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Montag, 22. August 2016

Technik oder Was hilft gegen Heimweh?

Ein paar Tage lang war der beste Ehemann von allen nun mit Shizuka und der kleinen Schwester bei seinen Eltern zu Besuch. Mama durfte zum ersten Mal seit fast zehn Jahren Zeit für sich verwenden, genauer gesagt, für den Abschluss des Zweitstudiums. Shizuka und ihre Schwester verabschiedeten sich mit gemischten Gefühlen: Vier Nächte ohne Mama? Ob der Papa das übersteht?

Tat er. War gar kein Problem. Shizuka hatte ihr Handy dabei und feuerte fast stündlich Nachrichten nach Hause, um der schnell entnervten Mama mitzuteilen, dass der Papa noch tapfer sei. Und die kleine Schwester trug eifrig Sprachnachrichten, Fotos, kurze Videotelefonate und selbstgejohlte Lieder bei. Den jeweiligen Stimmen im Hintergrund nach zu urteilen nutzten die japanischen Verwandten das permanente Palaver, um ein paar Sätze Deutsch zu lernen. Scheinbar wurde Shizukas plötzliche Technikaffinität mit Humor genommen.

Fazit: Es gibt nichts besseres gegen Heimweh als ein Smartphone. Und Action: Zwei Schwimmbadbesuche, einmal Boulderhalle, zweimal Strand, ein Filmabend, abendliches Feuerwerk und dann noch Zoo – und das alles in fünf Tagen. Als die drei wieder zu Hause waren, brauchte der arme Papa erstmal Urlaub. :-)

Dienstag, 2. Dezember 2014

Neue Schule - alles gut?

Shizuka hat die Schule gewechselt. Sie ist immer noch in einer deutschen Grundschule, sie ist immer noch in der vierten Jahrgangsstufe, sie ist immer noch sieben Jahre alt - aber plötzlich ist alles anders. Shizukas Papa ist nämlich nach Japan versetzt worden, und wir kommen jetzt in den Genuss einer exzellenten deutschen Auslandsschule, die sich der Begabtenförderung verschrieben hat und das auch, soweit ich das beurteilen kann, ganz gut hinkriegt. 

Wie funktioniert eine Grundschule, die unterschiedliche Begabungen fördert? Hier wird nicht nach Fächern getrennt gearbeitet, sondern nach Epochen. Eine Epoche im vierten Schuljahr ist die Erde, eine andere ist das Sonnensystem, eine weitere Epoche ist der Mensch, gerade wird Feuer behandelt. Zu diesem Epochenthema werden Wochenpläne erstellt - jede Epoche bekommt vier Wochen Raum im Unterricht. In diesen vier Wochen drehen sich alle Texte im Deutschunterricht um das Epochenthema, die mathematischen Themen dienen dem besseren Verständnis des Epochenthemas, der Sachunterricht beschäftigt sich mit Experimenten, Ausflügen, Erfahrungen und historischen Betrachtungen zum Epochenthema. Im Englischunterricht wird am Epochenthema gearbeitet, in Sport idealerweise auch. Im Musikunterricht sollte das auch so sein, funktioniert aber nicht, denn der folgt irgendwie eigenen Regeln und hat gerade, wo alle sich um das Feuer bemühen, Dur und Moll zum Thema. Passend werden allerdings in der einmal wöchentlich stattfindenden Chorstunde Weihnachtslieder von brennenden Kerzen am Baum gesungen, immerhin ist Adventszeit.

Das Besondere am Unterricht ist, dass die Kinder zum Teil gar nicht merken, was sie lernen und anwenden. Sie sind so auf die spannenden Projekte und Experimente fixiert, dass der Rest so ganz nebenbei läuft. Bis dann am Ende der Epoche die neu gelernten Wörter in einem Diktat abgefragt werden oder ein Aufsatz zum Thema geschrieben werden soll. Aber selbst der Aufsatz ist nett verpackt, der letzte zur Sonnensystem-Epoche hieß einfach: Schreibt jeder einen Artikel für die Schulzeitung über Euer Projekt in der Epoche Sonnensystem. Wenn Noten keine Rolle zu spielen scheinen, hat keiner Angst davor. Es scheint zu funktionieren, die Texte sind atemberaubend informativ geschrieben, fantasievoll und kreativ, und der rote Faden ist ebenfalls vorhanden - bei einem Anteil von etwa 50 % Kindern, die nicht muttersprachlich sind, ist das eine Leistung, die ich bewundere. Wie konnte das sein? Die Kinder wurden gut vorbereitet. Die Arbeit am Epochenthema sieht jeweils vor, dass jedes Kind sich ein Projekt aussucht, dass es selbst erarbeitet und der Klasse präsentiert. Die Präsentationen werden benotet, einmal im sprachlichen Teil für den Deutschunterricht, dann aber auch fachlich und organisatorisch für den Sachunterricht. Die Kinder wissen das, sie bereiten sich gewissenhaft auf die Projekte vor und sind eigentlich ganz firm in der Präsentation. Es gibt keine Powerpoint-Geschichten, sondern Bilder, Vorträge, Rätseleinlagen und witzige Experimente. Wer sich so tief in ein Thema reinkniet, der kann auch gut darüber schreiben. Die Kinder lernen ganz nebenbei, sich effizient und umfassend auf eine Prüfung vorzubereiten - ohne es zu merken. Während der Projektvorbereitung stehen iPads, Laptops, die Schulbücherei und natürlich der WLAN-Anschluss zur Verfügung. Eltern dürfen als "Experten" hinzu gezogen werden, Lehrkräften fragt man Löcher in den Bauch. Begleitet wird das von ganz normalen Lernmaterialien aus Deutschland, die in den meisten Grundschulen ohnehin verwendet werden.

Shizuka hat der Wechsel gut getan. Sie hat jetzt nicht mehr vier oder fünf Stunden Unterricht täglich, sondern sieben bis zehn Stunden. Sie isst mittags mit Klassenkameraden in der schuleigenen Cafeteria, an einem Buffet, das den Kindern die Wahl zwischen japanischen, deutschen und internationalen Gerichten lässt. Das ist täglich die fünfte Stunde, die als Schul- und Unterrichtszeit verpflichtend im Stundenplan steht. Eltern sind eingeladen, mit ihren Kindern zusammen zu essen, und die Lehrerschaft sitzt an einem eigenen Tisch daneben. Eine weitere Stunde täglich ist die sogenannte Lernzeit - die Kinder arbeiten unter lockerer Aufsicht an ihren Wochenplanaufgaben, die sie sich gegenseitig nachsehen und abzeichnen dürfen, wenn sie nicht Lehrer und Eltern bemühen wollen. Schön ist, dass diejenigen, die die Zeit effizient nutzen, ohne Hausaufgaben nach Hause kommen. 

Nach Unterrichtsende steht den Kindern die Bücherei offen, die es mit den meisten deutschen Stadtbüchereien durchaus aufnehmen kann. Computer und Internetanschluss sind vorhanden, Drucker dürfen genutzt werden, eine Spielecke mit Brettspielen gibt es und Zeitschriften für alle Altersstufen. Nicht wenige Kinder verabreden sich mit Klassenkameraden nach dem Unterricht in der Bücherei und lassen sich dort von den Eltern abholen. Gegenseitiges Vorlesen quer durch alle Klassenstufen scheint da genauso normal zu sein wie Eltern, die am eigenen Laptop arbeiten. Die Lernwerkstatt steht ebenfalls zur Verfügung - kostenlos können die Kinder bis um halb sechs abends betreut werden. Dort gibt es Spiele, Bücher, Bastel- und Malmaterial, einen großen Spielplatz und Einräder, Pedalos und wieder Projekte. Hier werden Tonfiguren gebaut, es wird gezimmert, gehämmert, mit Pappmaché gearbeitet und zusammen gesungen. Wer will, darf sich natürlich auch von hier aus in die Bücherei verabschieden.

Was macht Shizuka in der Freizeit? Montags sitzt sie in der Bücherei nach dem Schulunterricht und arbeitet an ihrem Projekt. Computer ohne Mama ist total cool, und sie arbeitet wirklich gut. Dienstags hat sie bis um halb fünf abends Schwimm-AG, damit ist der Tag gelaufen. Mittwochs geht es meist in die Bücherei (bis um kurz nach vier der Klavierunterricht an der Schule stattfindet), donnerstags hat sie früh Schule aus (schon um 14.00 Uhr) und will meistens auf den Spielplatz gehen. Und freitags will sie meistens auch in die Bücherei gehen. Freunde treffen, lesen, spielen, das ist einfach cool. Und wenn die Lehrer dabei rumhängen, stört das irgendwie nicht, denn die Lehrer hier sind in vielen Fällen die Eltern von den Klassenkameraden. Samstags ist keineswegs Wochenende, samstags trifft sich Shizuka im Aikido in der Schule mit anderen Eltern und Kindern oder geht im schuleigenen Schwimmbad schwimmen. Oder tritt mit dem Schulchor auf. Und sonntags sehen wir die Hälfte der Schulgemeinde wieder in der deutschen katholischen Gemeinde, auf dem Adventsbasar oder auf den wohnortnahen Spielplätzen. Das stört aber irgendwie gar nicht, denn die Leute trennen nicht zwischen Schule und Privatleben. Sie leben einfach. Und Shizuka genießt das. Alles nur Menschen, alles okay.

Und ansonsten? Nun, die Hausaufgabenproblematik hat sich nicht gelegt. Alles, was außerhalb der Schule an drögen Abschreibaufgaben vorliegt, ist pfui bäh und wird bestmöglich ignoriert. Aber Kinder wie Shizuka sind nicht selten an dieser Schule, die Lehrer kennen die Problematik - Hausaufgaben dürfen mündlich erledigt werden, dürfen ganz liegen bleiben, solange die Ergebnisse in der Klasse stimmen und der Lösungsweg klar ist. Alles ganz locker. Und Shizuka spielt mit den Klassenkameraden. Und mit den Klassenkameradinnen. Sie hat Kinder gefunden, die zwischen elf und sechs Jahren alt sind und genauso ticken wie sie, manche sogar noch etwas krasser. Alle sind wenigstens zweisprachig aufgewachsen, die meisten beherrschen drei oder vier Sprachen, haben bisher in zwei oder mehr Ländern gelebt. Das Ergebnis ist, dass sie morgens freudig aufsteht, mit einem Lachen zur Schule geht und abends nicht die Bücherei verlassen will. Nach Hause gehen ist doof, wenn die Schule der Lebensmittelpunkt ist. Und Schule ist Lebensraum, nicht Zeit, die man absitzen muss. Neulich sagte die groß gewordene Kleine zu mir: Mama, es ist egal, ob es Wochenende oder wochentags ist. Hier ist Schule genauso spaßig wie Freizeit.

Und die Noten, die Klassenarbeiten? Die sind gut. Die rangieren zwischen eins und vier, wobei letzteres eigentlich nur Englisch betrifft. Warum so schlecht? Weil die Kinder in Japanisch und Englisch in altersgemischten Kompetenzstufen unterrichtet werden. Shizuka ist scheinbar in einer muttersprachlichen Klasse gelandet, kann aber dank des fast nur mündlichen Englischunterrichts in Deutschland nicht schreiben. In Japanisch sitzt sie auch bei den Muttersprachlern, sehr zur Freude des zuvor skeptischen Papas, der seine kleine Japanerin lieber in einer japanischen Grundschule gesehen hätte.

Freitag, 15. August 2014

Eine Welt bricht zusammen


Shizuka ist verzweifelt. Ihr Papa hat gerade angerufen um zu erzählen, dass sein Flug von Tôkyô nach Ôsaka gestrichen ist, dass sich sein Flug von Ôsaka nach Frankfurt um fünf Stunden oder mehr verzögern wird, weil Taifun Nr. 11 über Honshu hinweg in Richtung Inlandsee unterwegs ist. Es ist in Japan mitten in der Nacht, Mitarbeiter der involvierten Fluglinien sind erst in einigen Stunden wieder erreichbar – zu dem Zeitpunkt, wenn das Flugzeug eigentlich hätte abheben sollen. Shizuka sitzt in Heilbronn, es ist neun Uhr abends, und sie will einfach nicht schlafen. Sie weint, sie schreit, sie haut um sich, ist ganz offensichtlich sehr verzweifelt. Shizuka ist sieben Jahre alt und ihre Welt ist gerade zusammengebrochen. Eigentlich könnte ihr in Heilbronn doch recht egal sein, um welche Uhrzeit genau Papas Flieger in Ôsaka startet – er wird Sonntag oder Montag wieder zu Hause sein, es ist Sommer, sie hat Ferien, Papa hat Urlaub. Ist es aber nicht. Der Flieger startet nicht nach Plan, und das stresst sie ganz extrem.

Warum?

Weil Shizuka ein besonderes Kind ist. Sie ist keineswegs geistig behindert (die extreme Reaktion legt eine autistische Störung nahe – dem ist aber nicht so), sondern im Gegenteil recht gut beieinander. Shizuka gehört zu den wenigen Kindern, die hochbegabt sind. Nun sollte man meinen, dass diese frühreifen, sehr erwachsen wirkenden und überaus intelligenten Kinder auch „erwachsen“ reagieren würden, wenn so etwas passiert. Oder wenigstens so gleichgültig, wie man das von einem Kind erwartet.

Dem ist aber nicht so. Die neuere Forschung ist sich einig, dass hochbegabte Menschen nicht einfach nur schneller begreifen und Sachen einfach können. Früher nahm man das an, ohne weiter erklären zu können, was eigentlich Intelligenz ist, wie Informationen im Gehirn ankommen, verarbeitet werden und warum das so und nicht anders passiert. Inzwischen weiß man, wie genau das alles auf anatomischer Ebene passiert, kann die beteiligten Körperteile genau benennen (bis hinunter auf Zellebene), weiß um die chemischen Vorgänge im Körper und vor allem im Gehirn. Mehr noch: Man hat eine Ahnung bekommen, wie Begabungen oder Intelligenz funktionieren könnten. Ganz sicher nachgewiesen ist das noch nicht, denn Menschen sind doch Individuen, sie funktionieren trotz aller Gemeinsamkeiten unterschiedlich, und das kann Forschungsergebnisse durchaus beeinflussen. Einig ist man sich in fachlich kompetenten Kreisen jedoch, dass hochbegabte Menschen immer auch hochsensibel sind. Ihre Nerven geben mehr Informationen weiter als bei der Mehrheit der Bevölkerung, die normalerweise wirksamen Filter sind bei ihnen eben nicht so wirksam. Und die Informationen werden schneller weitergegeben, die Synapsen sind also dicker, durchlässiger, reagieren schneller und häufiger. Das führt zu einer Informationsflut im Bewusstsein wie im Unterbewusstsein, die unglaublich viel größer ist als das, was normalerweise da vonstatten geht. Und das löst eben auch manchmal Stress aus. Es wird vermutet, dass das, was gemeinhin als Autismus bekannt ist, eine Form der Hochintelligenz (und Hochsensibilität) ist, die weit jenseits der aktuell verfügbaren Messskalen ist und daher nicht festgestellt werden kann. Viele autistische Menschen, deren Besonderheit schwach genug ausgeprägt ist und die noch kommunizieren können und wollen, sind hochbegabt, und das ist auch schon länger bekannt.

Zu Shizukas Situation muss noch gesagt werden, dass der Papa am Sonntag frühabends in Heilbronn hätte ankommen sollen, um sich bis zum Montag in der Früh ordentlich ausschlafen zu können. Denn Shizuka wird am Montag spätvormittags 300 km von Heilbronn entfernt auf dem Reiterhof erwartet, fünfzehn Kinder machen dort Urlaub. Warum ist Papas Verspätung jetzt so schlimm? Genau – wenn der Flieger nicht fliegt, kommt der Papa später in Deutschland an, ist dank Zeitverschiebung und Nachtflug fix und alle, kann nicht in den Urlaub fahren, Shizuka kommt zu spät in den Reiterferien an. Was Erwachsene (die normal ticken) sich langsam nach und nach erschließen, ist alles sofort in Shizukas Bewusstsein präsent. Und mehr noch. Mama könnte Shizuka und ihre Schwester mit dem Zug bringen – wenn Mama nicht gerade eine verletzte Schulter hätte. Gepäck tragen ist nicht möglich. Taxi ist zu teuer, Fernbusse gehen am Sonntag nicht, und am Montag fährt der Bus erst nachmittags aus Heilbronn ab, zu spät, um pünktlich auf dem Hof fernab aller öffentlichen Verkehrsmittel anzukommen. Taifun über Honshu heißt, dass auch Tôkyô betroffen ist – wie geht es dem Papa? Wie geht es Oma und Opa, die auch auf der japanischen Hauptinsel wohnen? Was ist mit Papas Bruder und seiner Familie? Taifun in der Nacht – kommt Papa überhaupt heile bis zum Flughafen? Wenn der Taifun über das Meer fegt, gibt es bestimmt eine Flutwelle. Was ist mit Fukushima, ist das halbwegs sicher? Und vor allem: Wann kommt der müde Papa denn endlich nach Hause?

Wenn man versucht, alle diese Gedanken gleichzeitig zu denken, merkt man, wie anstrengend das ist. Shizuka „funktioniert“ immer so. Wenn Shizuka den Vollmond anhimmelt, tut sie das zwar genauso wie andere kleine Mädchen auch, sie starrt mit großen Augen halb ernst und halb schwärmerisch in den Himmel. Wenn man sie aber fragt, was sie da sieht, kommen die erstaunlichsten Antworten, und zwar alle auf einmal:

  • Das ist ein Planet, oder? Ich meine, wir wissen ja gar nicht, wie der Mond entstanden ist, aber die Gesteinszusammensetzung ist doch wie bei der Erde. Bis auf den Größenunterschied sind das doch eigentlich Zwillingsplaneten, die Erde und der Mond. Trabanten sind doch irgendwie anders zusammengesetzt, das Gestein und so.
  • Der ist gar nicht gelb, der ist eigentlich grau-weiß. Aber so rot wie heute sieht der total schön aus. Luftverschmutzung hat wenigstens eine gute Seite.
  • Meinst Du, die Astronauten haben bei den Mondlandungen Müll dort gelassen? So, wie die Leute im Park und auf Baustellen ihren Müll einfach in die Landschaft werfen? Mülleimer gibt’s dort oben doch gar nicht.
  • Ich würde gerne mal die Mondkrater hochklettern. Mit der anderen Schwerkraft macht das Klettern dort bestimmt viel mehr Spaß als hier in der Kletterhalle. Und einen Gurt und Seile brauchen wir dann auch nicht, oder?
  • So weit weg ist der gar nicht weg. Raumfahrer sind da relativ schnell mit der Rakete. Würd ich auch mal gerne machen.

Shizuka braucht keine drei Minuten, um das alles zu thematisieren. Ihr Sprechapparat funktioniert genauso schnell wie ihr Köpfchen. :-)

Aber zurück zum Thema. Shizuka reagiert so extrem aggressiv, weil sie schlicht überfordert ist von der Informationsflut, mit der ihr Gehirn sie konfrontiert. Sie ist nicht in der Lage, die vielen Gedanken alle auf einmal zu verarbeiten, die sind einfach alle da und betteln sehr laut um Aufmerksamkeit. Das ist vergleichbar mit einem Metal-Festival, bei dem alle Bands gleichzeitig auf ein und derselben Bühne spielen, und zwar jede Band ein eigenes Stück. Da kann man aber noch die Ohren zuhalten und weggehen – wenn die eigenen Gedanken einen mit so einer Kakophonie belästigen, geht das nicht. Die Folge sind Aggressionen, und die müssen irgendwo raus. Bei Shizuka fängt das in der Regel mit einem lauten Knurren an, dann folgt ein schriller Schrei, der in eine Art Pferdewiehern übergeht und in Schluchzen endet. Gleichzeitig drischt sie um sich, wenn es arg schlimm kommt. Meistens hat sie es während Knurren und Schreien schon bis zum Sofa oder zu ihrem Bett geschafft, so dass sie die Gedankenflut in ein Kissen hämmern kann. Manchmal schafft sie das nicht. Dann sind Mamas Unterarme und Fäuste willkommen, um die gröbste Wucht abzufangen. Wände, Fußboden und die Tischplatte mussten aber auch schon herhalten. Wenn gar nichts anderes in der Nähe ist, müssen die eigenen Arme und Beine einstecken, und sie hat auch schon mit dem Kopf auf den Boden geschlagen.

Es ist schwer, mit solchen Aggressionen umzugehen. Und das meine ich nicht nur aus Sicht der betroffenen Kinder. Auch für Shizukas Mutter ist es schwer, das auszuhalten. Sie hat lange Zeit nicht gewusst, warum Shizuka so aggressiv ist, warum sie sich selbst diese Schmerzen zufügt, so toben muss. Sie tut das nicht, weil sie ungezogen ist oder jemanden ärgern will. Sie kann einfach nicht anders. Von Eltern anderer hochbegabter Kinder hat sie inzwischen erfahren, dass das Verhalten normal ist. Dass sie alle sich Sorgen gemacht haben, weil ihre Kinder so aggressiv sind. Weil den Kindern das Ventil manchmal auch fehlt und die Autoaggressionen richtig schlimm werden, die Kinder sich ernsthaft verletzen. Die wenigsten sprechen darüber. Andere Kinder sind nicht so. Man wird manchmal schon schräg angeguckt, wenn das eigene Kind zu Hause „so ein Theater“ macht, wegen vermeintlicher Kleinigkeiten. Für hochbegabte Kinder sind es keine Kleinigkeiten, sondern jede unvorhergesehen Änderung ist eine mittlere Katastrophe. Zwischen wichtigen und unwichtigen Veränderungen können die Kinder (und manchmal auch Erwachsenen) in der akuten Situation nicht unterscheiden, sie sind viel zu gestresst.

Shizuka und ihre Mama konnten das am Samstag Abend entschärfen. Mama hat mit Shizuka online japanische Medien nach Berichten zu dem Taifun in Frage durchforstet (alles halb so schlimm, hat sich schon über Shikoku und Kyûshû ausgetobt), haben die Route des Sturms nachgeschaut, nachgelesen, was Fluggesellschaften normalerweise in so einem Fall manchen (alternative Flüge ohne zusätzliche Kosten anbieten, wo möglich über alternative Flughäfen und Routen sogar zeitgleich). Die beiden haben sich dann darauf geeinigt, dass sie erst einmal den Sonntag Abend abwarten und schauen, was der Papa nach dem ersten Gespräch am Morgen mit den Fluglinienmitarbeitern zu berichten hat. Sollte der Papa am Sonntag noch ankommen, lassen sie ihn einfach am Montag ausschlafen und starten dann in den Urlaub – mit einem Anruf beim Reiterhof, dass Shizuka teilnimmt, aber später kommt (wegen einem Taifun über Ôsaka – ohne weitere Worte). Wenn der Papa noch später kommt, schlug Shizuka vor, könnten wir ja mit leichtem Gepäck für zwei Tage mit dem Zug fahren, dem Papa das übrige Gepäck in Heilbronn stehen lassen und ihn bitten, nach ausgiebig Schlaf und Erholung nachzukommen. Dann würde Shizuka sogar pünktlich sein.

Gegen zehn Uhr abends waren die Wogen soweit geglättet. Shizuka wollte nicht ins Bett gehen, sie war zu aufgewühlt und schluchzte immer noch hin und wieder. Sie zitterte noch, wollte nicht schlafen. Also haben sich Shizuka und ihre Mama aufs Sofa gesetzt (die kleine Schwester schnarchte da schon seit guten drei Stunden im Nebenraum, sie hatte sich durch Shizukas Ausbruch nicht stören lassen) und den Fernseher eingeschaltet. ZDF Kultur sendete Wacken live. Und zu den Klängen von Apokalyptica „Nothing Else Matters“ ist Shizuka innerhalb weniger Minuten eingeschlafen, mit einem entrückten Lächeln auf dem Gesicht und nachdem Mama ihr das Versprechen gegeben habe, sie zum nächsten Konzert der Gruppe, das in ihrer Nähe ist, mitzunehmen. Rolf Zuckowski? Langweilig!

Donnerstag, 24. Juli 2014

漢字は難しくない 。。。

Shizuka lernt Japanisch. Jeden Samstag geht sie brav zur Japanischen Schule, um drei Stunden lang Unterricht in der Landessprache zu haben, anschließend, so hat sie sich entschieden, gibt es noch eine Stunde Mathematik und eine Stunde Kendo. Shizuka liebt die Japanische Schule. Die ist im Unterricht zwar nicht besser als die staatliche deutsche Grundschule, die sie besucht. Es werden keine fortschrittlichen Lernmethoden, neuen Medien oder andere interessante Dinge genutzt. Aber Shizuka mag die Schule. Lernen macht Spaß, der Umgang mit den Kindern, die Japanisch mit ihr reden, tut ihr gut, und sie freut sich jeden Samstag vor allem auf die Mathestunde und Kendo. Hausaufgaben in Mathematik macht sie unheimlich gerne. Aber eben nur in Mathematik. Die Lesehausaufgaben sind auch kein Problem, aber beim Schriftzeichen lernen tut sie sich schwer. Übungsblätter, auf denen man die neuen Schriftzeichen immer und immer wieder schreiben soll, eingebunden in Geschichten, graphisch dargestellt, nach Aussprache oder wie auch immer, das ist ihr Ding nicht. Und dementsprechend geht sie oft genug ohne Hausaufgaben zur Schule, schneidet in den entsprechenden Leistungsabfragen schlecht ab und verspürt immer weniger Motivation, sich mit dem Erlernen der Schrift zu befassen. Klar, Japanisch ist nicht einfach - aber Übungsblätter sind Übungsblätter, und Lesen und Schreiben können ist etwas ganz anderes. Dachte sich Shizuka und schnappte sich letzten Sonntag eine Kiste mit 5 kg Dekosteinen aus Glas in allen Farben. Sie war eine halbe Stunde lang beschäftigt, dann prangte auf dem Wohnzimmerboden ein raumfüllender Satz (für Kenner: Sie brauchte zwei Tatami zum Schreiben, Originalmaße) in glitzernden roten, grünen, weißen und blauen Glassteinen, den wir bis zum Dienstag Abend nicht zerstören durften:

お父さんは大好きです!

Wer Ideen hat, wie wir Shizuka weiterhin beim Lernen ihrer Schrift unterstützen können, wo es kindgerechte, spielerische oder kreative Lernsoftware für Mac-User gibt, der darf sich gerne melden. Analog und kreativ ist zwar auch schön, erfahrungsgemäß hält die Begeisterung aber nicht lange an. Und es wird schwierig, die zwanzig Kanji, die jetzt jede Woche neu kommen, in unserem Wohnzimmer unterzubringen ...

Freitag, 20. Dezember 2013

Der Weihnachtsmann - oder Nikolaus?

Wir hatten gestern einen Lesetext in den Hausaufgaben, der war ziemlich cool. Es ging um ein Mädchen, das in der Schule von den Freunden erzählt bekommt, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Sie soll doch am Weihnachtsabend, kurz bevor der Weihnachtsmann zur Bescherung hereinkommt, mal in den Flur gehen und gucken, ob da wer ist. Ein Onkel, oder ein Opa oder so. Sie guckt, und sie sieht, wie ihr Papa sich einen langen weißen Bart umhängt und einen roten Pelzmantel anzieht. (Welches Tier hat roten Pelz? Warum sollte der Weihnachtsmann etwas aus totem Tier tragen?) Sie sagt dann: Na klar - mein Papa ist der Weihnachtsmann! Aber der wäre ja schön blöd, das ganze Jahr über als Weihnachtsmann herumzulaufen. Also verkleidet er sich mit Anzug und Hemd und Jeans. Armer Papa, kann nur am Weihnachtsabend einmal im Jahr er selbst sein. Und immer dann, wenn die Klassenkameraden künftig erzählen, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt, muss das Mädchen lächeln und denkt ganz heimlich und leise bei sich "Wenn Ihr wüsstet ..."

Ich mag die Geschichte. Es gibt natürlich keinen Weihnachtsmann - das glauben nur die Amerikaner. Die nennen den Santa. Aber wenn es ihn gäbe, dann wäre das doch so voll korrekt. Der Weihnachtsmann ist bestimmt nicht so dumm und läuft das ganze Jahr über als Weihnachtsmann herum. Der weiß bestimmt, dass es besser ist, wenn er sich verkleidet. Sonst würden ihm die Leute immer auf den Keks gehen. Und nach Geschenken fragen. Und Fotos mit ihm machen wollen und so. Außerdem sind Zottelbart und Pelzmantel im Sommer total unpraktisch. Wenn es den Weihnachtsmann also gäbe, wäre das bestimmt ein ganz normaler Mann, der sich nur am Weihnachtsabend zu erkennen gibt.

Aber irgendwie ist doch jeder Papa, jeder Onkel und jeder Opa und jeder Bruder so ein bisschen Weihnachtsmann. Natürlich nicht, weil die Männer sich verkleiden können mit Bart und so. Sondern so halt. Jeder Papa erfüllt Wünsche. Jeder Papa achtet darauf, ob die Kinder sich gut benehmen und schimpft, wenn sie nicht artig sind. Und jeder Papa schenkt gerne. Und jeder Opa ist auch ein Papa. Fast jeder Onkel ist irgendwann mal ein Papa und später ein Opa. Und jeder Bruder kann später mal Papa, Onkel oder Opa oder alles drei werden. Rasieren müssen sie sich auch alle. Und wenn sie alt werden, werden die Haare weiß. Auch im Gesicht. Und jeder Papa will die Welt ein bisschen besser machen. Meiner zum Beispiel. Der hat vor zwei Jahren ganz viel Geld für Japan gespendet, wegen dem Erdbeben. Und letztes Jahr hat er ganz viel Geld ein Land in Südamerika gegeben, weil dort so viele Kinder keine Familie haben und auf der Straße leben. Davon wird ein Kinderhaus gebaut. Und dieses Jahr hat er ganz viel Geld auf die Philippinen geschickt, wegen dem Taifun. Damit die Menschen Essen und sauberes Wasser und Medikamente bekommen können. Mein Papa ist also auch ein Weihnachtsmann. Und Deiner? 


(Ist meine Mama eine Weihnachtsfrau, weil sie sowas auch macht?)

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Ein Baum!

Papa hat am Freitag einen Weihnachtsbaum gekauft. Einen ganz echten, lebenden Nadelbaum. Mama sagt, der heißt Nordmanntanne, aber ich weiß gar nicht, ob das wirklich ein Mann ist. Gibt es das, bei Pflanzen? So richtig meine ich, Männer und Frauen, die unterschiedlich aussehen? Ich glaube nicht.

Jedenfalls haben wir jetzt einen Weihnachtsbaum auf dem Balkon stehen. In einem Weihnachtsbaumständer, aber ohne Weihnachtsbaumschmuck. Normalerweise kommen nachts, wenn wir schlafen, kurz vor Heiligabend ein paar Engel zum offenen Fenster herein und schmücken den Weihnachtsbaum für uns. Wenn wir am nächsten Morgen wach werden, steht der fertig geschmückt im Wohnzimmer. Die Lichter dürfen wir allerdings erst am Heiligabend anmachen. Sagt Mama. Dieses Jahr waren die Engel noch nicht da. Ich will auch gar nicht, dass die kommen. Ich will den Baum diesmal selbst schmücken. Oder zumindest helfen. 

Mama hat gesagt, das ist okay. Aber nur, wenn wir schneller sind als die Engel. Wir haben vorsichtshalber schon einmal den Christbaumschmuck aus dem Keller geholt, damit die den da nicht finden. Der steht jetzt im Wohnzimmer. Und wir waren einkaufen. Weil meine kleine Schwester so furchtbar neugierig ist und alles immer anfassen und aufessen will, gibt es dieses Jahr keine Glaskugeln am Baum. Mama sagt, das ist doof, wenn wir Großen uns über den Baum freuen, und die Kleine kriegt nur geschimpft und darf nicht anfassen. Also haben wir ganz viele Strohsterne und Strohengel und Strohzapfen und Strohkugeln und Strohrentiere gekauft. Und einen Stern, der aus Weidenzweigen geflochten ist. Das sieht bestimmt total schön aus, wenn der Baum ganz mit Stroh geschmückt ist. Aber der glitzert und glänzt dann eben nicht so viel wie sonst. Die Glaskugeln reflektieren immer die Lichter von den Kerzen, und das fehlt dieses Jahr. 

Am Samstag dürfen wir den Baum vom Balkon herein holen, hat Mama gesagt. Ich freu mich schon so! Und ich werde ganz sicher ein Bild machen mit meinem Fotoapparat und das nach Japan schicken. Denn meine Oma dort hat keinen Weihnachtsbaum. In Japan gibt es nicht so viele Bäume, auf den ganzen kleinen Inseln ist nicht so viel Platz. Außerdem feiern die Leute in anderen Ländern Weihnachten ganz anders als hier. In Spanien gibt es auch keinen Weihnachtsbaum, haben wir in der Schule gelernt. Und in Griechenland kriegen die Kinder erst am Dreikönigstag Geschenke. Naja, bei uns gibt's da auch nochmal Geschenke - weil Papa am Dreikönigstag Geburtstag hat.

Sonntag, 15. Dezember 2013

Zeitzonen

In Japan ist es früher heute als hier. Also, wegen der Zeitverschiebung. Im Winter sind das acht Stunden Unterschied - wenn japanische Kinder morgens ihren Adventskalender aufmachen, dann liegen wir gerade erst im Bett und haben unser Gute-Nacht-Gebet gesprochen. Naja, bei großen Kindern zumindest. Ich geh früher ins Bett abends, nicht erst um zehn.

Überall auf der Erde gibt es die Zeitzonen. Wenn man die Erde sieht, dann kann man sich einen großen Apfel denken, der von oben nach unten, also vom Stiel bis zu den Haaren, in Schnitze geteilt wird. Vierundzwanzig Stück. Und jeder Schnitz ist eine Zeitzone. Das ist eigentlich ganz einfach, denn die Erde dreht sich ja, und da kann es gar nicht überall gleichzeitig hell und Tag sein - das braucht Zeit, bis sich so ein riesiger Ball wie die Erde einmal um sich selbst gedreht hat und die Sonne überall einmal hin scheinen konnte. Vierundzwanzig Stunden etwa. Voll logisch, dass es dann acht Stunden dauert, bis die Erde Japan von der Sonne weg und Deutschland hin gedreht hat. Im Sommer sind das nur sieben Stunden, denn in Deutschland werden zweimal im Jahr die Uhren um eine Stunde verstellt. In Japan nicht, und die Sonne weiß das auch nicht, und die Erde dreht sich deshalb nicht schneller oder langsamer. 

Aber praktisch ist das mit den Zeitzonen schon. Denn so haben die Engel am Heiligabend vierundzwanzig Stunden Zeit, um einmal um die Erde zu fliegen und die Geschenke zu verteilen. Wenn überall gleichzeitig Heiligabend wäre, könnten die das nicht schaffen. Also fliegen die einfach mit der Sonne, oder eher mit der Dämmerung, denn die Geschenke gibt es ja spätnachmittags, abends oder nachts, wenn die Leute in der Christmette sind. Und mit dem Adventskalender funktioniert das auch so, und mit dem Nikolausstiefel. Glaube ich. Aber in manchen Ländern kriegen die Kinder auch erst am Dreikönigstag Geschenke - da haben die Engel am sechsten Januar noch mal richtig viel zu schaffen. Bei uns nicht, denn am sechsten Januar hat nur der Papa Geburtstag, und für die Geschenke sind Mama und ich da. 

Freitag, 6. Dezember 2013

Schokolade für alle!

Der Nikolaus war da. Letzte Nacht. Wirklich! Mama hatte etwas Sorge, ob er bei dem Sturm über Deutschland durchkommt, weil der doch mit seinen Engeln draußen unterwegs ist und gestern Abend schon in den Nachrichten für Norddeutschland ganz viel Sturm gezeigt wurde. Trotzdem - unsere Stiefel waren gefüllt. Die Engel sind also entweder sturmfest (warum auch nicht, geschlossene Türen und Fenster stören sie ja auch nicht), oder sie haben eine gute Wetterkarte. Ich glaube ja, dass die ganz geschickt vor dem schlimmsten Sturm hergeflogen sind, hier im Süden. Mama hat mir im Internet gestern die Seite von der Unwetterzentrale gezeigt, und da konnte ich sehen, wie sich der Sturm nach Süden bewegt. Für Engel sollte es einfach sein, da vorneweg zu fliegen. Die sind ja schnell und so. In Norddeutschland waren die dann wahrscheinlich erst heute morgen, gerade bevor es hell wurde. Nach dem Sturm nämlich.

Sogar Papa hatte heute morgen etwas im Schuh! Im Turnschuh. Und der hat auch einen Schoko-Nikolaus gekriegt! Ich habe dem Nikolaus gestern Abend einen Wunschzettel in meinen Stiefel gelegt: Bitte ein Buch mit Pferden. Das stand da drauf. Naja, vielleicht war das ein bisschen spät für den Wunsch. Ob der wohl Weihnachten in Erfüllung geht? Denn ein Buch gab es heute wohl, aber ohne Pferde.

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Stiefel putzen

Heute, zum Nikolausabend, gibt es mal keine Gedanken von Shizuka. Shizuka ist nämlich beschäftigt. Shizuka putzt nämlich Stiefel. Ihre Gummistiefel, die Gummistiefel von ihrer kleinen Schwester, und die von ihrer Mama. Papa hat keine Gummistiefel. Papa glaubt auch nicht, dass der Nikolaus ihm etwas bringt. Trotzdem hatte Papa letztes Jahr einen Schokoladennikolaus und ein paar Nüsse in seinem Hausschuh liegen. Shizuka hat die gefunden und hat den Papa gleich geschimpft: Du musst am Nikolausabend doch einen geputzten Stiefel rausstellen! Warum machst Du das nicht einfach?! Papa hat gesagt, dass ihm der Nikolaus nie etwas gebracht hat. Auch als Kind nicht. Shizuka fragte: Hast Du denn einen Stiefel rausgestellt? Papa sagte: Nein, natürlich nicht. Wozu auch? - Na, damit Du ein Geschenk kriegen kannst! 

Ob Papa wohl dieses Jahr seine Hausschuhe entfusselt und ordentlich aufstellt? Wir sind gespannt. Ich auch. 

Ich wünsche Euch allen einen schönen Nikolausabend, morgen gefüllte Stiefel und viel Glauben! Gruß von

Shizukas Mama