Donnerstag, 20. Juli 2017

Chillen pur

Sommer in Deutschland ist irgendwie immer sehr viel entspannter als in Japan, trotz der vielen Aktivitäten. Und so war es auch in diesem Jahr:

- eine Woche Reiterferien

- jeden zweiten Tag in der Boulderhalle

- die Tage dazwischen im Freibad, wetterabhängig auch Hallenbad

- gefühlt fünfhundert Bücher ins Kinderzimmer geschleppt und wieder weggeräumt

- ausgiebig täglich am Klavier gesessen

- wenigstens fünf üppige Mahlzeiten am Tag genossen

- wandern und spielen mit dem Hund

- zelten im Garten mit einer Freundin

- täglich Omas Beerensträucher leerfuttern

- drei Kinderkreuzworträtselhefte gelöst

- Mario Kart auf der Wii U gelernt

- viermal bei der Post gewesen und jeweils eine Ladung Briefe, Karten und Päckchen abgegeben

- Skateboard und Fahrrad gefahren

- das Dorf mit Straßenkreide verschönert

- den Spielplatz wenigstens fünfmal heimgesucht

- im Garten Krocket und Fußball gespielt

- einen Tagesausflug zum Senckenbergmuseum in Frankfurt gemacht

- einen Nachmittag im Wildtierpark Gersfeld verbracht

- zwei Tage im Indoor-Spielplatz verbracht und wiedermal ausgiebig Mini-Golf gespielt

... und das alles in nur drei Wochen. Man sollte meinen, danach ist man urlaubsreif. War aber nicht, dazwischen war sogar noch Zeit für Shizukas Mama, ein neues Arbeitslaptop käuflich zu erwerben und einzurichten, sich einzuarbeiten, sich mit der erstmal nicht systemkompatiblen neuen externen Festplatte auseinanderzusetzen und einige alte Freundschaften zu pflegen. 

Der Trick des Sommerurlaubs scheinen die relativ kühlen Abende und Nächte zu sein. Während in Yokohama rund um die Uhr zwischen 25° und 30° c bei wenigstens 70 % Luftfeuchtigkeit herrschen, sinken die Temperaturen auch in heißen Sommerwochen in der Rhön immer noch auf moderate 10° bis 15° C. Der Schlaf ist erholsam, man startet ganz anders in den Tag. Und fühlt sich einfach fitter.

Übrigens durfte am Ende tatsächlich Shizuka am Reiterhof übernachten. Die kleine Schwester hat einen Rückzieher gemacht und fand das dann auch gar nicht schlimm, denn für die Nacht waren schwere Gewitter angesagt, die dann auch tatsächlich kamen. Geschlafen wurde in der Reithalle, die die Kinder erst noch reinigen und frisch einstreuen mussten. Derweil löschte der Gewitterregen schon den Grill ... Nächstes Jahr wieder, da waren sich alle Beteiligten einig. Und am Wochenende geht es dann zurück nach Japan, wieder via Peking.

Mittwoch, 28. Juni 2017

Wichtige Fragen geklärt – andere noch ungelöst

Die Ferien beginnen in zwei Tagen, und die ganze Familie ist entsprechend aufgeregt. Zeugnisse, letzter Tag im Kindergarten vor der zweimonatigen Pause (die Freunde der kleinen Schwester gehen noch zwei Wochen länger in den Kindergarten), Abschied von Freunden und Lehrkräften, Jahresabschlussfeier der Schule mit Ehrung der besten Schüler und Schülerinnen – es liegt einfach ganz viel an. Und dann müssen alle auch noch packen, denn der Flieger geht am ersten Ferientag, am Samstag schon. Die Kinder sind wirklich wuselig.

Was sie nicht wissen: Nicht nur der Patenonkel wird am Flughafen auf uns warten, sondern auch Oma, Opa und der Cousin. Bei der Oma am Urlaubsort werden außerdem einige Überraschungen auf sie warten. Die Kinder wachsen. Dementsprechend sind neue Reithelme und -stiefel nötig, wir brauchen Lernmaterialien für die Schule, Schulbücher und einen neuen Schulrucksack. Shizuka ist jetzt nach sechs Schuljahren aus dem alten Scout-Ranzen wirklich herausgewachsen und besteht auf einer etwas altersgemäßeren Verpackung für Bücher und Hefte. Außerdem ist Ferienliteratur nötig: Der Kindle ist zwar schon geladen, aber vor allem die kleine Schwester liest eben doch noch lieber auf richtigem Papier. Die erste Überraschung gab es schon zu Hause in Japan: Shizuka hatte für eine Übernachtung in der Schule einen neuen Schlafsack bekommen, weil der alte in Deutschland geblieben ist. Der Neue wird selbstverständlich mitgenommen und muss in den Koffer. Für die Reiterferien.* Neue Kletterschuhe für Shizuka sind aus Gründen des schnellen Wachstums ebenso nötig wie für die kleine Schwester und die Mama**.

Wer bei den Reiterferien übernachtet und wer nicht, wissen wir indes immer noch nicht. Es stehen auch noch einige Verabredungen aus: Freunde, die uns treffen wollen, Städte, die wir sehen wollen. Alles noch nicht organisiert. Was dagegen durchaus schon organisiert ist: Die Kinder wollen ganz oft schwimmen gehen und das jeweils nächste Schwimmabzeichen erwerben. Für Shizuka wäre das das goldene Jugendschwimmabzeichen, für die kleine Schwester das Seepferdchen. Mama muss auch ran: Wenn die Mädchen wirklich ausreichend üben, um die Prüfung abzulegen, muss Mama ein Schwimmabzeichen für Erwachsene machen. Der neue Badeanzug dafür ist schon gekauft***. Das allein war schon schwierig genug, denn die deutsche Mama hat nicht die richtigen Abmessungen, um in einen "richtigen" Schwimmanzug im japanischen Sportgeschäft zu passen. Und die seltsamen Bademoden, die die japanischen Plansche-Mamas tragen, sind zum sportlichen Schwimmen nicht wirklich geeignet.

Die Betreuung für Haus und Garten ist derweil auch schon organisiert: Shizukas Gurkenpflanzen und den Kartoffeln der kleinen Schwester wird es an nichts mangeln. Während eine Freundin der Familie eineinhalb Wochen lang die Pflege übernimmt, werden anschließend die japanischen Großeltern für die übrigen eineinhalb Wochen unser Zuhause als Ferienhaus nutzen und selbstverständlich die ersten Früchte im Garten ernten. 

Es warten auf jeden Fall spannende Ferien mit vielen Überraschungen und Herausforderungen auf uns.


* Und für eine Übernachtung im Zelt mit einer sehr, sehr guten Freundin, die Japan vor einem Jahr verlassen hat und die uns ein Wochenende lang in Deutschland besuchen wird. Oma hat ein Zelt besorgt, dass dann im Garten stehen wird, wir wollen gemeinsam in die Boulderhalle gehen und ins Freibad. Alles schon geplant, die beteiligten Kinder werden das allerdings mehr oder weniger als Überraschung erleben. 

** Die Mama ist natürlich nicht rausgewachsen, sondern hat ihre Schuhe in den letzten vier Jahren so intensiv genutzt, so dass die Sohlen sehr, sehr rund geworden sind. Der Mythos von La Sportiva ist immer noch ein Traumschuh, aber eben nicht in rund. Daher muss jetzt langsam etwas Kantigeres her, das hoffentlich wieder so lange hält. Oder länger. Denn die alten Finken werden selbstverständlich nicht entsorgt, sondern stehen als bequeme Treter weiterhin zur Verfügung. Falls die neuen mal drücken. Soll bei Kletterschuhen ja vorkommen. Abenteuer übrigens: Denn zum ersten Mal überhaupt haben wir Schuhe im Internet bestellt. Da wir Mädchen der Familie sehr pienzig sind, was die Passform angeht, ist die Frage natürlich: Sind die neuen Schuhe wirklich passend für den Fuß? große Spannung!

*** Nicht aus modischen Gründen, sondern weil der alte Anzug nach nunmehr sechs Jahren und wöchentlichen Schwimmbadbesuchen plus Gelegenheitsbaden im Meer auseinanderfällt. Taugt alles nichts mehr, das neumodische Zeugs ...

Dienstag, 20. Juni 2017

Abschied, schon wieder

Das Schuljahr ist fast zu Ende, und es haben sich wieder einmal überraschende Freundschaften ergeben. Und wie im letzten Jahr verlassen auch diesmal wieder einige Familien das Land. Shizuka ist nur von einem Fall betroffen, der aber doch für Trauer sorgt. Sie hatte in der Schule tatsächlich erste zarte freundschaftliche Bande geknüpft, das Mädchen kennen wir schon lange, die Familie wohnt in der Nähe, und der Lebensstil ist unserem vergleichbar. Besonders nett: Shizukas neue Freundin steckt in einer ähnlich angespannten Situation wie Shizuka selbst auch, wächst mehrsprachig auf, hat eine Klasse übersprungen, interessiert sich für extrem spezifische Themen und pflegt eine Ratte als Haustier – sehr liebevoll, und ganz ohne Scheu irgendwelchen Krabbelviechern gegenüber.  Ein frecher kleiner Feger, Neuem gegenüber offen und sehr bestimmt, was die eigenen Präferenzen angeht. Zum ersten Mal hat Shizuka eine Seelenverwandte getroffen, die auch noch auf ihrer Wellenlänge liegt  trotz dem enormen Drang zur Unabhängigkeit. Der Abschied fällt also wieder schwer, zumal die kleine Schwester diesmal auch trauert. Wir werden gemeinsame Schwimmbadbesuche, Spielenachmittage und herausragende musikalische Darbietungen vermissen.

Andere Veränderungen betreffen in erster Linie das Personal der Schule und sind mit weniger Herzschmerz als vielmehr dem Verlust kompetenter Pädagogen und Pädagoginnen verbunden.

Und noch ein Abschied steht an: Shizuka konnte aufgrund eines besonderen Projekts der Schule das Sprachlernprogramm Rosetta Stone ein Schuljahr lang kostengünstig nutzen und hat das für Englisch und Französisch intensiv getan. Mit dem ersten Juli läuft unsere Lizenz aus. Shizuka wird schon nervös, wenn sie an die Arbeitshefte, Vokabelhefte und Grammatiken denkt, die sie danach wieder zur Vorbereitung auf Klassenarbeiten und für den täglichen Vokabelspaß wird nutzen müssen. Wir hoffen immer noch, dass die Schule das Programm im kommenden Schuljahr wieder anbietet – so freudig habe ich noch nie ein Kind Vokabeln pauken sehen. Möglich wurde die Aktion wohl in der Zusammenarbeit mit der IJM Stiftung. Neben dem Sprachangebot von Rosetta Stone waren ein Mathe-Paukprogramm namens Better Marks und diverse Freizeitangebote mit der Initiative verbunden. Die Freizeitangebote klangen wirklich verführerisch, von Robotik-Camps auf hohem Niveau über Lego-Workshops und Philosophietage bis hin zu Walbeobachtungs-Expeditionen war wirklich alles dabei. Leider waren diese Angebote in erster Linie für in Deutschland ansässige Kinder und Jugendliche gedacht, an den deutschen Schulferien orientiert und außerdem aufgrund der sehr hohen Kosten für uns nicht nutzbar. Auch im Angebot des Junior-Studiums zeigte sich der extrem elitäre Gedanke der Initiative: Die monatlichen Gebühren dafür wären für uns nicht leistbar gewesen. Das Angebot ist ohnehin derzeit auf mathematische und wirtschaftliche Studiengänge beschränkt, so dass Shizuka dem nichts abgewinnen konnte. Sie war extrem enttäuscht davon, denn sie hatte sich nach dem tollen Einstieg über das Sprachprogramm sehr viel mehr erhofft. Wir sind neugierig, ob diese Fördermöglichkeit für begabte Schüler und Schülerinnen auf wirtschaftliche Interessen beschränkt bleibt und hoffen natürlich darauf, dass auch Menschen fernab kapitalistischer Interessen künftig derart gefördert werden können. Klingt etwas böse, ist auch genau so gemeint. ;-)