles Seiten, die sich auf die ein oder andere Art und Weise für uns als nützlich erwiesen haben. Und die wir gerne weiterhin teilen würden. 

Allerdings wird die Situation nicht bis in alle Ewigkeit so bleiben. Irgendwann ist genug Zeit und Geld vorhanden, um den Blog entweder auf eine eigene Domain umzuziehen und alles professionell rechtssicher zu gestalten oder sich irgendwie mit dem vorhandenen Blog wieder im öffentlichen Raum zu arrangieren. Derweil halten wir es mit Paulchen Panther:

Heute ist nicht alle Tage – ich komm wieder, keine Frage!*


* Wir distanzieren uns ausdrücklich von jeglicher rechtspopulistischer oder anderweitig rassistischer, faschistischer, menschenfeindlicher oder -verachtender Vereinnahmung der Figur, der damit verbundenen Videoclips und der Songs! Traurig genug, dass man das heutzutage dazusagen muss.

Mittwoch, 11. April 2018

Klavierelfen, Musikgeschichte und ein lange zurückliegender Krieg

Nach langer Abwesenheit (wird später erklärt) nur eine kurze Notiz: 

Der Herder Verlag plant ein für alle Japaninteressierten interessantes Projekt. Es soll ein Kinderbuch ins Deutsche übertragen werden, das nicht nur ein in Deutschland wenig bekanntes Ereignis der deutsch-japanischen Beziehungen bearbeitet, sondern eben auch insbesondere ein Stück Musikgeschichte transportiert. Konkret geht es um die Ereignisse im Jahr 1914 in China, die letztendlich dazu führten, dass das unten genannte Musikstück in Japan so wahnsinnig beliebt ist. Als Kinderbuch ist das Ganze sehr schön aufbereitet, und die beiden kleinen Damen der Familie werden wohl demnächst ihre verbleibenden 図書カード (Büchergutschein, der in jedem beliebigen Buchladen in Japan eingelöst werden kann) für dieses Buch verwenden.

Tolle Sache, diese geplante Übersetzung  und unserer Ansicht nach unterstützenswert. Denn sowohl Shizuka als auch die kleine Schwester durften die "Ode an die Freude" im Rahmen des Klavierunterichts in Japan bereits in drei verschiedenen Fassungen und Schwierigkeitsgraden üben und bisweilen sogar öffentlich zum Besten geben. Perfektes Geschenk für die kleinen Klavierelfen oder auch die ein oder andere Lehrkraft, da sind wir uns einig. Einfach mal reinschauen, das Projekt des Verlags ist hier verlinkt. Ach so, und bevor wir es vergessen: Hier hat noch jemand darüber geschrieben. :-)

Samstag, 30. September 2017

Nasse Füße

Als ich knapp vier Jahre alt war, hat mein Papa mit mir an der Ostsee in der Nähe von Kiel irgendwo am Strand ein Loch gebuddelt. Dann hat er mich hineingestellt und ein Foto gemacht: Ein lachender hellbrauner Lockenkopf mit Sommersprossen, hellem Hemd und aufgekrempelten Hosen, in einem etwa 50 cm tiefen Loch stehend, die Füße im Wasser und die Waden schlammverschmiert. Fettes Lachen. 

Das weiße Hemd trug vor einiger Zeit noch die kleine Schwester. Die Hosen gibt es nicht mehr. Und wo der Strand an der Ostsee genau war, weiß heute niemand mehr. Aber als ich Shizuka und der kleinen Schwester von diesem Foto erzählte, wollten die beiden das auch machen. Pazifik statt Ostsee, völlig okay. Aber wie war das nun mit dem Wasser? Ich erinnere mich ehrlich gesagt nicht mehr, wie das mit dem Wasser war. Das Foto zeigt die Brandungslinie gute 10 m entfernt. Das Loch muss tief genug gewesen sein, das von unten das Wasser hineindrückte, nehme ich an. Aber ob das wirklich funktioniert?

Ein Tag am Strand im Süden von Yokohama, sonniges Spätsommerwetter, ordentlicher Wind, das Wasser voller Surfer. Die kleine Schwester zieht die Hosen aus und quietscht: Mama, buddeln! Gaaaaaanz tief!

Und Mama buddelt. Mangels Sandschaufel werden die Sandalen ausgezogen, das T-Shirt auf der Seite eng geknotet und wir versuchen es mit der Hundebuddeltechnik. Was ein durchschnittlicher Pinscher kann, können wir auch: Vorne mit den Händen den Sand lockern und hochholen, dann mit den Füßen schnellstmöglich wegschieben. Ist besser als jede Hornhautraspel ...

Shizuka und die kleine Schwester helfen mit. Irgendjemand findet eine große Muschelschale: Damit kann man auch buddeln. Dann kommt eine zerbrochene Frisbeescheibe dazu: Schaufelersatz. Wir buddeln uns durch richtige Schichten, erst weicher, trockener Sand, dann feuchter Sand, dann nasser, festgetrampelter Sand. Dann eine Schicht Muschelbruch mit einem kleinen Krebs in grün, der aufgeregt davoneilt. Darunter noch einmal nasser Sand, viele Steinchen, eine weitere Schicht Muschelbruch. Und wieder Sand. Wir fühlen uns ein bisschen wie Archäologen, denn der Plastikmüll wird nach unten hin bemerkenswert weniger. Shizuka hat die Idee, sich in das Loch zu stellen, die kleine Schwester muss mit einer gefundenen leeren PET-Flasche Wasser holen. Das wird auf Shizukas Füße gegossen. Shizuka wühlt mit den Zehen den festen, jetzt patschnassen Sand locker, der lässt sich so leichter herausschaufeln. Schlamm statt festem Schmodder.

Eine gute Stunde später wird es von alleine kalt und nass da unten. Shizuka tritt Schlamm, ohne dass die kleine Schwester Wasser nachgießt. Und prompt sind die Mädchen noch motivierter. Eine Ladung nasser Matsch nach der anderen wird aus der Fallgrube befördert. Shizuka hat der kleinen Schwester den Platz abgetreten, die bis zum Bauchnabel im Loch verschwindet. Und plötzlich mit einem Quiekser nach unten schaut: Bis zum Knie geht das kalte Wasser schon! Das Loch im Sand ist also tatsächlich voll Wasser gelaufen. Und weil die Mädchen den nassen Sand von unten nicht wirklich weit weggeschafft haben, steht das Kind jetzt schon bis zur Brust im Boden, denn der Wall außen um das Wasserloch ist beeindruckend. Wir bemerken langsam die grinsenden Strandbesucher und aufgeregten Kinder, die zu uns zeigen: Da ist wirklich Meerwasser drin!

Damit ist die Frage für Shizuka und die kleine Schwester abschließend geklärt: Wenn man am Strand ein Stück vom Wasser entfernt ein Loch buddelt, kommt das Meer wirklich da hinein. Man muss nur tief genug buddeln. 

Samstag, 23. September 2017

Tech Kids

Neulich im Hamagin Space Science Center: Da steht ein kleiner knubbeliger Geselle und lädt die Kinder dazu ein, mit ihm zu spielen. Alles digital, Touchscreen, es geht um Interessen und Hobbies. Wer mit der KI kommunizieren will, muss Name, Alter und Anfahrtsweg sowie begleitende Personen angeben. Dann kommt eine kurze Konversation zustande: Soundsoviel Menschen des gleichen Alters besuchen das Museum täglich, die meisten kommen aus diesem Ort und werden von jenem Menschen begleitet. Statistiken eben, recht simpel. Wer was am liebsten in der Freizeit mag und welche Schulfächer liebt, wird wohl irgendwann auch noch abgefragt. Soweit noch nicht wirklich misstrauenserweckend. Shizuka entdeckt einen WLAN-Router in der Ecke oben unter der Decke, knapp hinter dem kleinen runden KI, der trotz abgenutzter Oberfläche 本当に可愛い (hontou ni kawaii, wirklich niedlich) aussah.

Im nächsten Raum: Toben ist angesagt. Eine Art Space Center mit Rampen, Treppen, Luken, Klappen und verwinkelten Wegen in Metall ist zwischen Moon-Jump Simulator, Reckstange für das Astronautenfitnesstraining und eine gigantische Murmelbahn gespannt. Eine Ampel zeigt an, ob genug Platz für noch mehr Menschen oben im Gestänge ist, oder ob man kurz warten soll. Wir bemerken Kameras an allen Ecken und Enden und können die versteckten Räume des Space Centers auf kleinen Monitoren sehen: Live und in Farbe, da stolpern tatsächlich gerade die Zwerge durch, deren rote und blaue Quietsche-Schuhe wir über uns durch die Gitter sehen können. Spannend. Wäre da nicht der WLAN-Router halb hinter der Verkleidung neben den Monitoren. Und der nächste WLAN-Router hinter der Treppe neben dem Moon-Jump. Und noch einer im Verzerrte-Perspektive-Raum. 

Shizuka stellt die Gretchenfrage: Papa, wie ist denn das mit dem Datenschutz, wenn hier alles ans Internet angeschlossen ist und überall WLAN-Router hängen? Da vorne sollte ich meinen Namen und meine Adresse angeben. Hier werden Bilder gemacht. Der Computer weiß, ob ich mit Mama und Papa da bin. Heißt doch im Klartext, dass jeder halbwegs geistesklare Jugendliche innerhalb von fünf Minuten herausfindet, wo er gerade halbwegs ungestört einbrechen kann, oder? Mit ein bisschen Gefiddel guckt der uns dabei live beim Klettern im Gerüst hier zu ... Mein Handy hat mir den ungesicherten WLAN-Zugang hier schon angezeigt.

Der Papa hat zu dem Thema seine ganz eigene Meinung: Niemand macht sich die Mühe, in den Computer eines Museums einzudringen. Nicht in Japan. Vor allem dann nicht, wenn es Kinderbilder, Adressen, Namen und die Aufenthaltsdaten von vielen, vielen Personen abzugreifen gibt. Völlig uninteressant und abwegig. Ungefähr so weltfremd wie dass jemand einen Fingerabdruck fälscht um damit ein iPhone zu knacken.*

Insgesamt war der Besuch mit den Kindern ein Erlebnis, von der Teslakugel über Mikroskope mit den entsprechenden Exponaten bis hin zu den unvermeidlichen "Wir machen Badewannen-Glibber-Glitzer-Schleim-Seife selbst" Workshop gab es alles. Es blieb der schale Beigeschmack, dass ausgerechnet ein Technikmuseum derart seltsame Kommunikationscomputer nutzt. Wo es doch darum geht, Kinder zu Technikverständnis zu erziehen und so.


* Zur Verteidigung muss man sagen, dass der Papa das WLAN zu Hause mit einem langen Zahlen-Buchstaben-Code geschützt hat, der so kompliziert ist, dass er selbst ihn immer wieder vergisst. Er glaubt per se schon an Sicherheit. Vor allem an Fingerabdrücke. Siehe CCC.

Samstag, 2. September 2017

Souveränität gewonnen

Die Sommerferien sind nun schon seit einigen Tagen vorbei, und sowohl die kleine Schwester als auch Shizuka sind wieder im Alltag angekommen. Die letzten beiden Wochen der Ferien haben die beiden übrigens in der Schule verbracht, es gab zum ersten Mal "Sommerschule" für sie. Zwei Wochen lang täglich von morgens bis in den Nachmittag hinein spielen, toben, Quatsch machen, basteln und mit anderen Kindern die Schule auf den Kopf stellen. Für viele Eltern ist das Sommerferienprogramm eine Möglichkeit, ihre Berufstätigkeit irgendwie mit dem Stundenplan der Kinder in Einklang zu bringen. Für die Lehrkräfte ist es eine Möglichkeit, Schule mal von der weniger ernsten Seite zu betrachten und mehr oder weniger fließend (okay, mit viel Organisationsaufwand und Nervenkitzel) aus den langen Sommerferien zurückzukommen. Und die Kinder? Die lernen Schule als Abenteuerspielplatz kennen. Wenn nämlich der Schulhof und der Spielplatz für Parcours genutzt werden, neben der Miniatur-Boulderwand plötzlich auch noch Slackline, Balanceboards, Wannen voller Wasserbomben und Bälle zum Balancieren stehen. Wenn im Mathe-Kursraum mit Holz, Leim und Farbe gewerkelt wird. Und im Klassenzimmer der 7b Nähmaschinen stehen, mit denen man kurze Hosen im Hawaiihemden-Look produziert. Auf den Fluren fanden Drehstuhl- Wettrennen statt. Die Schwimmhalle der Schule wurde zum Spaßbad. Und im Computerraum saß das Sommerschule-Blogger-Team und hat alles in vielen Bildern und wenigen Worten für die Eltern dokumentiert. In der Mittagspause durften Große und Kleine zusammen in der Mensa essen (Lecker!), und zum Abschluss gab es am letzten Nachmittag draußen eine große Party mit Wasserbombenschlacht. 

Was haben die Kinder mitgenommen?
Die kleine Schwester ist sehr souverän geworden. Sie durfte, da sie im letzten Kindergartenjahr war, an den Aktivitäten für Erstklässler teilnehmen und hat sich täglich einen Block im Spaßbad und einen Block Basteln und Werken.
Die große Schwester wollte an ihren motorischen Fähigkeiten arbeiten und hat den Nähkurs wahrgenommen und im zweiten Block mit Mama allerhand Mädchenkram gefilzt. 
Den dritten Block haben die Mädchen ohne Kurs im Freizeitraum verbracht, haben LTB gelesen, Tischkicker gespielt, sich bei Uno Extreme gegenseitig angeschrien und anschließend noch aufräumen geholfen.

Für die kleine Schwester war die Situation etwas schwierig, da sie kaum Kinder an der Schule kannte, in ihren Kursen erstmal unter Fremden war und dazu auch noch körperlich die Kleinste. Zwei Tage Katzenjammer, vor allem in der Mittagspause (sie musste alleine am Tisch essen, niemand wollte sich zu ihr setzen), danach war die Welt in Ordnung. Statt der großen Schwester hat sich die kleine Schwester einfach an eine der vielen neuen Freundinnen gehängt. Da sie mit ihrer zierlichen Statur auch bei Erst- und Zweitklässlern schon Beschützerinstinkte weckt, war sie gut versorgt und glücklich. Nach den zwei Wochen Sommerschule hat sie unglaublich viel Souveränität gewonnen. Sie bewegt sich frei in der Schule, kann auch an fremden Orten neuerdings alleine die Toilette aufsuchen und bestellt ihr Essen im Restaurant selbst. Enorm, was zwei Wochen Spiel und Spaß mit einer Fünfjährigen anstellen! Der Entwicklungssprung war einfach gigantisch.

Shizuka fand es einfach gechillt. Sie hat Schule nochmal entspannter als sonst erlebt, hat ihre Vorliebe für Comics entdeckt (Aber nur LTB!) und mit der Feinmotorik Frieden geschlossen. Außerdem findet sie Edgar Degas inzwischen recht abgefahren und steht (bedingt) auf Ballerinabilder. Ihre kurze Hose mit den riesigen Hibiskusblüten drauf wird allerdings vermutlich im Schrank verstauben. 
:-D 
Also auch hier ein Entwicklungssprung, aus der spröden Pipi Langstrumpf wird langsam eine auf ihre eigene Art feminine Ronja Räubertochter.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Chillen pur

Sommer in Deutschland ist irgendwie immer sehr viel entspannter als in Japan, trotz der vielen Aktivitäten. Und so war es auch in diesem Jahr:

- eine Woche Reiterferien

- jeden zweiten Tag in der Boulderhalle

- die Tage dazwischen im Freibad, wetterabhängig auch Hallenbad

- gefühlt fünfhundert Bücher ins Kinderzimmer geschleppt und wieder weggeräumt

- ausgiebig täglich am Klavier gesessen

- wenigstens fünf üppige Mahlzeiten am Tag genossen

- wandern und spielen mit dem Hund

- zelten im Garten mit einer Freundin

- täglich Omas Beerensträucher leerfuttern

- drei Kinderkreuzworträtselhefte gelöst

- Mario Kart auf der Wii U gelernt

- viermal bei der Post gewesen und jeweils eine Ladung Briefe, Karten und Päckchen abgegeben

- Skateboard und Fahrrad gefahren

- das Dorf mit Straßenkreide verschönert

- den Spielplatz wenigstens fünfmal heimgesucht

- im Garten Krocket und Fußball gespielt

- einen Tagesausflug zum Senckenbergmuseum in Frankfurt gemacht

- einen Nachmittag im Wildtierpark Gersfeld verbracht

- zwei Tage im Indoor-Spielplatz verbracht und wiedermal ausgiebig Mini-Golf gespielt

... und das alles in nur drei Wochen. Man sollte meinen, danach ist man urlaubsreif. War aber nicht, dazwischen war sogar noch Zeit für Shizukas Mama, ein neues Arbeitslaptop käuflich zu erwerben und einzurichten, sich einzuarbeiten, sich mit der erstmal nicht systemkompatiblen neuen externen Festplatte auseinanderzusetzen und einige alte Freundschaften zu pflegen. 

Der Trick des Sommerurlaubs scheinen die relativ kühlen Abende und Nächte zu sein. Während in Yokohama rund um die Uhr zwischen 25° und 30° c bei wenigstens 70 % Luftfeuchtigkeit herrschen, sinken die Temperaturen auch in heißen Sommerwochen in der Rhön immer noch auf moderate 10° bis 15° C. Der Schlaf ist erholsam, man startet ganz anders in den Tag. Und fühlt sich einfach fitter.

Übrigens durfte am Ende tatsächlich Shizuka am Reiterhof übernachten. Die kleine Schwester hat einen Rückzieher gemacht und fand das dann auch gar nicht schlimm, denn für die Nacht waren schwere Gewitter angesagt, die dann auch tatsächlich kamen. Geschlafen wurde in der Reithalle, die die Kinder erst noch reinigen und frisch einstreuen mussten. Derweil löschte der Gewitterregen schon den Grill ... Nächstes Jahr wieder, da waren sich alle Beteiligten einig. Und am Wochenende geht es dann zurück nach Japan, wieder via Peking.

Mittwoch, 28. Juni 2017

Wichtige Fragen geklärt – andere noch ungelöst

Die Ferien beginnen in zwei Tagen, und die ganze Familie ist entsprechend aufgeregt. Zeugnisse, letzter Tag im Kindergarten vor der zweimonatigen Pause (die Freunde der kleinen Schwester gehen noch zwei Wochen länger in den Kindergarten), Abschied von Freunden und Lehrkräften, Jahresabschlussfeier der Schule mit Ehrung der besten Schüler und Schülerinnen – es liegt einfach ganz viel an. Und dann müssen alle auch noch packen, denn der Flieger geht am ersten Ferientag, am Samstag schon. Die Kinder sind wirklich wuselig.

Was sie nicht wissen: Nicht nur der Patenonkel wird am Flughafen auf uns warten, sondern auch Oma, Opa und der Cousin. Bei der Oma am Urlaubsort werden außerdem einige Überraschungen auf sie warten. Die Kinder wachsen. Dementsprechend sind neue Reithelme und -stiefel nötig, wir brauchen Lernmaterialien für die Schule, Schulbücher und einen neuen Schulrucksack. Shizuka ist jetzt nach sechs Schuljahren aus dem alten Scout-Ranzen wirklich herausgewachsen und besteht auf einer etwas altersgemäßeren Verpackung für Bücher und Hefte. Außerdem ist Ferienliteratur nötig: Der Kindle ist zwar schon geladen, aber vor allem die kleine Schwester liest eben doch noch lieber auf richtigem Papier. Die erste Überraschung gab es schon zu Hause in Japan: Shizuka hatte für eine Übernachtung in der Schule einen neuen Schlafsack bekommen, weil der alte in Deutschland geblieben ist. Der Neue wird selbstverständlich mitgenommen und muss in den Koffer. Für die Reiterferien.* Neue Kletterschuhe für Shizuka sind aus Gründen des schnellen Wachstums ebenso nötig wie für die kleine Schwester und die Mama**.

Wer bei den Reiterferien übernachtet und wer nicht, wissen wir indes immer noch nicht. Es stehen auch noch einige Verabredungen aus: Freunde, die uns treffen wollen, Städte, die wir sehen wollen. Alles noch nicht organisiert. Was dagegen durchaus schon organisiert ist: Die Kinder wollen ganz oft schwimmen gehen und das jeweils nächste Schwimmabzeichen erwerben. Für Shizuka wäre das das goldene Jugendschwimmabzeichen, für die kleine Schwester das Seepferdchen. Mama muss auch ran: Wenn die Mädchen wirklich ausreichend üben, um die Prüfung abzulegen, muss Mama ein Schwimmabzeichen für Erwachsene machen. Der neue Badeanzug dafür ist schon gekauft***. Das allein war schon schwierig genug, denn die deutsche Mama hat nicht die richtigen Abmessungen, um in einen "richtigen" Schwimmanzug im japanischen Sportgeschäft zu passen. Und die seltsamen Bademoden, die die japanischen Plansche-Mamas tragen, sind zum sportlichen Schwimmen nicht wirklich geeignet.

Die Betreuung für Haus und Garten ist derweil auch schon organisiert: Shizukas Gurkenpflanzen und den Kartoffeln der kleinen Schwester wird es an nichts mangeln. Während eine Freundin der Familie eineinhalb Wochen lang die Pflege übernimmt, werden anschließend die japanischen Großeltern für die übrigen eineinhalb Wochen unser Zuhause als Ferienhaus nutzen und selbstverständlich die ersten Früchte im Garten ernten. 

Es warten auf jeden Fall spannende Ferien mit vielen Überraschungen und Herausforderungen auf uns.


* Und für eine Übernachtung im Zelt mit einer sehr, sehr guten Freundin, die Japan vor einem Jahr verlassen hat und die uns ein Wochenende lang in Deutschland besuchen wird. Oma hat ein Zelt besorgt, dass dann im Garten stehen wird, wir wollen gemeinsam in die Boulderhalle gehen und ins Freibad. Alles schon geplant, die beteiligten Kinder werden das allerdings mehr oder weniger als Überraschung erleben. 

** Die Mama ist natürlich nicht rausgewachsen, sondern hat ihre Schuhe in den letzten vier Jahren so intensiv genutzt, so dass die Sohlen sehr, sehr rund geworden sind. Der Mythos von La Sportiva ist immer noch ein Traumschuh, aber eben nicht in rund. Daher muss jetzt langsam etwas Kantigeres her, das hoffentlich wieder so lange hält. Oder länger. Denn die alten Finken werden selbstverständlich nicht entsorgt, sondern stehen als bequeme Treter weiterhin zur Verfügung. Falls die neuen mal drücken. Soll bei Kletterschuhen ja vorkommen. Abenteuer übrigens: Denn zum ersten Mal überhaupt haben wir Schuhe im Internet bestellt. Da wir Mädchen der Familie sehr pienzig sind, was die Passform angeht, ist die Frage natürlich: Sind die neuen Schuhe wirklich passend für den Fuß? große Spannung!

*** Nicht aus modischen Gründen, sondern weil der alte Anzug nach nunmehr sechs Jahren und wöchentlichen Schwimmbadbesuchen plus Gelegenheitsbaden im Meer auseinanderfällt. Taugt alles nichts mehr, das neumodische Zeugs ...

Dienstag, 20. Juni 2017

Abschied, schon wieder

Das Schuljahr ist fast zu Ende, und es haben sich wieder einmal überraschende Freundschaften ergeben. Und wie im letzten Jahr verlassen auch diesmal wieder einige Familien das Land. Shizuka ist nur von einem Fall betroffen, der aber doch für Trauer sorgt. Sie hatte in der Schule tatsächlich erste zarte freundschaftliche Bande geknüpft, das Mädchen kennen wir schon lange, die Familie wohnt in der Nähe, und der Lebensstil ist unserem vergleichbar. Besonders nett: Shizukas neue Freundin steckt in einer ähnlich angespannten Situation wie Shizuka selbst auch, wächst mehrsprachig auf, hat eine Klasse übersprungen, interessiert sich für extrem spezifische Themen und pflegt eine Ratte als Haustier – sehr liebevoll, und ganz ohne Scheu irgendwelchen Krabbelviechern gegenüber.  Ein frecher kleiner Feger, Neuem gegenüber offen und sehr bestimmt, was die eigenen Präferenzen angeht. Zum ersten Mal hat Shizuka eine Seelenverwandte getroffen, die auch noch auf ihrer Wellenlänge liegt  trotz dem enormen Drang zur Unabhängigkeit. Der Abschied fällt also wieder schwer, zumal die kleine Schwester diesmal auch trauert. Wir werden gemeinsame Schwimmbadbesuche, Spielenachmittage und herausragende musikalische Darbietungen vermissen.

Andere Veränderungen betreffen in erster Linie das Personal der Schule und sind mit weniger Herzschmerz als vielmehr dem Verlust kompetenter Pädagogen und Pädagoginnen verbunden.

Und noch ein Abschied steht an: Shizuka konnte aufgrund eines besonderen Projekts der Schule das Sprachlernprogramm Rosetta Stone ein Schuljahr lang kostengünstig nutzen und hat das für Englisch und Französisch intensiv getan. Mit dem ersten Juli läuft unsere Lizenz aus. Shizuka wird schon nervös, wenn sie an die Arbeitshefte, Vokabelhefte und Grammatiken denkt, die sie danach wieder zur Vorbereitung auf Klassenarbeiten und für den täglichen Vokabelspaß wird nutzen müssen. Wir hoffen immer noch, dass die Schule das Programm im kommenden Schuljahr wieder anbietet – so freudig habe ich noch nie ein Kind Vokabeln pauken sehen. Möglich wurde die Aktion wohl in der Zusammenarbeit mit der IJM Stiftung. Neben dem Sprachangebot von Rosetta Stone waren ein Mathe-Paukprogramm namens Better Marks und diverse Freizeitangebote mit der Initiative verbunden. Die Freizeitangebote klangen wirklich verführerisch, von Robotik-Camps auf hohem Niveau über Lego-Workshops und Philosophietage bis hin zu Walbeobachtungs-Expeditionen war wirklich alles dabei. Leider waren diese Angebote in erster Linie für in Deutschland ansässige Kinder und Jugendliche gedacht, an den deutschen Schulferien orientiert und außerdem aufgrund der sehr hohen Kosten für uns nicht nutzbar. Auch im Angebot des Junior-Studiums zeigte sich der extrem elitäre Gedanke der Initiative: Die monatlichen Gebühren dafür wären für uns nicht leistbar gewesen. Das Angebot ist ohnehin derzeit auf mathematische und wirtschaftliche Studiengänge beschränkt, so dass Shizuka dem nichts abgewinnen konnte. Sie war extrem enttäuscht davon, denn sie hatte sich nach dem tollen Einstieg über das Sprachprogramm sehr viel mehr erhofft. Wir sind neugierig, ob diese Fördermöglichkeit für begabte Schüler und Schülerinnen auf wirtschaftliche Interessen beschränkt bleibt und hoffen natürlich darauf, dass auch Menschen fernab kapitalistischer Interessen künftig derart gefördert werden können. Klingt etwas böse, ist auch genau so gemeint. ;-)

Dienstag, 13. Juni 2017

Komische Vögel

Shizuka und die kleine Schwester haben im Winter vorbildlich für das leibliche Wohl unserer gefiederten Freunde gesorgt. Das Futterhäuschen im Garten wurde regelmäßig neu befüllt. In den Bäumen waren kleine Töpfchen mit ゼリー (zerii, so eine Art Wackelpudding) für die kleinen grünen メジロ (mejiro, wörtlich Weißauge, kleiner grüner Vogel mit weißem Ring um die Augen) verteilt. Die Tiere trinken normalerweise Blütennektar und fressen Obst, informierten sich die kleinen Damen im Vorfeld. Für die Meisen gab es Sonnenblumenkerne, für die Tauben Mais, für ムクドリ(mukudori, japanische Stare) und ヒヨドリ (hiyodori, Orpheusbülbül) hingen aufgeschnittene Äpfel und Orangen in den Bäumen. Zusätzlich gab es getrocknete Mehlwürmer in kleinen Futternäpfen am Gartenzaun und Getreidemehl für die kleineren Vögel unbekannter Vorlieben. Die Spatzen flitzten überall dazwischen herum, manchmal kamen Rotschwänzchen in den Garten. Ab und an besuchte uns die Blauelster aus dem nahen Park. Nur die Krähen blieben fern, das Futter war nicht so ihre Sache. Im 和実 (wajitsu, traditionell eingerichteter Raum) hing ein Plakat vom Nabu an der Wand mit den verschiedenen sinnvollen Futterarten für jede Vogelart. Das war zwar auf die in Deutschland heimischen Vögel zugeschnitten, aber das japanische Federvieh scheint zumindest ungefähr den gleichen Geschmack zu haben. 

Die Tiere hatten das Futterangebot dankbar angenommen und beglückten uns täglich von Morgendämmerung bis spät in den Abend mit regem Partybetrieb im Garten. Besonders dreist waren die Spatzen: War das Futterhäuschen leer, untersuchten sie es erst innen und außen. Sehr akrobatisch und lustig anzusehen. War kein Futter mehr zu finden, flog jeweils einer (Der Sportlichste? Der Mutigste? Der in der Hackordnung Niedrigste?) vor die Scheibe des genannten 和実 und flappte aufrecht in der Luft stehend mit den Flügelspitzen gegen das Fliegengitter. Der Metallrahmen des Gitters schlug dann rhythmisch gegen den Metallrahmen vom Fenster, ein Heidenlärm also. Das wurde so lange gemacht, bis jemand in den Garten ging, um das Futterhäuschen aufzufüllen. Dann war Ruhe, die Spatzen futterten fröhlich weiter. Reagierte niemand, wurden die Vögel rabiater und flogen mit Anlauf gegen die Scheibe neben dem Fliegengitter. Das klapperte noch lauter, dazu kam das dumpfe Aufschlagen der kleinen Körper. Kein angenehmes Geräusch und allen bekannt, die schon einmal auf der Landstraße einen Vogel auf der Windschutzscheibe des Autos hatten.

Ende Februar war es dann mild genug, dass wir das Futter reduzieren und nur noch die nährstoffreichen Mehlwürmer und das Getreidemehl draußen hatten. Die メジロ saßen längst in Apfel- und Pflaumenblüten, die anderen Viecher klaubten sich langsam schon Insekten aus dem Boden. Im März kamen die Tiere zwar noch in unseren Garten, waren am Futter aber nicht mehr interessiert. Das Futterhäuschen wurde aber auch nicht zum Nestbau genutzt, ein paar gelangweilte Spatzen machten Turnübungen an der Unterseite des frei schwingenden Häuschens.

Und jetzt im Juni wurde es richtig interessant. Dank der feuchten Hitze wächst im Garten alles explosionsartig. Bedeutet: Einmal wöchentlich Rasen kürzen. Jeweils danach ist der Boden vor lauter wuselnden und futternden Vögeln kaum zu sehen. Da werden Käfer, Würmer, Fliegen, Maden, Larven, Asseln und Schnecken gepickt. Die ein oder andere Ameise musste sicherlich auch dran glauben. Wenn es nach dem Mähen auch noch regnete, ist die Fressorgie perfekt. Und vor unserer Haustür sammelten sich in den nächsten Tagen tote Krabbelviecher. Halbe und Dreiviertel Regenwürmer, Asseln mit gebrochenem Panzer und so mancher Käfer ohne Kopf lagen plötzlich auf den weißen Fliesen. Shizuka und die kleine Schwester fanden das erst einmal extrem ekelig. Man öffnet die Haustür und sieht auf einen Tierfriedhof! Und noch etwas passierte. Auf dem braunen Geländer zur Straße hin war neuerdings weißer Schmier zu sehen: Da halten sich eindeutig Vögel auf. Warum jetzt plötzlich? Warum die toten Viecher?

Shizuka hat ein bisschen recherchiert und ist auf eine interessante Sache gestoßen. Es scheint, dass Vögel ein recht ausgeprägtes Gedächtnis haben und tatsächlich mit Menschen interagieren, wenn sie ihre Nähe gewöhnt sind. Krähen und Elstern (schlaue Rabenvögel) bedanken sich mit glitzernden Fundstücken am Futterplatz für ihr Futter. In Zeiten von Nahrungsreichtum hinterlegen Wildvögel Beutestücke an bekannten Futterstellen. So wie die Freigänger unter dem Katzen ihre Besitzer manchmal mit toten Mäusen und Vögeln beglücken.

Shizuka und die kleine Schwester begannen, etwas genauer hinzusehen und auf Wetter und Mamas Gartenarbeitszeiten zu achten. Und da war ein Muster. Jedesmal, wenn gemäht wurde, häuften sich die toten Tiere vor der Haustür, und es gab neue weiße Flecken auf dem Geländer. Regnete es ein oder zwei Tage nach dem Mähen, wiederholte sich das Ganze. Um Fehler zu vermeiden, entfernten wir jeweils die toten Tiere, sowie wie wir sie bemerkten. Rundum auf den Stromleitungen: Stare und Bülbüls. Wir wurden beobachtet. Dem jetzt erst eingeweihten Papa kamen erst einmal Hitchcocks Vögel in den Sinn. 

Ist es undankbar, wenn wir die Futtergeschenke mit Handfeger und Schippe aufsammeln? Halten die Vögel das nun für unser Esswerkzeug? Dürfen wir die vom Schnabel abgesparten Gaben einfach im Müll entsorgen? Moralische Bedenken bei Shizuka und der kleinen Schwester. Die Vögel schienen aber nicht beeindruckt. Nach jedem Mähen lag der nächste Leichenhaufen vor der Tür.

Für Shizuka und die kleine Schwester ist klar: Im nächsten Winter wird im Garten wieder gefüttert. Wenn man dafür so viele Geschenke kriegt!