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Donnerstag, 21. November 2013

Winter???

Es ist jeden Morgen unglaublich kalt. Papa musste schon ein paarmal das Auto frei kratzen. Und die Sonne scheint nicht. Es regnet aber auch nicht. Warum schneit es nicht endlich? Es ist doch Winter! Wo bleibt der ganze Schnee, den man für einen Schneemann braucht? Ist es so kalt, dass der am Himmel festhängt?

Papa sagt auch, dass es furchtbar kalt ist. Mama sagt, dass es für Schnee noch nicht kalt genug ist. Ich will Schnee! 

Ob es in Japan schneit? Hm ... 

Schnee heißt auf Japanisch Yuki, und der Schneemann heißt Yuki-Daruma. Am Montag habe ich den Yuki-Daruma, den wir in der japanischen Schule letzten Winter gebastelt haben, im Fenster aufgehängt. Und Mama hat schon Meisenknödel und ein Futterhäuschen auf den Balkon gehängt. Und gestern hat sie einen ganz großen Stern aus Origami-Papier gebastelt. Sie sagt, der heißt Bascetta-Stern. Dreißig Blätter hat sie dafür gebraucht, und wenigstens zwei Stunden. Oder so. Einen Santa aus Origami hat sie auch schon gemacht, am Wochenende. Aber dafür hat sie nur ein Blatt Papier gebraucht.




Einen langen bilingualen Artikel über die aktuelle Wetterlage in Japan, Schneemänner und buddhistische Asketen gibt es im Schwesterblog Japanisch lernen mit Shizuka.

Mittwoch, 20. November 2013

Noch elf Tage ...

... bis zum ersten Advent. Und es hängt noch kein Adventskalender da, die Fenster sind noch nicht geschmückt, an der Haustür ist noch der Herbstschmuck. Noch nicht mal ein Adventskranz ist da! Dabei sind es doch nur noch elf Tage! Wann passiert hier endlich etwas? Letztes Jahr waren vor dem ersten Advent Engel in der Wohnung. Als Mama einkaufen war und ich in der Schule war. Das hat niemand mitgekriegt - und plötzlich war die ganze Wohnung geschmückt für Weihnachten! Ich bin gespannt, wie das dieses Jahr wird. 

Gestern haben wir in der Schule Einladungen für unsere Weihnachtsfeier gebastelt und mit nach Hause genommen. Die sind ganz selbst geschrieben. Mama sagt, da sind ein paar Fehler drin, aber das macht nichts. Sie hat sich sehr gefreut. Die Feier ist schon nächste Woche. In der japanischen Schule haben wir noch nichts für Weihnachten gemacht. Letztes Jahr, als ich noch in der Vorschule war, haben wir aus Kieferzapfen kleine Weihnachtsbäume gebastelt und aus einem Pappteller einen Schneemann gemacht. Ob wir das dieses Jahr auch machen? Letztes Jahr konnte ich den Kalender noch nicht so gut lesen ... Vielleicht haben wir da nur im Dezember gebastelt? Ich weiß das gar nicht mehr! Auf jeden Fall wünsche ich mir wieder ganz viel basteln und malen. Das macht Spaß. Mehr Spaß als Kokugo. Obwohl Kanji auch spannend sind. Ob es wohl ein Kanji für Santa gibt?

Freitag, 15. November 2013

Sankt Martin

Wir waren beim Martinszug, Mama, meine Schwester und ich. Das war schön - ein echter Martin ist auf einer großen Stute geritten. Ich glaube, das war ein Kaltblut. Die war wirklich groß! Ich hatte meine selbstgebastelte Laterne vom vorletzten Kindergartenjahr dabei. Meine kleine Schwester hatte auch eine Laterne. Wir haben die Geschichte von Sankt Martin und dem Bettler gehört und gesehen, gesungen und gebetet. Danach gab es heißen Kinderpunsch und Martinsgänse aus Hefeteig.

Auf dem Heimweg sind wir noch einkaufen gegangen. Mama hat an der Kasse mit einem Mann geredet. Der hat gesagt, dass er es toll findet, wenn Kinder zum Martinszug gehen. Er hat erzählt, dass in seiner Heimat Nordrhein-Westfalen alle Leute sagen, dass Kinder nicht mehr mit dem Kindergarten zum Martinszug gehen dürfen, weil das ja ein christliches Fest ist und nicht alle Kinder christlich sind. Mama hat gesagt, dass sie Toleranz und gemeinsames Lernen wichtiger findet als zu reden, was christlich ist und was nicht. Ich habe das nicht alles verstanden. Aber ich fand es schön im Kindergarten, wenn alle Kinder zusammen Laternen gebastelt haben. Und wir haben nicht nur christliche Feste gefeiert! Wir haben uns zu Halloween verkleidet. Und wir sind zusammen in eine Moschee gegangen und haben viel von Mohammed gehört. Und wir haben letztes Jahr in der Schule unser Sommerfest japanisch gefeiert: mit Origami und Wunschzetteln in den Bäumen. Ein echtes Tanabata Fest! Dabei bin ich das einzige japanische Kind in der Klasse. Meine Freunde fanden das alles ganz cool. Die dachten gar nicht, dass es doof sei, ein Fest zu feiern, das es im christlichen Deutschland nicht gibt. Für Kinder ist das alles so viel einfacher als für Erwachsene. Mama hat mir erklärt, dass das daran liegt, dass Erwachsene sich selbst so furchtbar wichtig finden und deshalb manchmal vergessen, sich zu entspannen. Für Kinder ist das einfacher, weil die noch nicht alles so ernst nehmen.

Papa hat gesagt, in Japan gibt es keine Laternenfeste im Herbst. Sankt Martin kennt dort niemand. Aber im Sommer, da gibt es Matsuri. Jede Stadt und jedes Dorf feiert im Juli oder im August ein Totenfest. Das heißt O-bon, und da werden auch viele Laternen angezündet. Mama hat erklärt, dass die Laternen die Toten nach Hause führen. Also, nicht die toten Leute, sondern die Seelen. Wenn Menschen sterben, dann lässt die Seele den Körper alleine und geht wieder zu Gott. Aber natürlich hat die Seele nicht vergessen, wen sie lieb hat - und einmal im Jahr dürfen die Seelen ihre Familie besuchen. Die Laternen leuchten in der Nacht und zeigen ihnen den Weg nach Hause. Das ist zwar anders als ein Martinsumzug, aber die Kinder können dann auch sehen, wie schön die Laternen in der Nacht aussehen. Und die Leute denken auch bei O-bon daran, anderen zu helfen. Wie Sankt Martin. Sonst würden sie die Laternen nicht aufstellen, um den Seelen den Weg nach Hause zu zeigen.

Montag, 11. November 2013

Ein kleines Geschenk zur Adventszeit ...

Shizuka ist wahnsinnig gespannt auf Weihnachten. Sie freut sich unheimlich, und natürlich wird sie während der Adventszeit Wunschzettel schreiben, viele Weihnachtsgeschichten lesen, Plätzchen backen und Christbaumschmuck basteln, Weihnachtsbriefe an ihre Freunde und Freundinnen in Deutschland und Japan schreiben. Und sie hat so viele Wünsche! Neue Reitstiefel, einen Holzschlitten, Bücher mit Pferdegeschichten, Filme von Studio Ghibli, einen neuen Skianzug und eine Klavierlehrerin will sie haben. Ob sie die Wünsche wohl alle erfüllt bekommt? Und vor allem: Wie ist das eigentlich mit dem Winter und Weihnachten in Japan, einem Land, das eigentlich gar nicht so viele christliche Traditionen kennt? Shizuka will das wissen und fragt. Ihren Papa. Ihre japanischen Großeltern. Ihre Cousinen in Japan. Und natürlich ihre deutsche Mama, die ein bisschen im Dilemma ist: "Mama, Jesus hat doch alle Kinder lieb und will sie beschützen und ihnen helfen und Weihnachten seinen Geburtstag mit ihnen feiern. Warum dürfen die Engel dann an Weihnachten keine Geschenke zu den japanischen Kindern bringen?"*



Begleitet Shizuka durch die Adventszeit. Es ist die erste, die sie in der Spannung zwischen christlichem Deutschland und buddhistisch-shintoistischem Japan bewusst erlebt. Sie macht sich viele Gedanken darüber, was in Japan anders ist als hier. Und was hier vielleicht gar nicht so viel besser läuft. Sie wird Euch ihre Gedanken und Fragen mitteilen, ihre Wünsche und Anregungen. Und sie wird sich auf Weihnachten vorbereiten, ohne ihre japanischen Freunde zu vergessen. Ab Ende November gibt es hier eine Art Adventskalender zum nachlesen, nachdenken, Bilder angucken, grübeln, beten, singen und basteln. Für deutsche und japanische Kinder - denn auf dem Geschwisterblog Shizuka no Nihongo wird es begleitend bilinguale Texte, Links zu japanischen Zeiten zum Thema und vieles mehr geben. Viel Spaß und eine gesegnete Adventszeit! (Die für uns gestern schon irgendwie angefangen hat, mit einem ganz besinnlichen Sonntag voller Martinslegenden, -liedern und einem himmlischen Basar.)



*Was antwortet man einer gläubigen, warmherzigen Siebenjährigen auf so eine Frage, ohne zu lügen und ohne dem kindlichen Enthusiasmus einen Dämpfer zu versetzen?

Montag, 21. Oktober 2013

Zwei Flugreisen und viele Bücher später ...

Wir haben es geschafft: Der Kindle ist beim Kind angekommen. Also, im Bewusstsein. Als Lesemittel. Die beiden Langstreckenflüge im Sommer und der damit verbundene zweiwöchige Auslandsaufenthalt ohne das heimische Bücherregal haben den Familienalltag gründlich durcheinander gewirbelt, denn natürlich brauchen alle Lesematerial. Und wer hat das? Natürlich Mama auf ihrem Kindle. Mama hatte wohlweislich schon vor dem Urlaub fünf Bücher für die Große, fünf Bücher für die Kleine und zwei Bücher für sich selbst geladen - die Kinderbücher wurden gebraucht, der Akku hielt, und Mama brauchte nicht zu lesen. Denn irgendein Kind hatte ständig Mamas Lesegerät in der Hand. Plötzlich waren alle schlechten Erfahrungen, das "blöde Gefühl" und "nicht blättern können" vergessen. Wozu so eine Flugreise doch gut sein kann ...

Wieder zurück in Deutschland meldete die ältere Tochter auch gleich Ansprüche an: Mama, ich brauch auch so ein Lesegerät. Für den nächsten Urlaub. Und die kleine Tochter meldete: Mama, das ist jetzt meins. Die Mädchen mochten nicht nur die Bücher aus dem Urlaub, sondern tatsächlich auch das zuvor verhasste Lesegerät. Zur Erinnerung: Ich bin Besitzerin des billigen, ganz einfachen Lesegeräts, das zwar mit elektronischer Tinte funktioniert, aber keine Farben bietet, nur Bücher transportieren kann und nicht einmal vernünftige Grauschattierungen zeigt. Wenige Knöpfe, übersichtlich, simpel.

Aufgrund der Funktionsprinzipien von Amazon, der Notwendigkeit eines Amazon-Kundenkontos und der damit verbundenen rechtlichen Implikationen werden beide Kinder keinen Kindle bekommen. Sie sollen ihre Bücher in Zukunft selbst verwalten - auch elektronisch. Wir werden also zu Weihnachten einen Wunschzettel schreiben und hoffen, dass das Christkind einen kinderfreundlichen E-Book Reader unter den Weihnachtsbaum legt. Für die Große. Denn die Kleine braucht noch mehr Bilder als Text, das muss weiterhin über Mamas Gerät funktionieren. Da sie noch kein Taschengeld bekommt, erübrigt sich die Eigenverwaltung der kindlichen Bibliothek ohnehin.

Was genau stört mich bei Amazon? Die E-Books, die man bei Amazon für den Kindle erwirbt, erwirbt man nicht. Man erwirbt die Erlaubnis, die Schriften auf unbestimmte Zeit lesen zu dürfen - mehr nicht. Man kann nicht Teile davon ausdrucken, zu Zitierzwecken kopieren. Man kann das Buch nicht als "gebraucht" weiterreichen, ausleihen oder verkaufen. Es lässt sich auch nur vom Gerät entfernen, im Archiv bleibt es erhalten. "Wegwerfen" geht also auch nicht. Und wenn man sein Gerät verliert oder es gestohlen wird, kommt man dank dem bei Amazon angelegten Kundenkonto in Teufels Küche. Das ist alles andere als kinderfreundlich, von so etwas wie kundenfreundlich mal ganz zu schweigen. Für Kinder und Kinderbücher muss die Sache einfacher sein. Es sollte möglich sein, dass sich Kinder, online oder im Fachhandel vor Ort, auch ein E-Book einfach aussuchen, mit Mama den Kauf absprechen und das Buch mit dem Taschengeld kaufen können. Ohne Kundenkonto (Stichwort Kinder und Datenschutz), ohne Kreditkarte, PayPal oder sonstigen Firlefanz. Und ein Familienkindle ist auch keine Lösung, denn es ist unmöglich, auf dem Gerät verschiedene Benutzerkonten anzulegen und den Benutzern nur selektiven Zugang zu den Büchern zu gewähren. Ein ganz banales Problem: Ich lese Thriller. Und Fantasy. Blutrünstige Geschichten, die oft genug außer Gewalt auch noch einen durchaus erwachsenen Zugang zur Sexualität bieten. Wenn ich meine Tochter auf dem Kindle lesen lasse und ihr nicht permanent über die Schulter lese, riskiere ich, dass sie auf der Suche nach neuem Lesefutter das falsche Buch erwischt und liest, was nicht für sie bestimmt ist. Nicht ganz ungefährlich also - nicht, weil ich mir dafür schäme, was ich lese, sondern vielmehr, weil es den Kinder- und Jugendschutz aus gutem Grund gibt. Schließlich ist die hardboiled Literatur zu Hause auch nicht in Kinderhöhe im Regal. Es spricht also nun trotz aller guten Erfahrungen und der Menge an verfügbarer Kinderliteratur in meinen Augen eine ganze Menge gegen den Kindle. Oder sagen wir mal, gegen den Kindle in Kinderhänden.

Was heißt das nun für die Kinderbücher? Nun, der Markt wächst. Es sollte in den nächsten paar Jahren durchaus möglich sein, auch außerhalb von Kindle und Amazon Kinder- und Jugendbücher im elektronischen Format zu finden, und dazu will ich gerne beitragen. Wie vor einem Jahr ist mir das Format noch nicht klar, die Plattform noch nicht klar, die Arbeitsweise nicht klar. Klar ist mir eigentlich nur, dass ich die Geschichten von Shizuka elektronisch zur Verfügung stellen will, auf dem ein oder anderen Weg. Ich werde die Zeit nutzen und sehen, welche Formate und Firmen eine Tendenz zu Kinderliteratur zeigen. Und natürlich muss das Ganze leicht zu veröffentlichen sein, denn ich will nicht wieder von Verlag zu Verlag tingeln und nach zwei Jahren und vielen Briefmarken, Anschreiben, Telefonaten und Seelenverkaufsverträgen resignieren. Umgekehrt traue ich mir auch nicht zu, alles komplett in Eigenregie zu erledigen. Das ist schon einmal halbwegs gut, halbwegs schief gegangen - diesmal soll es keine halbe, sondern eine ganze Sache werden.