Donnerstag, 28. April 2016

Umgezogen

Nein, nicht wir. Die Kraniche sind umgezogen. 

Inzwischen sind über 600 kleine Papierkraniche in 50er Päckchen auf Drachenschnur gezogen, mit einem bunten Köpfchen befestigt und aufgehängt worden. Da die bunten Puschel inzwischen recht groß sind, haben wir sie von der Kleiderstange vor dem Tatami-Zimmer weg in die Tokonoma gehängt, wo sich unsere Besucher regelmäßig daran erfreuen. Übernachtungskinder, Japanischlehrerin und Papas Freunde haben schon so viel Bewunderung geäußert, dass wir langsam überlegen, einen zweiten Satz Kraniche rein zu Dekorationszwecken zu gestalten. Natürlich erst, wenn diese ersten 1.000 Vögelchen in Ueno angekommen sind. Inzwischen sind es übrigens schon mehr als 900 Papierkraniche (ich komme gerade mit dem Auffädeln nicht hinterher). Da Shizukas kleine Schwester tatkräftig mithilft, werden wir die 1.000 vielleicht sogar noch vor den Sommerferien vollkriegen. 

Mittwoch, 27. April 2016

Tag 2 - Vivarium

Der erste Gang heute Morgen führte Shizuka noch im Schlafanzug in den Garten. Die Wetterstation war das Ziel. Sieben Uhr Ortszeit, windstill, kein Niederschlag, 19° C, leichte Bewölkung. Und die Cabomba sah glücklich aus.

Dabei hätte sie das gar nicht sein dürfen. Die gestrige Bettlektüre hatte uns nämlich gesagt, dass die eigentlich in Südamerika heimische Art nur Wasser mit dem pH-Wert 7 und 28° C mag und bei allem anderen eingeht. Viel Licht, Kalium im Wasser, ordentlich gedüngt, kein stehendes Wasser, und die einzelnen Stengel im Bund müssen auseinandergenommen und im Abstand von etwa 2 cm eingepflanzt werden. Haben wir alles nicht gemacht, bei uns saß der Bund aus dem Laden einfach in den Ziersteinen. In umgebungswarmem Leitungswasser. pH-Wert? Keine Ahnung. 

Daher war der heutige Tag dann auch ausgepflanzt: Das Pflänzchen musste gerettet werden. Wir fuhren also nach getaner Arbeit (Mama hat keine Ferien) wieder zu besagtem Laden und kauften ein. Ein echtes Aquarium war zu teuer, also musste ein kleiner Sammelbehälter für Käferchen und dergleichen her. 800 Yen, Fassungsvermögen fünf Liter. Dazu zwei Kilogramm Aquarienkies, feinkörnig, reine Natur, weiß und grün. Nochmal 400 Yen. Dann noch Mineraliensteine, 500 Yen. Zwei weitere Päckchen rote Ziersteinchen, 800 Yen. Kaliumdünger für Aquarienpflanzen, 1.400 Yen. Und zu Hause wurde gebastelt. Die Pflänzchen mussten aus der Colabuddel wieder raus, die wurde nun komplett mit den roten Steinchen gefüllt und in der Mitte des Vivariums platziert. Die Steinchen sind allerdings immer noch wasserbedeckt. Im Vivarium wurden Aquarienkies und Mineralsteine vermischt und um die Flasche herum verteilt, der Bund Pflanzen wurde auseinander genommen. Die Pflanzen wurden rund um die Flasche in den Kies gesteckt, das Ganze wurde mit Wasser aufgefüllt, und dann musste noch die Flasche nachgefüllt werden, denn die wollte nicht unten im Kies stehenbleiben. Zuviel Auftrieb - also doch wieder Wasser rein. Alles noch einmal von vorne, denn derweil sind die Pflänzchen wieder ausgebüchst, die hatten im bewegten Wasser auch zuviel Auftrieb. Am Ende stand dann doch alles, das Deckelchen kam wieder auf das Vivarium drauf, die Einfüllklappe wurde abmontiert und die Wetterstation wieder auf die Colaflasche geschraubt. Das schwere Gerät wurde im Garten wieder ausgerichtet, so dass alle Wetteranzeiger funktionieren. Shizuka ist zufrieden: Mama hat alles gezahlt, das Taschengeld blieb unangetastet. Und chic sieht die Wetterstation allemal aus ...

Übrigens haben wir noch herausgefunden, dass es eine weitere Art Cabomba gibt, die sehr viel toleranter ist, genauso aussieht und auch aus Amerika kommt ... Der Laden weiß nicht so genau, was er da verkauft. Wir werden also einfach ausprobieren, was wir da gepflanzt haben. 

Und morgen?

Shizuka will noch ein Barometer anbauen ...

Dienstag, 26. April 2016

Tag 1 - Langeweile

Nachdem die spannenderen Teile der heimischen und entliehenen Buchbestände während der letzten Tage schon ausgiebig durchdacht wurden, blieb heute Zeit für - Langeweile. Shizuka stand gegen acht Uhr auf und malte erst einmal einen Schwarm Schmetterling auf die Tafel im Flur. Danach war der Garten dran: Indoboard. Nach fünf Minuten kam sie wieder rein (Mama, ich hab doch keinen Bock). Das Einrad war an der Reihe. Diesmal dauerte es zehn Minuten (Mama, ist langweilig). Seifenblasen ... zehn Minuten. Rasen schneiden ... fünf Minuten. Skateboard ... hat es nichtmal bis zur Haustür geschafft. Rollschuhe? Keine Option. Hm. Doch Buch lesen? Laaaaangweilig!

Schließlich wurde sie dann doch noch aktiv. Knapp vor dem Mittagessen packte Shizuka die kleine Wetterstation aus, die sie eigentlich schon vor zwei Jahren in Deutschland auf dem Balkon aufbauen wollte. Heute also doch. Okay. Und dann überschlugen sich die Ereignisse ...

Mama, ich brauch ein Wörterbuch, die Anleitung ist Englisch!

Mama, eine PET-Flasche! Sofort! Halber Liter, leer!

Passt nicht! (Drei Flaschen von lokalen Herstellern ausprobiert, überall war der Schraubverschluss zu weit. Sogar das extra am nächsten Automaten nach Augenmaß gezogene Exemplar, das Mama "auf Ex" trinken musste, passte nicht.)

Moment, Papa hatte da doch neulich 'ne Colaflasche, die sind doch eigentlich weltweit gleich ... Passt! 

Schraubenzieher! ... Nee, kleiner! Kreuzschlitz!

Wasser!

Sand!

Bis zum Mittagessen hatte sie tatsächlich die kleine Colabuddel ausgespült, zum Teil mit Sand gefüllt, mit Wasser aufgefüllt und eine kleine Wetterstation aufgeschraubt, die aus Windrichtung- und Stärkeanzeiger, einem Thermometer, einem Kompass und einem Niederschlagsmesser besteht. Sie hatte das Ding im Garten nach Anleitung aufgebaut, schön im Freien, weit weg von Bäumen und Hauswand. Das Thermometer war an der Nordseite der Flasche angebracht, damit es sich in der Sonne nicht aufheizen würde. Nur ein Problem gab es nun noch: die Flasche. PET, ohne Zier, nur mit der graubraunen Sandmatsche drin. Unästhetisch. So eine Wetterstation, die muss doch was hermachen!

Und damit war klar: Den Nachmittag würden wir in der Aquaristik-Abteilung des örtlichen Wohnzentrums (eine Mischung aus Baumarkt und Inneneinrichter inklusive Zooabteilung) verbringen. Shizuka einigte sich schließlich auf eine Wasserpflanze namens Cabomba und ein Säckchen rot-orangenen Kies. Zu Hause angekommen, wurde das Zeug anstelle des Sands in die Flasche gefüllt. Wir haben also nun ein "Aquarium" ohne Fische im Garten. Ich bin gespannt, was morgen kommt. Als Bettlektüre wurde mir aufgetragen, alles verfügbare über die korrekte Pflege von Cabomba zu lesen ...

Montag, 25. April 2016

Ferientief

Am Donnerstag war der letzte Schultag, seitdem sind hier Ferien. Golden Week heißt das in Japan eigentlich, während dieser einen Woche fallen so viele Feiertage zusammen, dass das halbe Land kollektiv frei hat. Da von deutscher Seite auch noch Fronleichnam, Pfingsten und Christi Himmelfahrt irgendwie ferientechnisch verwurstelt werden muss, gibt es einfach zweieinhalb Wochen Ferien, und damit ist die Sache abgegolten. Immerhin fehlen ja auch die japanischen Schuljahresendeferien im März, da die Deutsche Schule tatsächlich deutsche Schuljahre von September bis Juli anbietet.

Hier nun also Ferien, zweieinhalb wunderbare freie Wochen voller Sonnenschein, mildem Wetter und vor allem ohne Schule.

Shizuka hat den Freitag, den Samstag, den Sonntag und einen großen Teil des Montags lesend im Bett verbracht. Gedichte von Guggenmoos, irgendetwas über Orcas, ein Jugendroman über chaotische Lebensumstände, der Sammelband mit Grimms Märchen musste ebenfalls dran glauben. Dann war da noch das Buch über die Hunderttausend Dinge, die coole Jungs interessieren (Pfadfinder, nicht die Bravo-lesende Sorte) und das Rätselbuch, das uns nun schon seit ein paar Wochen begleitet. Auf dem elektronischen Lesegerät wurde "Nikos Reise durch Raum und Zeit" beendet und ein Band Jugendkrimis mit Leonardo

Zwischen der ganzen Leserei war gerade so noch Zeit, eine Hängematte zu kaufen, zu essen und eine Stunde klettern zu gehen. Das werden spannende Ferien ...