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Freitag, 6. Dezember 2013

Schokolade für alle!

Der Nikolaus war da. Letzte Nacht. Wirklich! Mama hatte etwas Sorge, ob er bei dem Sturm über Deutschland durchkommt, weil der doch mit seinen Engeln draußen unterwegs ist und gestern Abend schon in den Nachrichten für Norddeutschland ganz viel Sturm gezeigt wurde. Trotzdem - unsere Stiefel waren gefüllt. Die Engel sind also entweder sturmfest (warum auch nicht, geschlossene Türen und Fenster stören sie ja auch nicht), oder sie haben eine gute Wetterkarte. Ich glaube ja, dass die ganz geschickt vor dem schlimmsten Sturm hergeflogen sind, hier im Süden. Mama hat mir im Internet gestern die Seite von der Unwetterzentrale gezeigt, und da konnte ich sehen, wie sich der Sturm nach Süden bewegt. Für Engel sollte es einfach sein, da vorneweg zu fliegen. Die sind ja schnell und so. In Norddeutschland waren die dann wahrscheinlich erst heute morgen, gerade bevor es hell wurde. Nach dem Sturm nämlich.

Sogar Papa hatte heute morgen etwas im Schuh! Im Turnschuh. Und der hat auch einen Schoko-Nikolaus gekriegt! Ich habe dem Nikolaus gestern Abend einen Wunschzettel in meinen Stiefel gelegt: Bitte ein Buch mit Pferden. Das stand da drauf. Naja, vielleicht war das ein bisschen spät für den Wunsch. Ob der wohl Weihnachten in Erfüllung geht? Denn ein Buch gab es heute wohl, aber ohne Pferde.

Kleine Engel*

Mama liest uns im Advent abends immer Geschichten vor. "Kleine Engel" hat sie sich letztes Jahr selbst ausgedacht. Das ist meine Lieblingsgeschichte! Deshalb dürft Ihr die auch lesen. Zum Teil zumindest, denn die ist noch nicht fertig. Sagt Mama.




Engel sind wohlerzogen. 
Sie sind immer sauber. 
Sie tragen weiße Hemden, sind gekämmt und rasiert. 
Engel waschen sich jeden Morgen und jeden Abend. (Das ist eigentlich Unsinn, denn im Himmel ist es sauber. Engel werden nicht schmutzig.) 
Engel sind gehorsam. Engel passen auf sich auf. 
Und auf ihr Hemd. 
Alles ist sauber und weiß im Himmel.


Eigentlich ist es schrecklich langweilig im Himmel. Immer muss man sich ordentlich benehmen. Man muss für alles anstehen, freundlich sein. Saubere und ordentliche Kleider tragen. Mn muss das tun, was alle tun. Alles folgt festen Regeln. Langweilig!

Ich bin anders als die anderen Engel, glaube ich. Ich mag nicht das machen, was alle anderen machen. Denn das ist langweilig. ich mag nicht immer nur weiße Hemden tragen. Und sauber sein. Ich bin Carmino. Carmino wie Karmesinrot. Aber nichts ist hier Karmesinrot. Nicht einmal ich. Mein Hemd ist weiß wie alle anderen - meistens. Ich muss auch tun, was alle tun. Ich muss bei meiner Gruppe bleiben. 

Ich bin immer der Letzte. Überall bin ich zu spät. Und ich werde ausgeschimpft. Du musst dies machen, Du musst das machen. Tu, was die anderen tun. Tanz nicht immer aus der Reihe. Pah! Das ist doof!

Auf der Erde war es schöner. Hier im Himmel, da ist nichts. Engel. Wolken. Alles weiß. So langweilig!

Engel haben nichts zu tun. nur der Fernseher steht herum. Ich mag nicht immer nur fernsehen. Ich male ein Bild. Das macht mehr Spaß. Ich male oft Bilder, wenn mir langweilig ist. Aber eigentlich malen Engel nicht. Zum Malen braucht man Farben. Im Himmel ist alles weiß.

Oh, mein Hemd! Soviel Farbe ... Das gibt Ärger. Das sollte ich besser ausziehen.



* Die Geschichte "Kleine Engel" ist hier nur in Auszügen wiedergegeben. Sie ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht kopiert werden. Wer die Geschichte zum Vorlesen in kleinem Kreis haben will, wer seine kleinen Engel zu Hause oder die Schulklasse im Deutschunterricht damit verzaubern will, der darf das - ich bitte um eine Mitteilung, dann gibt es die ganze Geschichte im Format .pdf. Per E-Mail. Kommerzielle Nutzung verbitte ich mir. Bei Interesse bitte die Kommentarfunktion nutzen - Mail-Adressen werden nicht veröffentlicht, sondern nach Sendung der Geschichte gelöscht.

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Stiefel putzen

Heute, zum Nikolausabend, gibt es mal keine Gedanken von Shizuka. Shizuka ist nämlich beschäftigt. Shizuka putzt nämlich Stiefel. Ihre Gummistiefel, die Gummistiefel von ihrer kleinen Schwester, und die von ihrer Mama. Papa hat keine Gummistiefel. Papa glaubt auch nicht, dass der Nikolaus ihm etwas bringt. Trotzdem hatte Papa letztes Jahr einen Schokoladennikolaus und ein paar Nüsse in seinem Hausschuh liegen. Shizuka hat die gefunden und hat den Papa gleich geschimpft: Du musst am Nikolausabend doch einen geputzten Stiefel rausstellen! Warum machst Du das nicht einfach?! Papa hat gesagt, dass ihm der Nikolaus nie etwas gebracht hat. Auch als Kind nicht. Shizuka fragte: Hast Du denn einen Stiefel rausgestellt? Papa sagte: Nein, natürlich nicht. Wozu auch? - Na, damit Du ein Geschenk kriegen kannst! 

Ob Papa wohl dieses Jahr seine Hausschuhe entfusselt und ordentlich aufstellt? Wir sind gespannt. Ich auch. 

Ich wünsche Euch allen einen schönen Nikolausabend, morgen gefüllte Stiefel und viel Glauben! Gruß von

Shizukas Mama

Sonntag, 1. Dezember 2013

Das erste Türchen

Das erste, was ich heute morgen gemacht habe, war, den Adventskalender aufzumachen. Ein Stempel! Groß, aus Holz, mit einem Reh im Wald drauf. Und Mond und Sterne. Das ist schon irgendwie ein bisschen komisch, denn bisher habe ich im Winter keine Rehe gesehen, sondern nur im frühen Herbst. Das hat Punkte auf dem Rücken, ist also bestimmt noch ein Kitz. Im Winter? Ich dachte, die werden im Frühling geboren! Meine Schwester hatte auch einen großen Holzstempel in ihrem Kalender, mit einer Familie Wildschweine drauf. Die kenne ich aus dem Wildtierpark. Aber ich glaube, die Frischlinge haben jetzt auch keine Streifen mehr ...

Wir haben jedenfalls ein ganz großes Stempelbild gemacht. Ich habe viele Stempelkissen in verschiedenen Farben, und meine Schwester und ich haben wenigstens einen halben Tag auf dem Boden gesessen und gestempelt! Dann haben wir noch Glitzerpulver auf das Bild gemacht und mit Glitzerstift dazugemalt. Irgendwie waren am Ende gar keine von den neuen Stempeln zu sehen, sondern nur meine alten Stempelbilder. Hm. Aber das hat alles geglitzert wie Schnee! Hoffentlich schneit es bald.

Papa hat Oma in Japan auf dem Computer angerufen, und wir haben lange geredet und Quatsch gemacht. Videotelefon, Papa nennt das Skype. Die Wohnung sieht aus wie immer, da ist gar kein Weihnachtsschmuck gewesen. Das war schon irgendwie komisch, wo doch bei uns überall Sterne und Engel und so sind. Oma hat auch nichts von Weihnachten und Adventskalender erzählt. Ob die das überhaupt kennt? In Japan gibt es so viele Sachen, die es hier nicht gibt. Vielleicht gibt es hier ja auch Sachen, die es dort nicht gibt? Aber das wäre schon traurig, wenn die Japaner alle kein Weihnachten kennen. Das macht doch Freude, die ganzen Lichter im dunklen Winter und die Kerzen und Sterne und die Geschichten jeden Abend und die Geschenke. 

Abends habe ich mit Mamas Handy mit meiner deutschen Oma telefoniert. Die hat meiner Schwester und mir einen Geschichten-Adventskalender mit dem Schlaufuchs geschenkt. Gestern gab es eine Geschichte über den Adventskranz. Ich habe mich bei Oma bedankt, und die hat sich gefreut. Meine deutsche Oma kennt Advent und Weihnachten, das weiß ich ganz sicher. Und bestimmt waren bei ihr auch schon Engel und haben die Wohnung geschmückt und überall Sterne und Kerzen aufgestellt.

Freitag, 29. November 2013

Was passiert da alles?

Als ich heute morgen aufgestanden bin, hat es nicht geschneit. Schon wieder nicht. Aber dafür ist über Nacht etwas anderes passiert: Mein Adventskalender ist da! Das ist sehr, sehr komisch. Den Adventskalender bringen die Engel. Zu jedem Kind. Naja, zu fast jedem Kind - bei manchen Kindern helfen die Eltern und kaufen einfach einen Adventskalender. Aber meine Mama macht das nicht, denn die sagt, dass die Engel viel bessere Ideen haben, was da drin sein soll. Ich habe mir dieses Jahr einen Adventskalender mit Büchern gewünscht. Oder mit Spielen. Oder mit beidem. Aber eigentlich fand ich auch Schokolade nicht so schlecht. Jetzt habe ich einen, wo alles mögliche drin ist. Denn die Engel haben den so schlappschludrig gepackt, dass die Hälfte der Geschenke oben rausguckt. Jetzt ist die Überraschung schon kaputt. Und bei meiner Schwester sieht das genauso aus - wir bekommen fast die gleichen Sachen. Ich glaube, die waren in Eile, sonst hätten die das besser hingekriegt. Wie soll ich denn jetzt Hausaufgaben machen, wenn neben dem Schreibtisch der Kalender hängt und ich die ganze Zeit da hin gucken muss? 

Noch etwas ist komisch. In den letzten Jahren waren die Weihnachtsengel immer tagsüber da, wenn ich in der Schule oder im Kindergarten war, Papa an der Arbeit und Mama in der Stadt unterwegs war. Dieses Jahr nicht. Die sind wohl mitten in der Nacht gekommen, denn gestern Abend sah es hier noch ganz normal aus. Als ich heute morgen dann wach geworden bin, konnte ich gar nicht über den Schreibtisch vom Hochbett klettern, denn da hing der Adventskalender. Der von meiner Schwester ist im Flur an der Wand, und im Wohnzimmer und an den Türen und Fenstern hängen überall Sterne und Engel rum. Ein Adventsgesteck liegt auf dem Wohnzimmertisch, und auf Papas Schreibtisch ist auch eine Weihnachtstüte mit Sternen drauf. Ob der auch einen Adventskalender bekommen hat? In Mamas Arbeitszimmer war alles beim Alten. Und die Vögel haben auf dem Balkon das Futterhäuschen aufgefüllt bekommen. Da sind jetzt Haferflocken und Nüsse drin, nicht mehr nur Sonnenblumenkerne. 

Ach ja, und dann bin ich auch noch zu spät zur Schule gekommen. Denn ich musste doch mit meiner Schwester alles angucken, was da über Nacht passiert ist in unserer Wohnung. Meine Lehrerin hat nicht geschimpft. Aber bei der Adventsfeier heute Nachmittag hat sie Mama gefragt, warum ich zu spät war. Mama hat das erklärt, mit den Engeln und so. Und das nächste Mal soll sie das auf einen Entschuldigungszettel schreiben, sagt meine Lehrerin. Ob die Engel dann so einen Zettel da lassen, wo draufsteht, dass sie da waren und ich deshalb zu spät bin? Beim Arzt krieg ich so ein Papier ja auch immer ...